Erstellt am 20. Februar 2012, 00:00

von Thomas Jorda

Idee der Weite. Franziskus Graf von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock, in Purgstall & Wien: „Fasziniert vom alten Österreich!“

»Wir sind Gott sei Dank eine demokratische Gesellschaft. Aber das muss man leben, darf keinen wegen Herkunft oder Sprache ausgrenzen!« Kerssenbrock vor dem k. u. k. Reichskriegsministerium.  |  NOEN, ERICH MARSCHIK
Franz Ressl, Bürgermeister von Purgstall, wollte es ganz genau wissen. Wie Andrea Schoberberger denn verheiratet heißen werde, fragte er noch vor der Trauung die Braut maliziös.

Doch die Tochter der weithin geschätzten Blumenmalerin Barbara Schoberberger kannte die richtige Antwort sehr gut: Andrea Graf von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock.

Denn sie hatte einen Mann mit doppelter Staatsbürgerschaft gewählt. Und während in Deutschland der Adelstitel als Namensbestandteil auch nach 1918 erhalten blieb, taucht er im aristophoben Österreich nur dann auf, wenn ein Partner den Namen des anderen annimmt. Also heißt Andrea Graf und ist nicht Gräfin.

Ich schaue nur und schieße nicht!

Kennen gelernt haben die beiden einander in einem Breitenfurter Reitstall, den Andrea geleitet hat. „Ich wollte reiten lernen, um Safaris in Afrika intensiver zu erleben“, sagt Franziskus. „Aber ich schaue nur und schieße nicht!“ Das gefiel Andrea, so kam man einander an langen Abenden vor dem knisternder Kaminfeuer im Reitstall näher.

Korff ist eine der ältesten landsässigen westfälischen Adelsfamilien im Münsterland. So alt die Familie, so komplex ist auch deren Geschichte. Beschränken wir uns auf Details. Erstmals urkundlich genannt wird 1241 ein Ritter Henricus Corf. Er war mit Frankreichs König Ludwig dem Heiligen auf Kreuzfahrt und hatte ihm das Leben gerettet. Deshalb darf die Familie auch Frankreichs Lilie im Wappen führen.

Und seit 1354 trägt ein Teil den Namen Schmising. Er rührt angeblich vom plattdeutschen Ruf Smiet in! (Gib her!) in einem Würfelspiel her, mit dem die Erben das Stammschloss teilten.

Kaiser Leopold I. erhob die Familie 1679 in den Reichsfreiherrenstand, 1820 der preußische König Friedrich Wilhelm III. in den deutschen Grafenstand.

Zu bekannten Vertretern der Familie gehören jene drei Brüder, die als preußische Offiziere um 1850 ihr Gewissen über die Ehrenregel stellten und ein Duell verweigerten. Sie wurden entlassen und der „Fall Kerssenbrock“ in Preußen noch lange heiß diskutiert. Bemerkenswert die Enkelin einer der drei, die 1938 dem verhafteten Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg zum Geburtstag Blumen ins Wiener Gestapo-Hauptquartier brachte.

Oder Trutz von Korff, der als CDU-Mandatar von Schleswig-Holstein dem Untersuchungsausschuss zur Barschelaffäre angehörte und dabei die Wahrheit über die Parteiräson stellte.

Die ruhmreiche Familiengeschichte macht Franziskus stolz.

„Adel verpflichtet, sich um andere zu kümmern, für das Allgemeinwohl einzutreten. Aus dem Privileg, die europäische Geschichte anhand der eigenen Familiengeschichte über achthundert Jahre betrachten zu können, folgt die Verpflichtung, hellhörig zu sein schon auf die Zwischentöne und dann auch aufzustehen und zu sagen: So geht’s nicht! Auch wenn das unbequem ist.“

In den Osten Österreichs hat es Schmising-Kerssenbrock auf verschlungenen Wegen geführt. „Es war vor allem die Idee der Weite, die Idee des Raumes, als Wien und Niederösterreich zusammen und nicht eifersüchtig aufeinander waren, die mich fasziniert, und hierher gebracht hat. Hier ist im tiefsten Sinn des Wortes ein europäisches Kernland, das endlich aufhören sollte mit allem Provinziellem.“
 


FRANZISKUS SCHMISING-KERSSENBROCK wurde am 6. Februar 1966 in Wittingen (Niedersachsen) geboren und wuchs in Günzburg (Schwaben), Budel (Niederlande), Saalfelden am Steinernen Meer und Wien auf, wo er 1986 die Matura ablegte. Nach Teilstudien in Jus und Publizistik begann er eine Karriere als freier Journalist, absolvierte das Postgraduate Studium International Relations an der Donauuni Krems und ist seit 2007 Pressesprecher der Wirtschaftskammer Wien.

2000 heiratete er Gattin Andrea, mit der er einen Sohn hat. Maximilian Maria kam 2004 zur Welt.