„Um zu dienen“. Alfons Piatti und Schloss Loosdorf: zwischen Demeter-Landwirtschaft und Entwicklungshilfe in Afrika und Rumänien.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 04. Oktober 2010 (10:28)
»Meine Frau hätte ich geheiratet, auch wenn sie nicht aus einer ehemals adeligen Familie stammen würde.« Alfons Piatti mit Labrador Pipitz vor der prächtigen Westfassade von Schloss Loosdorf.
NOEN, ERICH MARSCHIK
Landwirtschaft nach Rudolf Steiner (1861-1925) ist sehr komplex. Unter dem Namen Demeter tun sich Steiners Jünger zusammen, um den Boden nach anthroposophischen Kriterien zu bebauen und die Tiere danach zu halten. Diese biologisch-dynamische Methode ist hochkomplex und arbeitsintensiv.

„Ich habe Rudolf Steiner als junger Mann gelesen und war von diesem Seher fasziniert. Ich bin kein gelernter Landwirt und habe am Anfang immer nur Rezepte für Unkrautvernichtungsmittel bekommen. Diese mechanistische Sicht der Dinge wollte ich nicht. Was 7000 Jahre funktioniert hat, das muss doch heute auch noch funktionieren! Und ich habe damit immer noch große Freude.“ 700 Tonnen Erdäpfel und 700 Tonnen Getreide erntet er im Jahr, 400 Tonnen Zwiebel und 150 Tonnen Obst.

Von Italien über Sachsen nach Österreich gekommen

Alfons Piatti ist also Demeter-Landwirt und Spross einer alten Adelsfamilie, die 1022 zum ersten Mal erwähnt wurde und aus Venetien stammt. „Aber meine Vorfahren sind im 17. Jahrhundert nach Sachsen gegangen, um als Diplomaten und Berater des Kurfürsten tätig zu sein.“

Paolo Emilio von Piatti vertrat Sachsen beim Wiener Kongress 1815 – und nutzte die Gelegenheit, sich hier anzusiedeln. 1834 kaufte er der Familie Liechtenstein das Schloss Loosdorf im nördlichen Weinviertel ab. Im 12. Jahrhundert als Veste Lostorff gegen Einfälle aus dem Norden errichtet, war es längst in ein klassizistisches Schloss umgewandelt worden.
Die Piattis taten in Österreich, was sie in Sachsen getan hatten. Sie dienten dem Herrscherhaus als Berater und Diplomaten und wurden zu Grafen erhoben. Vor 1919 wäre der Titel der Piattis daher „Graf und Marquis“ gewesen. Wie man ihn angesprochen hätte? Alfons Piatti hat keine Ahnung, ruft seinen Bruder an.
„Der weiß das vielleicht. Ich bin Republikaner und halte mich an Winston Churchill: Die Demokratie ist die schlechteste Regierungsform, ich kenn’ aber keine bessere.“

Ihn interessiert nicht einmal eine Monarchie wie etwa in England. „Denn das ist nur ein Kasperltheater.“
Dennoch habe es Bedeutung, meint Piatti, wenn jemand aus einer ehemals adeligen Familie komme. „Diese Leute müssen aufgrund ihrer Familiengeschichte nicht mehr beweisen, dass sie etwas können und etwas sind. Und haben daher Kraft und Freiraum, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Tschechiens Außenminister Kari Schwarzenberg zum Beispiel fährt nur einen Skoda – und wird trotzdem geschätzt und bewundert.“

Wer weiß, meint Piatti, was er ohne seinen familiären Hintergrund getan hätte. „Vielleicht nach dem Wirtschaftsstudium zu spekulieren begonnen, um mir ein Penthouse zu kaufen und einen BMW und dann noch einen.“ So ist er nach Ruanda gegangen, um Entwicklungshilfe zu leisten, wurde in Österreich Demeter-Landwirt und ist in Sachen Entwicklungshilfe immer noch aktiv. „In Rumänien habe ich das Projekt ,Biogemüse für hundert Kinder‘ initiiert, in Kamerun mit Hilfe des Österreichischen Biolandbaus die Aktion ,Kompost für Bäuerinnen’. Und nächstes Jahr gehe ich nach Äthiopien.“

Mit dem Motto „Adel verpflichtet“ habe das aber nichts zu tun. „Dazu fällt mir nichts ein. Da spüre ich nichts in mir.“
Eines vielleicht nur: „Das sage ich als Ex-Adeliger: Es geht darum, der Gesellschaft zu dienen. Das war ursprünglich die wichtigste Funktion des Adels, das war die Ur-Idee.“

ALFONS PIATTI …

… wurde am 13. September 1950 in Wien geboren und wuchs in Schloss Loosdorf im nördlichen Weinviertel auf. Er studierte Nationalökonomie (Magister 1976), heiratete 1979 die Badenerin Verena (von) Zimburg, mit der er nach

Ruanda ging. Seit 1982 leitet er die zum Schloss gehörende Landwirtschaft und führt sie nach den strengen Demeter-Kriterien.

Das Ehepaar hat drei Kinder, Margerita (geboren 1980), Magdalena (1983) und Gabriel (1986).