Erstellt am 30. Mai 2011, 00:00

von Thomas Jorda

Name ist genug. Eduard Habsburg-Lothringen, Medien referent des Bischofs von St. Pölten: „Republik muss sich nicht fürchten.“

„Mein Leitspruch lautet, wenn ich wieder glaube, es hängt alles von mir ab: Der Friedhof ist voll von unersetzlichen Menschen.“ Eduard Habsburg-Lothringen vor dem Dom von St. Pölten.  |  NOEN, ERICH MARSCHIK
Vor dem Ende der Monarchie wären ihm noch die Titel Kaiserlicher Prinz und Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen zugestanden. Heute muss sich der studierte Philosoph und Schriftsteller mit deutlich weniger begnügen. Was Eduard Habsburg-Lothringen nicht sehr stört. „Im Umfeld der Medien, in dem ich mich bewege, genügt der Nachname. Und wenn man Habsburg heißt, ist der Name genug, da braucht man keinen Titel.“

Eduard entstammt der ungarischen Linie der Habsburger, die auf Joseph Anton Johann von Österreich, Palatin in Ungarn, Enkel von Maria Theresia und jüngster Bruder von Kaiser Franz, zurückgeht. Ein anderer Bruder war Bischof von Olmütz.

Der letzte und der jüngste Priester der Habsburger

„Und damit der letzte Priester des Hauses Habsburg“, sagt Eduard, „bis zu meinem Bruder Paul, der Legionär Christi ist.“

Die tiefe Gläubigkeit dieses Familienzweiges kommt nicht von ungefähr. Ururgroßvater Joseph etwa war ein enger Freund von Pfarrer Kneipp, Vater Michael agierte als Präsident der Cardinal-Mindszenty-Foundation. Dazu kamen zwei Ehefrauen aus dem Haus Löwenstein, das stets eine große Stütze des deutschen Katholizismus‘ war. „Ein Löwenstein wollte als Letzter der Familie Dominikaner werden. Papst Pius IX. bat ihn persönlich, darauf zu verzichten und eine Familie zu gründen. So ging er erst in den Orden, als die Frau tot und die Kinder erwachsen waren. Ich kann sagen, dass ich von einem Dominikaner abstamme!“

Er selbst, meint Habsburg, sei durch seinen Großvater Karl Fürst zu Löwenstein besonders dem Glauben nahe gebracht worden. „Wir waren 25 Cousins und Cousinen, die alle Ferien in Schloss Bronnbach an der Tauber, einem ehemaligen Zisterzienserstift verbrachten. Ministrieren war Ehrensache; und ich bin jeden Tag mit dem Großvater spazieren gegangen. Dabei hat er mir immer über die Kirche und die Religion erzählt. Das alles hat meinen Glauben sehr geprägt.“

Eduard studierte Philosophie, nicht Theologie, „weil ich wusste, dass ich nicht Priester werden wollte“, und arbeitete für das Kinderfernsehen von Kirchmedia, als Produzent von Zeichentrickfilmen und als Buchautor (sein jüngstes Werk, „Wo Grafen schlafen“, erscheint diese Woche bei C.H. Beck). Seit 2009 ist er Medienreferent des St. Pöltener Diözesanbischofs Klaus Küng.

Seine Frau lernte er bei einer Hochzeit in Salzburg kennen. „Das Brautpaar dachte, es wäre nett, wenn wir beide zusammenkämen. Also haben sie uns an einem Tisch platziert. Tatsächlich waren die anderen so unglaublich borniert, dass sie mit uns nicht reden wollten. Deshalb wir uns miteinander unterhalten …“

Dann ging es schnell. „Wir haben uns bei einer Wallfahrt nach Medugorje verlobt und unsere Beziehung stark mit dem Gebet begleitet. Ich weiß nicht, wie man ohne Vertrauen auf Gott ewige Treue versprechen kann.“

Die Habsburgs leben mit ihren sechs Kindern nahe Hollabrunn. Für den inzwischen begeisterten Niederösterreicher ist die Familie sehr wichtig. „Das ist die Grundschule der Demokratie. Man lernt teilen, mithelfen, Rücksicht nehmen, Probleme im Diskurs lösen. Deshalb muss der Staat mehr für die Familien tun, die viele Kinder haben.“

Das beschäftigt ihn mehr als die Habsburgergesetze. „Das Ende der Monarchie war traumatisch. Ich verstehe, dass sich die junge Republik bedroht gefühlt hat. Aber es ist absurd, dass sich eine reife Demokratie vor ein paar alten Männern fürchtet.“


EDUARD HABSBURG-LOTHRINGEN …

… wurde am 12. Jänner 1967 in München geboren, wo er auch 1986 das Abitur ablegte. Der

Reserveoffizier der Bundeswehr studierte Philosophie in Eichstätt und in Fribourg in der Schweiz (Magister 1990, Doktor 2002).

Nach Jobs u. a. in der Filmbranche ist der mehrfache Buchautor seit 2009 Medienreferent von St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng.

Er ist seit 1995 mit Marie-Therese Gudenus verheiratet; sie haben sechs Kinder.