Erstellt am 16. September 2014, 10:26

von Thomas Jorda

Bisschen besser. Albert Montecuccoli, Forstwirt in Markersdorf bei St. Pölten: „Wichtig ist ein besonderer Umgang mit der Familie.“

»Mit meinem Vorfahren Raimondo verbindet mich, dass ich mich nicht so leicht abschrecken lasse, aber auch nichts Unüberlegtes mache.« Albert Montecuccoli vor seinem Schloss Mitterau.  |  NOEN, ERICH MARSCHIK
Die Trockenheit wird größer, die heißen Tage werden mehr. Keine guten Aussichten für die Forstwirtschaft. „Mittweile glaube ich an die Klimaveränderung“, sagt Albert Montecuccoli. „Dabei habe ich mich lange gegen diese Erkenntnis gewehrt. Aber das war falsch.“ Die Klimaentwicklung ist jedoch nicht nur ein allgemeiner Trend. Die Trockenheit in diesem Winter lässt Böses ahnen. „Wir werden das erst in ein paar Tagen sehen, aber ich fürchte große Ausfälle bei den Baumpflanzungen des Vorjahrs.“

Dabei könnte er sich ja zurücklehnen und Sohn Felix bei der Arbeit zuschauen, aber einmal Forstmann, immer Forstmann.

Trotz der Veränderungen. „Ich habe mich zurückgezogen, als es bei den Forstfahrzeugen nur noch Automatikgetriebe gegeben hat und die Maschinen statt mit Hydraulikhebeln bloß noch elektronisch gesteuert wurden. Damit konnte ich nichts anfangen.“

Die Europäische Union verlangt anderes Denken

Die Europäische Union war ein zweiter Anlass, in den Ruhestand zu gehen. „Dabei hat es mich gar nicht geschreckt, als wir durch den Beitritt Österreichs plötzlich ein freier Markt waren. Aber dann wurden die Förderungen immer mehr ausgebaut. Und das verlangt ein ganz anderes Denken. Ich war mein ganzes Leben lang bestrebt, die Produktion zu optimieren. Und jetzt sollte ich plötzlich die Fördergelder optimieren.“
Die Montecuccoli sind ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes Adelsgeschlecht im Herzogtum Modena. Der bedeutendste Ahn’ war Reichsgraf Raimondo Montecuccoli, einer der größten Feldherrn des Heiligen Römischen Reiches und Träger desselben klitzekleinen Bärtchens, wie ihn Albert auch ziert.

Der, wir sagten es, begeisterte Forstwirt bewirtschaftete viele Jahre die über sechstausend Hektar Wald des Prinzen Liechtenstein im steirischen Deutschlandsberg. Eine große Aufgabe, der er sich auch stellte, als sein Vater 1972 starb und er das seit 1710 im Familienbesitz befindliche Gut Mitterau in der Gemeinde Markersdorf bei St. Pölten verwalten musste. „Aber wir haben hier nur 950 Hektar Wald, da wollte ich mich der Herausforderung in der Steiermark nicht entziehen. Außerdem war ich auch mit der Entwicklung von Forstmaschinen beschäftigt.“

Im Jahr 1994 kehrte er heim und wohnt im Schloss Mitterau, das um 1600 erbaut wurde und seine heutige Form 1754 erhielt.

Zum Adel hat er einen pragmatischen Zugang. „Ich bin sogar damit einverstanden, dass er abgeschafft wurde. Innerhalb der Aristokratie weiß man Bescheid, und politisch Andersdenkende ersparen es sich, jemanden mit einem Adelstitel anzusprechen. Und außerdem: Steht der Titel im Pass, dann steht er auch auf allen Schulzeugnissen. Das ist für Kinder oft nicht angenehm.“

Anders die Meinung zur Monarchie, die Albert Montecuccoli so schlecht nicht findet. „Man erspart sich die periodisch wiederkehrende Beschimpfung von Präsidentschaftskandidaten.“ In Heiratssachen denkt er wie viele Adelige. „Wichtig ist, dass man mit dem Partner dasselbe kulturelle Verständnis und Niveau hat, ob man unter oder über dem Stand heiratet, darauf kommt’s nicht an. Ich habe jedenfalls die richtige Frau gefunden.“
Und wozu verpflichtet Adel? „In allem, was man tut, ein bisschen besser zu sein als Andere. Und sich immer so zu verhalten, dass man das Vertrauen seines Gegenübers genießt.“

ALBERT MONTECUCCOLI …

… kam am 15. September 1935 in Wien zur Welt, maturierte 1953 in Melk und studierte in Wien Forstwirtschaft (Diplomingenieur 1958).

Nach verschiedenen anderen Tätigkeiten leitet er von 1969 bis 1994 das Forstgut Prinz Liechtenstein in Deutschlandsberg und seit 1972 auch das familieneigene Gut Mitterau bei St. Pölten, das er 2002 seinem Sohn Felix übergab.

Seit 1962 ist er mit Barbara von Pfügel verheiratet, sie haben drei Kinder und 18 Enkel.