Jakob Prandtauer, der Baumeister des Barock

24 Jahre lang arbeitete Huberta Weigl an der ersten Monografie über Jakob Prandtauer.

Erstellt am 25. März 2021 | 04:56
Jakob Prandtauer
Klostergasse 15 in St. Pölten: Hier wohnte und arbeitete Jakob Prandtauer von 1692 bis 1726 – und hier entstanden unter anderem auch die Pläne für das Stift Melk. 
Foto: Daniel Lohninger; Sergey Goryachev/Shutterstock.com

24 Jahre lang hat Huberta Weigl daran gearbeitet, in den nächsten Tagen ist sie im Buchhandel erhältlich: die erste Monografie über den Barock-Baumeister Jakob Prandtauer (1660-1726). Fast 1.000 Seiten ist sie stark – und voll mit neuen Erkenntnissen.

Huberta Weigl dokumentiert Werk und Leben Prandtauers auf 1.000 Seiten.
Huberta Weigl dokumentiert Werk und Leben Prandtauers auf 1.000 Seiten.
privat

„Prandtauer war nicht nur Baumeister und Architekt in einem, er war auch ein exzellenter Künstler und geschäftstüchtiger Unternehmer“, fasst Weigl zusammen. Die Monografie ist folglich mehr als eine Dokumentation der bau- und architekturgeschichtlichen Bedeutung Prandtauers, sie ist auch eine Dokumentation des barocken Baustellen-Alltags.

So wurde Jakob Prandtauer zum St. Pöltner

Wer weiß, wie Jakob Prandtauers Leben verlaufen wäre, hätte sich der St. Pöltner Propst Christoph Müllner nicht mit dem städtischen Baumeister zerkriegt? Der Streit sorgte jedenfalls dafür, dass sich der Augustiner für die Bauten im Klosterbezirk einen eigenen Baumeister suchte. Fündig wurde er am Schwaighof – dem heutigen WIFI-Seminarzentrum in der Landsbergerstraße. Dort lernte der Propst bei Bauarbeiten den Tiroler Jakob Prandtauer kennen, der im Dienste des Wiener Baumeisters Oedtl tätig war.

Bereits einen Monat später, am 16. Juli 1692, kaufte Prandtauer das Haus Klostergasse 15, zog mit seiner frisch angetrauten Frau Maria Elisabeth Rennberger ein und machte es zu seinem Atelier. Bald schon war klar: Prandtauer war zur richtigen Zeit in die richtige Stadt gekommen. Weigl: „Es gab damals einen enormen Bau-Boom. St. Pölten war der perfekte Standort, um von hier aus die Baustellen im ganzen Land zu betreuen. Prandtauer wusste geschickt diesen geografischen Vorteil zu nutzen.“

Jakob Prandtauers Bauten

Prandtauers erstes Werk als Baumeister war die Umgestaltung des Südturmes der Kirche des St. Pöltner Chorherren-Stiftes – des heutigen Doms. Für den Propst plante und errichtete er in den folgenden Jahren unter anderem auch das Schloss Ochsenburg bei St. Pölten. Bald schon führten ihn die Aufträge auch in das Umland. 1699 errichtete er das heute kaum bekannte Stift St. Andrä an der Traisen.

Zwei Jahre später erhielt Prandtauer den Auftrag für seinen bekanntesten Bau – das Stift Melk. Es folgten die Wallfahrtskirche auf dem Sonntagberg, die oberösterreichischen Stifte Kremsmünster, Garsten (die heutige Justizanstalt) und St. Florian sowie die Stifte Herzogenburg und Dürnstein.

Die Pläne für all diese Projekte entwarf er mit seinen Mitarbeitern – darunter Joseph Munggenast – im Atelier in der Klostergasse. Weigl: „Bis zu seinem Tod im Jahr 1726 erhielt Prandtauer im nieder- und oberösterreichischen Raum nahezu alle großen Aufträge auf dem Gebiet des Klosterbaus.“ Wie Band II der Monografie dokumentiert, war Prandtauers Werk aber viel umfassender. Denn das Gesamtwerk des St. Pöltner Baumeisters beinhaltet auch Kirchen, Pfarrhöfe, Kapellen, Schlösser, Bürgerhäuser, Paläste, Gartengebäude, Wirtschaftsbauten wie den Schüttkasten in Primmersdorf, Kasernen, Brücken und Straßen.

Nicht überall, wo Prandtauer draufsteht, ist Prandtauer drin

Weigl macht sich in ihrer Monografie nicht nur auf die Suche nach dem Gesamtwerk Prandtauers, sondern auch auf die Suche nach vermeintlichen Prandtauer-Bauten. So wurde die Prandtauer-Kirche in St. Pölten von Martin Witwer, dem Ordensarchitekten der Karmelitinnen, und Matthias Steindl errichtet. Prandtauer hatte nur die Bauaufsicht. Auch manch anderer angeblicher Prandtauer-Bau wie das denkmalgeschützte Schloss Schmida im Bezirk Korneuburg stellt sich bei genauerer Betrachtung nicht als Prandtauer-Bau heraus.