Erstellt am 16. September 2014, 11:15

von Thomas Jorda

Bier-Imperium. Wilhelm Lovrek in Mödling: „Ich kann mich gut erinnern, dass Otto von Habsburg bei uns daheim Gast war.“

»Was meine Vorfahren geleistet haben, das will ich hochhalten.« Wilhelm Lovrek vor einem Porträt des russischen Bierkaisers Alfred Vacano Ritter von Wellho, das im Wohnzimmer hängt.  |  NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
Sein Beruf war oft anspruchsvoll. Denn als Leiter der Feuerwache des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien war viel zu erledigen, was gar nicht mit Feuer zu tun hatte. „Wir mussten viele Hilfeleistungen direkt am Patienten leisten, dafür haben wir unsere Leute selbst ausgebildet“, erzählt Wilhelm Lovrek. „Denn ein Feuerwehrmann ist so wenig eine Krankenschwester, wie der Arzt ein Feuerwehrmann ist.“
Die Bandbreite der Fälle reichte von Unfallopfern mit eisernen Pfählen im Leib, die abgeschnitten werden mussten, bis zu Eheringen, die einfach nicht mehr vom Finger gingen.

„Aber man hat uns auch gerufen, als ein Arbeiter einen Hitzeschlag mit 44 Grad Körpertemperatur hatte und mit normalen Mitteln nicht mehr runterzukühlen war. Oder als im Tierexperimentellen Labor ein ertrunkenes Schwein in einer wassergefluteten Koje getrieben ist.“

Ein Stammbaum, der weit bis ins 18. Jahrhundert reicht

Auf seine Familiengeschichte, die in Deutschland ihren Anfang nahm, ist Wilhelm Lovrek stolz. Immerhin kann er den Stammbaum bis weit ins achtzehnte Jahrhundert zurückverfolgen.
In den Ritterstand erhoben wurde 1786 ein Vorfahre in der direkten Linie, Anton Nicolaus Jacobus Gerardus Vacano. Dessen Enkel, Alfred Vacano Ritter von Wellho, gründete mit seinem Sohn Erich ein gewaltiges Brauerei-Imperium und belieferte von Baku (Aserbaidschan) und Tiflis (Georgien) aus mit Lagerbier und Bayerischem Bier ganz Russland.

„Alfred hat gewusst, dass dort Bedarf nach gutem Bier besteht. Er hat gesagt: Land gibt es genug, Hopfen und Malz bauen wir selber an! Die Biere der Marke Shiguli, benannt nach Bergen am Rand der Wolga, sind eingeschlagen wie eine Granate.“

Vater und Sohn machten aber nicht nur Geschäfte, sie gründeten auch Spitäler, Schulen und Entsalzungsanlagen, versorgt mit Energie eigener Kraftwerke, und unterhielten Wolgaschiffe.
„Als nach der kommunistischen Revolution 1917 alles enteignet wurde, war es Lenin persönlich, der Alfred die Brauerei als Geschäftsführer anvertraut hat. Er blieb immerhin bis 1926.“

Dann kam die Familie nach Mödling. Erichs Tochter Olga heiratete einen Wilhelm Lovrek. Der war zwar nicht direkt adelig, aber die Legende berichtet, dass ein uneheliches Kind von Napoléons Sohn sich in den Stammbaum eingeschlichen hat. Angeblich hat ein Lovrek die Tochter des Herzogs von Reichstadt geheiratet, die der mit dem Spross einer Wiener Juweliersfamilie gezeugt hatte.

Wilhelm Lovrek, der in Liesing eine Metallwarenfabrik betrieb, war ein einfallsreicher Mann. Die auf jedem Friedhof benutzte Apparatur zur Sargversenkung geht auf ihn zurück. Sein Bruder August war Sekretär von Otto von Habsburg. Der Neffe, nach seinem Vater ebenfalls Wilhelm genannt, erinnert sich gut: „Als Otto noch nicht nach Österreich einreisen durfte, war er mit Onkel Gustl ein paar Mal geheim bei uns in Mödling zu Gast. Und als der Onkel gestorben ist, begleiteten Otto und seine Frau Regina den Sarg.“

Wilhelm Lovrek hält die Historie seiner Familie hoch, das eindrucksvolle Wappen hat er an der Hausfassade angebracht.
„Für mich bedeutet das Wappen eine Erinnerung an unsere Geschichte und Tradition. Ich will damit hochhalten, was meine Vorfahren geleistet haben.“

WILHELM LOVREK …

… wurde am 10. November 1950 in Neunkirchen geboren und wuchs in Perchtoldsdorf und Mödling auf.

Dort absolvierte er auch bis 1972 die HTL für Maschinenbau.

Nach technischen Jobs in verschiedenen Firmen heuerte er als Brandschutz- und Sicherheitsbeauftrager erst bei der Errichtungsgesellschaft des Wiener AKH an und leitet diese Abteilung dann im AKH bis zur Pensionierung 2009.

Wilhelm Lovrek ist seit 1975 mit
Irma verheiratet; sie haben zwei Kinder, Bernhard (geboren 1980) und Philipp (1983).