Erstellt am 15. September 2014, 14:08

von Thomas Jorda

Ein Herr sein. Georg Waldstein, Mitherausgeber des „Gewinn“, daheim in Spillern: „Ich hab‘ fast alle Wallenstein-Bücher gelesen.“

»Adel verpflichtet heißt, dass man sich ordentlich benimmt und dort, wo man steht, eine entsprechende Rolle spielt.« Georg Waldstein, bekennender Austria-Wien-Fan, auf dem Balkon seines Büros.  |  NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
Gute Zusammenarbeit, oder wie man auf Neudeutsch sagt: Teamwork bringt Gewinn. Durchaus auch im buchstäblichen Sinn.

Seit bereits dreißig Jahren arbeiten Georg Wailand und Georg Waldstein gut zusammen und bringen das Wirtschaftsmagazin „Gewinn“ heraus. Mit Gewinn: „Wir haben schon im ersten Jahr positiv bilanziert“, sagt Hälfteeigentümer und Mitherausgeber Georg Waldstein, „und das hat sich bisher nicht geändert.“
Die Gewinne seien stets schön gewesen, meint Waldstein, aber nicht exorbitant. Deshalb hätten sich die Begehrlichkeiten auch in Grenzen gehalten. „Natürlich hat es immer wieder Kaufangebote gegeben. Aber wenn die theoretische Verzinsung eines Verkaufes nicht deutlich höher ist als der Gewinn, mache ich es nicht, weil das ja keine Verbesserung ist.“

Außerdem mache ihm die Zusammenarbeit mit Wailand viel Freude. „Wir haben in all der Zeit weder private noch dienstliche noch fachliche Auseinandersetzungen gehabt. Diskussionen ja, aber keinen Streit.“

Das Vertrauen, vom Anderen nicht gelegt zu werden

Wie das geht? „Mit Vernunft allein sicher nicht. Man muss einander gern haben und vertrauen, dass man nicht gelegt wird.“ Mit einer Ehe vergleicht Waldstein das nicht. „Wir picken nicht dauernd zusammen. Wailand hat außerdem viel zu tun und einen starken inneren Arbeitgeber.“

Der Partner kann sich zurückhalten. „Ich bin nicht zur Welt gekommen, um von früh bis spät zu arbeiten. Aber man hat natürlich vor sich selbst, der Familie und Gott die Verpflichtung, nicht vor sich hin zu gammeln und muss Talente nutzen. Doch man kann’s auch übertreiben.“

Anfang der Achtzigerjahre ist die Familie Waldstein nach Spillern bei Korneuburg übersiedelt und bewohnt ein schmuckes Haus in Schönbrunnergelb. „Eigentlich zufällig; ursprünglich wollten wir nur nahe Wien einen privaten Tennisplatz anlegen.“

Längst hat sich der bald Siebzigjährige aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und nimmt ausschließlich die Verpflichtungen des Miteigentümers und Mitherausgebers wahr. In einem kleinen Büro im Wiener „Gewinn“-Haus, ohne Computer, dafür mit zwei Ledersesseln, Stehpult, Balkon und Minifernseher aus dem Museum. Und einer Uhr, auf der es immer fünf vor zwölf ist.

Zum Journalismus kam Waldstein auf verschlungenen Wegen. „Die Studien von Jus und Welthandel waren mir bald zu theoretisch, der Versuch, Schauspieler zu werden, scheiterte an der Anhänglichkeit eines Regisseurs. Schließlich habe ich mich beim Chefredakteur der Wochenpresse vorgestellt. Bruno Flajnik hat rasch gemerkt, dass ich keine Ahnung von dieser Arbeit hatte, dafür haben ihm meine glänzend polierten Schuhe imponiert.“
Georg entstammt der über 850 Jahre alten böhmischen Adelsfamilie Waldstein, deren berühmtestes Mitglied die Feldherrenlegende des Dreißigjährigen Krieges, Generalissimus Wallenstein, war und die 1630 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.

Wie man sich heute als Adeliger positioniert? „In einem Gespräch ist der Vorschlag gekommen: Seien wir einfach Herren!“ Man dürfe das natürlich nicht als Selbstüberschätzung missverstehen, sondern als Auftrag, „die Anständigkeit hochzuhalten und zu pflegen“. Außerdem, meint Waldstein, hätte der Adel einen besonderen Vorteil: „In welchen Schwierigkeiten man immer auch steckt, als Aristokrat bleibt man stets das, was man ist.“

GEORG WALDSTEIN …

… wurde am 17. Dezember 1942 in Buchberg am Kamp geboren und wuchs auf Schloss Karlslust bei Retz auf. Nach der Matura 1962 in Horn und Teilstudien in Jus und Welthandel begann er 1966 als Journalist zu arbeiten. Er war u. a. Herausgeber von Trend und Kurier und gründete 1982 gemeinsam mit Georg Wailand den „Gewinn“.

Er hat drei Kinder, Mariella (1969), Eugen (1972), Maximilian (1976) und ist seit 1982 mit Bettina Gräfin von Kielmansegg verheiratet.