Telefonseelsorge hilft Menschen zu Weihnachten. Weihnachten ist für viele problematisch. So sind Telefonhelplines in dieser Zeit besonders gefragt.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 19. Dezember 2017 (00:59)
Nicht für jeden ist Weihnachten eine schöne Zeit.
NOEN, SG SHOT/Shutterstock.com

Ein schön geschmückter Baum, ein festliches Mahl, glückliche Menschen … „Es gibt innere Bilder, die jeder in sich trägt – meist aus der Kindheit“, so Susanne Rasinger, die Leiterin der Telefonseelsorge der Diözese St. Pölten. Und genau so soll Weihnachten sein. Doch: „In unserer Zeit ist es sehr schwer, diese Illusion aufrecht zu erhalten. Es wird bis zur letzten Minute gearbeitet. Es sind oft bis zum Schluss noch nicht alle Geschenke gekauft. Ein Erwartungsdruck liegt auf den Menschen.“

Dazu kommt, dass die ganze Familie ansonsten nur im Urlaub so viel zusammen ist, zu den Feiertagen mehr getrunken wird und die schönen Bilder aus den Medien belasten. „Wer einsam ist, dem wird seine Einsamkeit dadurch noch mehr bewusst.“

So wird Weihnachten für viele zum Problem. Ein Problem, dass sich auch bei der Telefonberatung zeigt. Bei der Telefonseelsorge NÖ etwa gibt es am 24. Dezember zwar nicht mehr Anrufe. „Die Menschen, die sich melden, klingen entspannt, viele bedanken sich und wünschen frohe Weihnachten.“ Ab dem 25. Dezember aber steigen die Anruferzahlen, so Rasinger. Warum? „Der Besuch ist vielleicht schon wieder weg, die vielleicht mit Mühe aufrecht erhaltene Harmonie gerät ins Wanken. Not, Unzufriedenheit, Ärger, die unterdrückt oder überlagert wurden, kommen wieder an die Oberfläche.“ Zum Beispiel darüber, wie egoistisch die anderen sind, dass das Essen nicht geschätzt wurde …

Einsamkeit, Konflikte & Geldsorgen

Und wie ist es bei den Hotlines des NÖ Hilfswerks? „Rund um Weihnachten rufen mehr Menschen an als sonst, manchmal sogar doppelt so viele“, erzählt Barbara Bichler-Schätz, Leiterin des Familien- und Beratungszen-trums St. Pölten und des NÖ Frauentelefons.

Was die Anrufer beschäftigt? Die Themen sind bunt gemischt. Aber meist geht es um die Familie. Um Konflikte, die eskalieren, oder darum, dass man alleine ist, mit der Familie schon lange keinen Kontakt mehr hat. Oft sind es aber auch Geldsorgen, so Bichler-Schätz. Viele scheuen sich zum Sozialamt zu gehen, davor, um einen Heizkostenzuschuss anzusuchen usw.

Ein Thema, das immer mehr auftaucht, sind sexuelle Übergriffe. „Das ist nicht nur der Medienhype.“ Vermutlich gibt es zwar nicht mehr Übergriffe, aber die Menschen sind mehr dazu bereit, darüber zu sprechen. Weil ihnen Gehör geschenkt wird, eine Sensibilität dafür da ist.