Erstellt am 23. Mai 2011, 00:00

von Thomas Jorda

Wichtig ist das y. Karl Maria Kinsky, Schauspieler in Baden: „Den größten Schrecken bekomme ich, wenn mich einer Klaus nennt.“

„Die Zeiten ändern sich. Früher wurde ich öfters auf meine adelige Herkunft angesprochen, heute fragen mich viele nach der Verbindung zu Klaus Kinski.“ Karl Maria Kinsky vor dem Stadttheater Baden.  |  NOEN, ERICH MARSCHIK
Will man ihn kränken, nennt man ihn Klaus. Und fragt, ob er mit dem Schauspieler gleichen Namens verwandt ist.

„Nein“, sagt er dann wütend, „ich heiße Karl – und tatsächlich Kinsky.“ Klaus Nakszynski hatte Kinsky als Künstlernamen angenommen, aber nicht lange. „Ein Fürst Kinsky aus Luxemburg hat ihn geklagt. Deshalb musste er schließlich auf das y verzichten und sich Kinski nennen.“

Kinsky also, ein uralter böhmischer Hochadel, 1237 erstmals urkundlich erwähnt, 1628 wurde ein Zweig der Familie zu Grafen, 1747 ein anderer zu Fürsten erhoben. Das Denkmal jenes Wilhelm Graf Kinsky von Wchinitz und Tettau, der Berater Wallensteins war und mit ihm ermordet wurde, steht in der Militärakademie in Wiener Neustadt.

Nach Triest geflüchtet, in Alland auf einem Hof verdingt

Karl Marias Großvater stand am Ende einer langen Tradition. „Er sollte Kleriker werden, mit Aussicht auf einen Bischofssitz. Doch mit 14 hat er erklärt, als Matrose anheuern zu wollen. Er brach also heimlich nach Triest auf, wo er aber nie gefunden wurde. Denn er hatte in der Bahn einen Mann aus Alland kennen gelernt, war mit ihm ausgestiegen und hatte sich auf einem Bauernhof verdingt.“

Erst als er eine Gainfarnerin heiraten wollte und Papiere brauchte, meldete er sich wieder bei seiner Mutter im Wiener Palais Kinsky. „Die Gräfin gab ihm die Papiere, degradierte ihn zum Bürgerlichen und verstieß ihn sofort. Nur seine Kinder durften zu Weihnachten ins Palais kommen, bekamen gut zu essen und neue Kleider. Anfangs wurden sie sogar mit einer Kutsche geholt. Mein Vater war sein Leben lang von den Besuchen traumatisiert. Er hatte furchtbare Angst vor seiner strengen Großmutter.“

Aber wenigstens hatte sie ihrem Sohn als Starthilfe eine Maria-theresianische-Konzession mitgegeben, die jegliche Gewerbeausübung ermöglichte. „Damit gründete Großvater um 1900 das erste Taxi-Unternehmen von Baden.“

Kinskys Vater musste die ebenfalls vom Großvater gegründete Maschinenstrickerei übernehmen, die Mutter war Krankenschwester, unter dem Strich blieb für die Kinder zu wenig Geld. Karl Maria musste in die Hauptschule und schlug sich danach mit vielen Berufen durchs Leben; er arbeitete bei Bundesheer und Polizei, als Lkw-Fahrer und als Landesparteisekretär der FPÖ („nur des Geldes wegen!“) und erwarb schließlich die „Gute Stube“ in Bad Vöslau und noch andere Lokale. „Das war angewandte Jugendarbeit, da wurde ich zum ersten Mal wirklich politisch motiviert. Seither bin ich Kosmopolit mit einem starken Linkstouch und übersteigertem Rechtsempfinden. Die Schwachen haben bei mir immer Vorrang. Nur wenn sie von rechts kommen, fehlt mir der Humor.“

Eines Tages begann Kinsky mit dem Grün-Alternativen Fritz Zaun Kabarett zu spielen und wurde von dem Regisseur Peter W. Hochegger für das Schauspiel entdeckt. Diese Profession übt er mit großer Begeisterung aus, sein nächster großer Auftritt ist bei den „Abenteuern des braven Soldaten Schwejk“ im Stadttheater Mödling (Premiere 11. Juni).

Mit seiner Herkunft ist Kinsky trotz Opas Schicksal ausgesöhnt. „Von einer adeligen Familie abzustammen, das bedeutet mir etwas, selbst wenn ich nicht weiß, warum. Auch wenn ich nichts dafür kann, bin ich stolz, diesen Namen tragen zu dürfen und freue mich darüber. That’s it!“


KARL MARIA KINSKY …

… wurde am 21. März 1955 in
Baden geboren, wo er auch die Hauptschule absolvierte. Nach verschiedenen Jobs machte er 1982 das Lokal „Gute Stube“ in Bad Vöslau auf. Mitte der Neunzigerjahre begann er mit Fritz Zaun Kabarett zu spielen. 1998 trat er zum ersten Mal als Schauspieler auf, nachdem er wegen einer schweren Krankheit nach Indien gegangen war. Er hat zwei leibliche und ein angenommenes Kind und lebt mit seiner Lebensgefährtin Dominique in Baden.