Sehr ehrgeizig. Beppo Harrach, Rallyefahrer in Bruck an der Leitha: „Österreich hat keinen klaren Umgang mit dem Adel.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 21. Februar 2011 (00:00)
NOEN, ERICH MARSCHIK
»Auf der Autobahn unterwegs zu sein, ist gefährlicher, als Rallye zu fahren. Ich kenne mein Risiko.« Beppo Harrach mit einem seiner Sportgeräte, dem Mitsubishi Lancer Evolution VI.
Mit der adeligen Herkunft ist es nicht immer einfach, findet Beppo Harrach. „Viele denken, dass ich mir sowieso alles leisten und auf Sponsoren verzichten kann. Mit meinem Namen in Sponsorengespräche zu gehen, ist gar nicht so einfach – wennst fahren willst, dann verkauf’ doch das Familiensilber, das hab’ ich nicht nur einmal gehört. Dabei bringe ich die gleiche Leistung wie andere Sportler oder sogar bessere, aber das zählt dann nichts.“

Und überhaupt, fasst Harrach es in einem Satz zusammen: „Ich bin ein professioneller Sportler und möchte für meine Leistung ein entsprechendes Entgelt.“

Der Spross einer Familie, die einst zum Hochadel zählte

Beppo Harrach entstammt einer österreichisch-böhmischen Adelsfamilie, die einst zum heimischen Hochadel zählte. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1195. Das nahe Schloss Rohrau war seit 1524 ein Stammsitz der Familie, die 1627 zu Reichsgrafen erhoben wurde. Während die berühmte Harrach’sche Gemäldesammlung in Rohrau verblieb, fielen Ernst Harrach und seinem Sohn Beppo das Schloss Prugg in Bruck an der Leitha zu.

Die ehemalige Wasserburg wurde 1242 erstmals urkundlich erwähnt. Durch Johann Lucas von Hildebrandt barockisiert, erhielt das Gebäude zwischen 1854 und 1858 vom Engländer Charles B. Lamb das endgültige, in Österreich einzigartige Aussehen in Form des englischen Tudorstils.

„Das Schloss ist eine enorme Belastung für die Familie, auch wenn die Substanz gut ist. In den vergangenen Jahren haben wir das Dach gemacht, doch immer wieder bröckelt der Putz oder verlegen sich die Dachrinnen. Aber ich liebe das Schloss und kenne jeden Raum, obwohl wir nicht mehr dort wohnen. Wenn mich wer in der Nacht hier aussetzt, finde ich sicher hinaus.“

Als Kind hat Beppo unzählige Runden mit dem Rad im Park gedreht; heute fährt er mit 350 PS und 220 km/h Spitze Rallye. Trotz mancher Handicaps.

Da ist sein Vater Ernst, der denselben Sport betrieb und 1990 Rallyestaatsmeister war, da ist der tragische Unfall 2002, bei dem seine Beifahrerin starb. Und da ist, wir sagten es bereits, der Name. „Es ist mir nicht egal, was die Ahnen getan haben, mich beeindruckt der Stammbaum. Aber ich bin nicht stolz darauf. Ich muss mich selbst bewähren und will nicht an ihm gemessen werden. Das ist auch der Grund, warum ich sehr ehrgeizig bin, weshalb ich diesen Sport betreibe. Nicht nur, weil er Spaß macht, sondern weil die subjektive Wahrnehmung hier keine Rolle spielt, sondern ein ganz objektives Kriterium – die Zeit!“

Der Name war für ihn schon in der Kindheit ein Problem. „Was fühlt ein Achtjähriger, der nur in der Masse aufgehen will, und mit der Klasse in den Harrach-Park laufen gehen muss? Nicht alle waren neidig, aber ich habe oft gehört: Was bildet er sich ein?“

Mit der Redewendung Adel verpflichtet fängt Beppo Harrach nicht viel an. „Das ist heute nicht mehr anwendbar. Wir leben in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft. Da muss jeder anständig leben und sein Auslangen finden, ob adelig oder nicht.“

Trotzdem findet er den Umgang der Republik mit Habsburgern und Aristokratie nicht richtig. „Das sage ich als Staatsbürger, nicht als Harrach: „Wir sind auf 700 Jahre Habsburger stolz, auf ein großes Reich, auf Schloss Schönbrunn. Und die Bundesregierung sitzt in der Hofburg, und alle schmücken sich mit fremden Federn. Das ist schon komisch.“


BEPPO HARRACH …

… wurde am 11. Februar 1979 in Wien geboren und wuchs in Bruck an der Leitha auf, wo er auch 1997 die Matura ablegte. Er ist seit 1999 Rallyefahrer und betreibt seit 2006 eine Rallyeschule (www.driftcompany.com). 2007 errang er bei der Ostarrichi-Rallye den weltweit ersten Sieg mit einem erdgasbetriebenen Auto bei einem internationalen Meisterschaftslauf. Jüngst war er bei der Jännerrallye im Mühlviertel siegreich. Beppo Harrach ist ledig und hat keine Kinder.