Erstellt am 17. Januar 2011, 00:00

von Thomas Jorda

Auf dem Boden. Maximilian Hardegg, Herr auf Schloss Seefeld in der Marktgemeinde Seefeld-Kadolz im Pulkautal: „Bin ein Vorbild.“

»Gute Bauern sind inzwischen Unternehmer. Obwohl der Unternehmergeist in Niederösterreich noch zu wenig gefördert wird.« Maximilian Hardegg vor Schloss Seefeld, das er & seine Familie bewohnen.  |  NOEN, Erich MARSCHIK
Eigentlich kommen ja die Hardeggs aus der Steiermark. Und eigentlich heißen sie nicht Hardegg. Klingt kompliziert, und ist es auch.

Sigmund und Heinrich Prueschenk stammten aus einer der ältesten, bis ins Jahr 1096 zu verfolgenden steirischen Adelsfamilie. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren sie sehr enge Freunde und Berater von Kaiser Friedrich III. und dessen Sprössling Maximilian. „Die zwei Brüder vermittelten oft zwischen Vater und Sohn, denn beide hatten meist große Konflikte miteinander“, zitiert Maximilian Hardegg, direkter Nachfahre Heinrichs, aus der Familienchronik. „Sie waren Privatberater, Kämmerer, Feldherren und Finan ciers der Habsburger.“

Der Kaiser revanchierte sich mit Burg und Titel

Die revanchierten sich. Kaiser Maximilian I. verkaufte die Burg Hardegg im nordöstlichen Waldviertel 1495 an die Prueschenks und erhob sie in den Reichsgrafenstand, was ihnen auch den Namen Hardegg einbrachte.

Mitte 17. Jahrhundert mussten sie aber aus Geldnot die Burg verkaufen; eine, bereits ausgestorbene Linie siedelte sich in Stetteldorf an, die andere bezog das familieneigene Anwesen in Seefeld-Kadolz im Pulkautal.

Das heute so prachtvolle Gebäude wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Johann Jakob Castelli auf den Grundfesten einer mittelalterlichen Wasserburg errichtet. Maximilian Hardegg, der aktuelle Schlossherr, hat dem Gebäude 1992 dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten den einstigen Glanz zurückgegeben.

Das Schloss hat er also, den Titel eines Reichsgrafen darf er, basierend auf den Habsburgergesetzen 1919, in Österreich nicht mehr führen. „Die Abschaffung des Adels beschäftigt mich nicht. Aber ich verstecke unsere Tradition nicht. Die Menschen suchen doch heute Verlässlichkeit und Anhaltspunkte. Das ist ja gerade bei uns am Land sehr wichtig.“

Dieser Vorbildwirkung kommt Hardegg auch mit Überzeugung nach. „Man ist, ob man will oder nicht, Vorbild für andere. Wir sind Pioniere beim Hochwasserschutz an der Pulkau gewesen, sind für die artgerechte Tierhaltung eingetreten und haben viele Umweltprojekte umgesetzt.“

Maximilian Hardegg hält beeindruckende tausend Muttersauen und produziert vom Ertrag der 25 Hektar großen eigenen Weingärten im Jahr satte 200.000 Flaschen Wein. Entsprechend der Lage als das wohl nördlichste Weingut Österreichs wird er unter dem Begriff „cool climate stylistic“ und gemäß seines Produzenten unter der Marke Graf Hardegg vermarktet.

Doch das sind nur zwei Kennzahlen des riesigen Betriebes. Allein die schiere Größe macht Hardegg zum wichtigsten Bauern der Gegend, obwohl er diese Bezeichnung gar nicht mag. „Ich fühle mich als Landwirt, nicht als Bauer. Ich bin Unternehmer, trage das unternehmerische Risiko und Verantwortung für die Angestellten. Und ich habe einen viel größeren Zugang zu Informationen, durch Kontakte, Ausbildung und Sprachkenntnisse. Daran lasse ich möglichst viele teilhaben, und die Leute schätzen das auch, weil ich keine politischen Absichten habe. Dabei gibt’s natürlich auch Neider. Aber mit denen lebe ich wie mit dem Hagel.“

Doch Landwirt oder Bauer, die Tugenden sind dieselben.

„Man erwirbt sich Durchhaltevermögen und Dauerhaftigkeit. Oder christlich gesagt: Man wird demütig. Viele sagen ja, dass die Bauern immer jammern. Das ist falsch – sie jubeln nicht! Denn morgen kann alles kaputt sein. Deshalb bleibt der Bauer immer auf dem Boden. In unserer Branche gibt’s keine Großkopferten.“


MAXIMILIAN HARDEGG ...

... wurde am 26. Februar 1966

in Wien geboren und wuchs in Ulrichskirchen auf. Nach der Matura 1984 am Wiener Theresianum studierte er in Bayern Agrarwissenschaft (Diplomingenieur 1991). Im Jahr 1994 übernahm er das Familienerbe, also das Barockschloss in Seefeld-Kadolz im Pulkautal und das 2600 Hektar große land- und forstwirtschaftliche Gut (davon sind 2200 Hektar Äcker und 25 Hektar Weingärten).

Er ist verheiratet und hat Kinder.