Am Land ist es nicht sicherer. Enger sozialer Kontakt in Dörfern sorgt für raschere Ausbreitung. Verschärfte Maßnahmen sollen Neuinfektionen bremsen.

Von Daniel Lohninger und Christine Haiderer. Erstellt am 01. April 2020 (05:30)

Die bereits strengen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind seit heute Früh deutlich verschärft. Neu ist unter anderem, dass in Supermärkten ab sofort Mund-Nasen-Schutzmasken getragen werden müssen. Menschen mit schweren Vorerkrankungen, die nicht auf Homeoffice umstellen können, werden zudem freigestellt. In Supermärkten soll mehr auf Abstand geachtet werden, Hotels sollen geschlossen und das Schutzkonzept der Spitäler soll weiter ausgebaut werden.

„So hart die Entscheidungen und verordneten Maßnahmen für uns alle sind, sie sind alternativlos“, zeigt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Verständnis für die weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen das Coronavirus. Dass die Zahl der Coronavirus-Fälle in Niederösterreich in den vergangenen Tagen deutlich rascher zunahm als im Österreich-Schnitt, sieht Mikl-Leitner vor allem als Folge verstärkter Testungen: Der Anteil der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher an der Gesamtzahl der Infizierten in Österreich liege allerdings konstant bei etwa 15 Prozent.

Ausreichend ist derzeit auch die Zahl der Intensivbetten. 31 der insgesamt 188 Corona-Patienten in den Spitälern lagen Anfang der Woche auf einer Intensivstation, 138 Intensiv-Betten sind frei. Weitere können aufgestockt werden, versichert man beim Land.

Städte weniger als Dörfer betroffen

Doch in welchen Bezirken wütet das Coronavirus derzeit besonders stark, in welchen weniger? Ein Blick auf die reinen Fallzahlen gibt nur ein verzerrtes Bild wieder – es ist nicht unlogisch, dass Bezirke mit weniger Einwohnern auch weniger Infizierte haben. So erklären sich auch die geringen Fallzahlen in dünn besiedelten Regionen wie dem Waldviertel oder dem Alpenvorland.

Mehr Aussagekraft hat ein Blick auf die Zahl der Fälle je 100.000 Einwohner. Und da zeigt sich, dass sich das Virus in ländlich geprägten Regionen verhältnismäßig stärker ausbreitet als in den Städten. So kommen in den Bezirken Scheibbs und Krems-Land sowie in Waidhofen an der Ybbs deutlich mehr Corona-Fälle auf 100.000 Einwohner als beispielsweise in der Landeshauptstadt St. Pölten, in Wiener Neustadt oder in Krems.

„Dort, wo viele Leute auf engem Raum aktiv sind, verbreitet sich das Virus besonders schnell“, erläutert Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner. Wo viele einander die Hände schütteln, miteinander aktiv sind und sporteln, ist das Risiko, sich zu infizieren, deutlich größer als in der Anonymität der größeren Städte.

Hotspots, wo infizierte Personen gesellschaftlich sehr aktiv sind

Das zeigte sich bereits zu Beginn der Coronavirus-Krise, als sich Hotspots vor allem dort gebildet haben, wo infizierte Personen gesellschaftlich sehr aktiv waren. Durch die Ausgangsbeschränkungen wurden diese Faktoren der Ausbreitung allerdings weitgehend eingedämmt – da das Coronavirus hauptsächlich durch persönlichen Kontakt übertragen wird.

Im Vergleich dazu gibt es laut AGES keine Belege dafür, dass Türklinken, Geldscheine oder Zeitungen bislang bei der Übertragung eine wichtige Rolle gespielt haben. Grund dafür: Zwar können Coronaviren im Labor Stunden bis mehrere Tage auf glatten Oberflächen überleben, werden aber in der realen Welt durch Umwelteinflüsse schnell zerstört.

Dennoch kann es sein, dass jemand auf den Geldschein niest, den man gleich danach angreift. Daher sollte man immer die Hände waschen.