Der Abschied nur im engsten Kreis. Branchen-Vertreter rechnen mit Anstieg an Einäscherungen. Trauerfeiern werden gestreamt.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 08. April 2020 (03:12)
Symbolbild
Shutterstock.com/TunedIn by Westend61

Von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen, ist ein wichtiges Bedürfnis. In Corona-Zeiten sind jedoch selbst die Rahmenbedingungen für den letzten Weg schwierig geworden. Auf trostspendende Umarmungen und persönliche Beileidsbekundungen müssen Trauernde verzichten. Begräbnisse dürfen nur im „engsten Familienkreis“ abgehalten werden. Der Bundesverband für Bestatter der Wirtschaftskammer definierte das bisher mit maximal fünf Personen. Die Regierung legte es nun auf zehn Menschen fest. Aber auch für die ist gerade sehr viel Disziplin gefordert: Die Abstands-Regel gilt auch auf Trauerfeiern für alle, die nicht im selben Haushalt leben.

Um auf eine gemeinsame Verabschiedung nicht verzichten zu müssen, setzen nun mehr Menschen auf Feuerbestattungen, ist der St. Pöltner Bestatter Jörg Bauer überzeugt. In seinem Unternehmen sei bereits ein Anstieg spürbar. Hintergrund sind die unterschiedlichen Regeln, die bei Erd- und Feuerbestattungen gelten. Eine Erdbestattung muss innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Bei einer Urne ist das flexibler: Nach der Einäscherung könne man die Urne lagern, und wenn wieder Normalität eingekehrt ist, eine Trauerfeier abhalten. Um von einem generellen Trend zu sprechen, ist es laut Rainer Wernhart vom Bundesverband der Landesinnungen für Bestatter noch zu früh, „es ist aber zu erwarten.“

Jenen, die eine Bestattung sofort vornehmen, werden momentan zudem oft Live-Streams angeboten. „Damit wollen wir den Menschen trotz allem das Gefühl geben, dabei zu sein“, erzählt Bestatter Bauer. Rechtlich ist das problemlos möglich, informiert Wernhart. Genauso möglich ist auch in der Krise eine Naturbestattung, wie Georg Winter, Betreiber einer solchen Anlage im Bezirk St. Pölten, erklärt – „im engsten Kreis.“

Gab bereits Ansteckung bei einem Begräbnis

So schwer ein Todesfall in einer ohnehin bereits belastenden Zeit auch sei, appelliert der Bundesverband der Bestatter an alle, die Regeln einzuhalten. Die Gefahr dürfe nicht unterschätzt werden. In NÖ habe es bereits eine Ansteckung mit Covid-19 bei einer Beerdigung gegeben. „Da hat jeder eine Verantwortung“, sagt Wernhart. Und die Bestatter haben die schwierige Aufgabe, Trauernde darauf aufmerksam zu machen.