Erstellt am 13. Dezember 2010, 00:00

von Thomas Jorda

Sagen, wie es ist. Horst Wächter auf Schloss Hag(g)enberg bei Mistelbach: „Im ganzen Weinviertel gibt es kein solches Schloss!“

Minnesänger Ulrich von Liechtenstein schrieb 1224 von einem „karge man von hakenberc, der wunder kan“. Horst Wächter vor Schloss Hagenberg, dessen Vorgängerbau der zitierte Kreuzfahrer baute.  |  NOEN, ERICH MARSCHIK
Allzu weit reicht sie nicht zurück, die Reihe adeliger Ahnen. Großvater Josef Wächter, Sudetendeutscher aus einer nordböhmischen Großbauernfamilie, erhielt im August 1918 als einer der Letzten von Kaiser Karl den Maria-Theresien-Orden – „für eine aus eigener Initiative unternommene, erfolgreiche und einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentat, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können“, wie es in der Vergaberichtlinie hieß.

Oberstleutnant Josef Wächter, Kommandant des Infanterieregiments Nr. 88, konnte sich also nicht lange des „von“ erfreuen, blieb aber weiter tätig. So leitete er als Heeresminister der Ersten Republik 1922 mit Erfolg die Verteidigung des Burgenlandes gegen ungarische Angriffe.

Horst Wächter ist sehr stolz auf seinen Opa, „der mir das Gehen beigebracht hat“. Und er erfüllte sich dessen Wunsch.

Den Wunsch des Großvaters nach einem Schloss erfüllt

„Mein Großvater wollte sich in Salzburg ein Schloss kaufen, um standesgemäß zu leben. Aber er konnte sich das nicht leisten, weil er sein Vermögen in Kriegsanleihen gesteckt hatte, die 1918 nichts mehr wert waren.“

Doch dieser Wunsch sei ihm, dem Enkel, immer wichtig gewesen. „Und da ist mir das Schloss Hagenberg in die Hand gefallen. Ich hab’s gemeinsam mit Hundertwasser zum ersten Mal betreten. Damals war es Treffpunkt von Künstlern der Wiener Gruppe, wie Schriftsteller Konrad Bayer oder Maler Padhi Frieberger.“ Dem widmet die Kremser Kunsthalle 2011 eine Schau zum 80er.

Das Schloss war für Wächter Liebe auf den ersten Blick. Er verpasste ihm auch nach der alten Schreibweise ein zweites g .

Erbaut wurde es im 13. Jahrhundert von den Herren von Hakkenberg, Ministerialen der Babenbergerherzöge. Heinrich von Hakkenberg begleitete Leopold VI. 1217 auf dem Fünften Kreuzzug und scheint dabei mit den Templern in Berührung gekommen zu sein. „Der Grundriss beruht auf der mittelalterlichen Anlage und entspricht den Maßen des Salomonischen Tempels. Im 17. Jahrhundert haben die Reichsgrafen von Sinzendorf die Burg dann in ein prachtvolles Barockschloss verwandelt.“

Georg Ludwig von Sinzendorf, übrigens, unterschlug als Vertrauter Kaiser Leo polds zwei Millionen Gulden. Sein ältester Sohn stellte die Familienehre wieder her, als er mit sechzehn in einer Schlacht gegen die Türken fiel …

Horst Wächter kaufte 1986 das Schloss, das nach fast zweihundertjähriger Existenz als Wirtschaftsgebäude entsprechend devastiert war. Und versucht es seither zu retten und zu erhalten, obwohl er als einstiger Holzarbeiter, Sekretär von Hundertwasser und Kapitän dessen Schiffes „Regentag“ nur von der Mindestrente lebt. Doch er meint: „Adel entstand aus einer Verpflichtung. Mein Großvater hat alles für das Vaterland gegeben. Ich muss das umsetzen, muss meinen Wurzeln folgen. Und dazu gehört, ein Schloss zu erhalten, das in seiner Pracht einzigartig ist.“

Wächter („Das Adelsgesetz von 1919 ist präpotent. Es ist einzigartig in Europa, das eine Regierung sagt: Ihr heißt nicht so, wie ihr heißt.“) arbeitet derzeit die Geschichte seines Vaters für eine BBC-Dokumentation auf. Otto Gustav Freiherr von Wächter war früh der NSDAP beigetreten und führend bei der Vorbereitung des Juliputsches 1934 gewesen, bei dem Engelbert Dollfuß ermordet wurde. Nach einer Karriere im Dritten Reich wurde er von Bischof Alois Hudal in Rom versteckt, wo er 1949 starb.

„Ich bin über siebzig“, sagt Wächter, „ich habe die Pflicht, die Geschichte meines Vaters richtig darzustellen. Verdrängen und Verleugnen bringt nichts. Man muss sagen, wie es ist.“


HORST WÄCHTER …

… wurde am 14. April 1939 in Wien geboren, maturierte 1957 in Salzburg, studierte Jus, Geschichte & Philosophie, werkte dann – im Sinne Wittgensteins – als Waldarbeiter auf einem Schloss in Oberfranken. Von 1965 bis 1977 war er Weggefährte Hundertwassers und Kapitän der „Regentag“. 1975 heiratete er Jacqueline Ollén in Salzburg, 1977 kam Tochter Magdalena in Neuseeland zur Welt.

1986 kaufte er Schloss Hagenberg, seit 2004 ist er in Pension.