WWF: Bevölkerung ist großteils "wolfsfreundlich". 74 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher stehen der natürlichen Rückkehr des Wolfes „sehr positiv“ oder „eher positiv“ gegenüber. Dieses Ergebnis liefert eine Bevölkerungsbefragung zum Thema „Wolf in freier Wildbahn“, die vom Linzer market-Institut im Auftrag des WWF durchgeführt wurde.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 22. September 2017 (10:36)
Symbolbild

„Angesichts der zahlreichen negativen Wortmeldungen einzelner Vertreter der Jagd und der Landwirtschaft in letzter Zeit wollten wir wissen, wie Österreich wirklich denkt“, teilt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler in einer Aussendung mit und stellt fest: „Der Wolf ist Österreichs jüngster Quereinsteiger mit den besten Umfragewerten. Eine solche Zustimmung kann sich wohl jeder Politiker nur wünschen.“

Aus Sicht der Naturschützer würden die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung - 1000 Personen nahmen teil - nur eine Interpretation zulassen: "Die große Mehrheit der Österreicher will keine wolfsfreien Zonen und Abschüsse der geschützten Tiere, sondern erwartet von der Politik Maßnahmen für ein konfliktfreies Miteinander."

WWF fordert raschen "Wolfs-Gipfel"

„Was es jetzt so rasch wie möglich braucht, ist ein Wolfs-Gipfel unter Führung des Umweltministeriums mit Einbindung aller Interessensgruppen“, fordert Pichler. Dort sollen die wichtigsten Umsetzungsschritte mit den Beteiligten diskutiert und zeitnah beschlossen werden. Der WWF fordere - so Pichler - Lösungen, die für alle funktioniere - und keine Stimmungsmache gegen den Wolf.

Zustimmung in NÖ noch höher

Österreichweit halten laut WWF-Befragung 84 Prozent der Menschen (stimme „auf jeden Fall“, bzw. „auch noch“ zu) den Wolf für einen wesentlichen Bestandteil unserer Natur. Beinah ebenso viele (82 Prozent) sind der Meinung, dass ein friedliches Zusammenleben grundsätzlich möglich ist. Im direkt betroffenen Bundesland Niederösterreich liege, so die Natur- und Tierschutzorganisation, die Zustimmung sogar deutlich höher als im Westen, wo der Wolf nur als Durchzügler auftritt.

Koexistenz mit Wolf ist möglich, wenn Rahmenbedingungen stimmen

Österreicher, die in Orten unter 5.000 Einwohnern wohnen, sehen zu 76 Prozent (stimme „auf jeden Fall“, bzw. „auch noch“ zu) die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens. Allerdings ist die Sorge um negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft bzw. Viehhaltung in dieser Gruppe stärker ausgeprägt als unter den Bewohnern großer Städte.

Die Forderung nach unbürokratischer Hilfe für Weidetierhalter, die Herdenschutz anwenden wollen, unterstützen 88 Prozent aller Befragten – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. „Ein klarer Auftrag an die Politik, hier endlich einheitliche Regelungen für ganz Österreich zu schaffen und für eine sichere Finanzierung zu sorgen“ , betont Pichler.

WWF: Ähnlich positive Grundstimmung bei Jägern

Unter den 1000 Befragten befand sich auch eine kleine Gruppe an Jägern, die sich laut WWF der Einstellung der Gesamtbevölkerung tendenziell angeschlossen habe. Dazu sagt der Zoologe und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau, Kurt Kotrschal: „Die Umfrage zeigt, dass die negativen Stimmen gegen den Wolf eine Minderheitenposition darstellen. Der Wolf als Mitbürger ist vielmehr in den Köpfen der Leute angekommen. Dieses Ergebnis ist ein Arbeitsauftrag für Politik, Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd, gemeinsam an einem nachhaltigen Zusammenleben zu arbeiten."

91 Prozent der Bevölkerung haben „Respekt“ vor frei lebenden Wölfen, auf 76 Prozent üben sie „Faszination“ aus und 64 Prozent verbinden mit ihnen „Sympathie“. Bedrohlich wirkt der Wolf auf durchschnittlich 34 Prozent der Österreicher, wobei unter den jungen Menschen nur jeder Elfte im Zusammenhang mit Wölfen ängstliche Gefühle hat.

Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Meinungsumfrage unter der Österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren (1000 Befragte, zur Hälfte face-to-face und online) im Juli und August 2017 in allen Bundesländern.