Erstellt am 16. September 2014, 10:18

von Thomas Jorda

Nützlicher Titel. Wolfgang Stubenberg auf Schloss Walkersdorf bei Hadersdorf am Kamp: „Ich wäre sehr gerne Dirigent geworden.“

»Wenn die Enkel kommen, ist das Schloss in fünf Minuten Kriegsschauplatz«, sagt Großvater Wolfgang Stubenberg. »Ich freue mich, wenn sie kommen, ich freue mich, wenn sie wieder fahren.«  |  NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
Die Frage, die jeden beschäftigt: Was hat er mit dem See zu tun?
„Nichts“, lacht Wolfgang Stubenberg, „der hat erstens der Familie Herberstein gehört und ist zweitens erst vor vierzig Jahren künstlich angelegt worden.“

Vierzig Jahre, die sind bei seinem Stammbaum zu vernachlässigen. Die Familie stammt ursprünglich aus Pitten, bereits um das Jahr 1160 siedelte sie sich in der Steiermark an und errichtete die Burg Stubenberg.
Hundert Jahre später errichtete sie ihren Stammsitz auf Burg Oberkapfenberg; heute ist er auf Burg Gutenberg bei Weiz.

Und wie kommt der Zweig der Familie nach Walkersdorf? „Mein Großvater Camillo musste als jüngerer Bruder von Burg Gutenberg weichen und hat Gabriele Gräfin Breuner geheiratet, deren Mitgift Schloss Walkersdorf war.“

Die Karten für zehn Konzerte in Grafenegg gekauft

Über die Breuners ist Wolfgang Stubenberg mit der Familie Metternich-Ratibor verwandt, Eigentümer von Schloss Grafenegg. Als großer Freund klassischer Musik liebt er das nahe Schloss auch ohne familiäre Bande. „Für zehn Konzerte im Sommer habe ich mir schon die Karten gekauft!“

Die Stubenbergs wurden von einem Wittelsbacher auf dem Kaiserthron des Heiligen Römischen Reiches in den Grafenstand erhoben. „Ich weiß aber nicht, aufgrund welcher Verdienste.“ Das entsprechende Standesbewusstsein fehlt Wolfgang Stubenberg. „Es bedeutet mir nicht viel. Mir ist Anständigkeit wahnsinnig wichtig, die Handschlagqualität. So bin ich erzogen, so halte ich es, das verlange ich auch von Anderen. Was gesagt und was ausgemacht worden ist, muss auch erfüllt werden. Und dann hasse ich auch Unpünktlichkeit. Die kann mich zur Raserei treiben.“

Warum ihm das Standesbewusstsein nicht so wichtig ist, erklärt sich auch aus seiner persönlichen Geschichte. „Wir hatten ganz andere Sorgen. Mein Vater ist mit seiner Familie als Mitglied der Heimwehr vor den Nazis nach Budapest geflüchtet. Und er musste nach Kriegsbeginn als U-Boot leben. Wenn unser Haus kontrolliert wurde, hat die Mutter den Leuten eine Komödie vorgespielt, dass dieses Schwein sie und die Kinder verlassen hätte. Dabei ist er im Keller gesessen.“

Wolfgangs Mutter war nicht adeliger Herkunft. „Sie ist die erste Bürgerliche nach fünfhundert Jahren gewesen. Da hatte sie es am Anfang wohl nicht leicht gehabt.“ Er selbst heiratete die Großnichte von Max Wladimir Freiherr von Beck, Erzieher von Kronprinz Rudolph und Ministerpräsident des Kaisers.
Dass er den Grafentitel offiziell nicht führen darf, stört ihn nicht. „Mir ist das egal. Man konnte zwar die Titel abschaffen, aber nicht den Adel. Man kann ja auch Elefanten nicht abschaffen. Aber für mich gilt: Nicht was einer ist, sondern wie, ist wichtig.“

Stubenberg lebt als Pensionist im klassizistischen Schloss Walkersdorf, dessen Ursprünge ins 14. Jahrhundert reichen. Jahrzehntelang hat er Weinbau betrieben und einen Heurigen im Schlosshof geführt, „bis meine Frau 2006 gesagt hat, jetzt ist Schluss! Dabei ist das Geschäft sehr gut gegangen“.

Heute hat Rudolf Bründlmayer aus Feuersbrunn die Stubenberg’schen Weingärten gepachtet. Er produziert jährlich 40.000 Flaschen Grünen Veltliner und Riesling. Und alles verkaufsfördernd unter dem Namen „Graf Stubenberg“. Sage also niemand, dass so ein Titel nicht doch nützt!

WOLFGANG STUBENBERG …

… wurde am 5. Juli 1938 in Wien geboren und wuchs erst in Budapest und ab 1947 in Schloss Walkersdorf auf. Er absolvierte das Francisco-Josephinum in Wieselburg und dann ein Jahr Praktikum im Ausland. 1960 übernahm er nach dem frühen Tod des Vaters das zum Schloss gehörende landwirtschaftliche Gut. Von 1970 bis 2006 betrieb er einen Heurigen.

Seit 43 Jahren ist er mit Marielene Allmayer-Beck verheiratet. Sie haben drei Kinder und vier Enkel.