Erstellt am 16. September 2014, 10:55

von Thomas Jorda

Nicht faulenzen. Friedrich Leopold Hardegg in Schwarzenbach an der Pielach: „Für mich ist die soziale Komponente sehr wichtig.“

»Viele Mitglieder meiner Familie waren militärisch unterwegs, nicht wenige sind auf den Schlachtfeldern geblieben. Ich bin friedfertig und ein Streitschlichter.« Friedrich Hardegg im Pielachtal.  |  NOEN, FOTO: GABRIELE MOSER
In der Person von Friedrich Leopold Hardegg finden sich viele Spuren adeliger Familien längst untergegangener Reiche.

Über seine Urgroßmutter, die Tochter des Kronprinzen Rudolf, ist er in direkter Linie mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth verwandt. Als rote Erzherzogin ist sie in die Geschichte eingegangen – und immer noch Ehrenmitglied der SPÖ.

Die Familie Hardegg wurde im Jahr 1145 erstmals urkundlich erwähnt; seit 1187/88 trägt sie bereits den Grafentitel. Im 16. Jahrhundert war sie – neben den Liechtensteinern und den Kuenringern – die wohlhabendste Familie des Reiches; sie betrieb viele Geschäfte mit dem Kaiserhaus.

Drei Brüder bekamen den Militär-Maria-Theresia-Orden

Nicht alle Verwandten sind eine Zierde der Familiengeschichte, wie es zum Beispiel die Brüder Ignaz, Heinrich und Anton von Hardegg waren, die im Krieg gegen Napoleon als Generäle den Militär-Maria-Theresia-Orden bekamen. Oder Johann Rudolf Graf zu Hardegg, der ab 1914 Fürstgroßprior des Malteser-Ritter-Ordens war. Oder Tschechiens Außenminister Karl Schwarzenberg, ein Onkel Friedrichs.

Weniger löblich waren Feldmarschall Alfred Fürst zu Windisch-Graetz, der 1848 den Oktoberaufstand in Wien brutal niederschlug, oder Leopold Graf Berchtold, als Außenminister an erster Stelle für das Ultimatum 1914 an Serbien verantwortlich.

Doch genug der Geschichte. Friedrich Leopold Hardegg steht mit zwei unterschiedlichen Beinen mitten im Leben. Auf der einen Seite führt er in Wien eine höchst erfolgreiche Hausverwaltung mit Sitz in der Inneren Stadt. Er hat sie von seinem Vater übernommen. Probleme gab’s keine, sagt er. „Ich habe zu meinem Vater ein sehr gutes Verhältnis. Wir stellen allfällige persönliche Eitelkeiten immer hintenan. Vater ist der beste Mitarbeiter.“

Auf der anderen Seite verwaltet er im Pielachtal 2400 Hektar Wald mit einem eher kleinen Teil Grünfläche, die Isbary’sche Güterdirektion bei Kirchberg an der Pielach. Hier hält er vierzig Schottische Hochlandrinder und züchtet sie. Damit nicht genug, engagiert er sich in Verbänden und Vereinen, die sich mit Forstwirtschaft und Robust-Rindern beschäftigen.

Ein Glück, dass Gattin Christina (aus dem Mecklenburger Adelsgeschlecht von Oertzen), selbst viel beschäftigt ist. „Sie ist im Wiener Mumok für Kooperationen zuständig und sehr tüchtig. Da kann ich mir eine Scheibe abschneiden.“

Und überhaupt: „Wir sind ja nicht zum Faulenzen da. Wenn Adel zu etwas verpflichtet, dann zu arbeiten und Leistung zu erbringen, dort, wo man Interesse und einen Zugang hat. Das ist eine Frage der Selbsteinschätzung. Denn wenn ich was nicht mag, dann Überheblichkeit.“

Stolz auf die Herkunft sei überhaupt ein falscher Zugang, sagt Hardegg. „Gute Abstammung garantiert noch lange nicht, dass sich Gutes entwickelt. Meine Familiengeschichte ist sehr interessant und regt dazu an, sich mit der Geschichte allgemein zu beschäftigen. Aber sie ist nichts, worauf ich mir etwas einbilden kann, sie ist überhaupt kein Garant für Erfolg. Den muss man sich schon selbst erarbeiten.“

Deshalb hat er auch kein Pro-blem, dass ihm die Republik die offizielle Benutzung des Grafentitels verbietet. „Das stört mich überhaupt nicht, das ist für mich kein Thema. Aber ich gebe zu, wenn mich einer deswegen blöd anredet, dann ärgere ich mich.“

FRIEDRICH LEOPOLD HARDEGG …

… wurde am 1. Oktober 1968 in Wien geboren.Er wuchs in Schwarzenbach im Pielachtal und in Wien auf. Nach Matura und Teilstudien der Forstwirtschaft absolvierte er 1992 eine Ausbildung zum Forstwart und zum Hausverwalter. Er ist Geschäftsführer der Isbary’schen Güterdirektion im Pielachtal und Eigentümer der Hardegg Immobilien.

Seit 2000 ist er mit Christina von Oertzen verheiratet. Sie haben drei Kinder, Johann Julius (2002), Johann Anton (2004) & Alice (2007).