Sollenau

Erstellt am 15. August 2017, 01:42

von Verena Randolf

Barbara Eder spielt jetzt in der Königsklasse. Afrika liegt irgendwo in Sollenau. Auf militärischem Gelände. „Da haben wir in einem total zerstörten Haus eine Ebola-Station nachgebaut“, erzählt Regisseurin Barbara Eder.

Regisseurin Barbara Eder ist in Eisenstadt geboren und in Seibersdorf aufgewachsen. Momentan lebt sie in Wien. Wenn es ihr in der Bundeshauptstadt zu heiß wird, ist sie aber nach wie vor gerne am Land.  |  ORF

Eigentlich spielt der erste „Tatort“ der Niederösterreicherin ja in der Steiermark. „Aber das afrikanische Katastrophengebiet wollten wir in Niederösterreich inszenieren.“ Und so drehten Eder und das Tatort-Team rund um Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ein paar Tage im Bezirk Wiener Neustadt-Land, nur 26 Kilometer entfernt von Eders Heimatort Seibersdorf, wo sie aufgewachsen ist und wo nach wie vor ihr Elternhaus steht.

Dass die 41-Jährige, die für ihren Film „Thank you for bombing“ international ausgezeichnet wurde, tatsächlich in die Königsklasse des TV-Krimis aufsteigen würde, um einen „Tatort“ zu drehen, hätte sie bis vor kurzem nicht für möglich gehalten. „Als mir der ORF das Angebot machte, hab ich mich so gefreut … ich bin wie ein Gummiball auf und ab gehüpft. Das war sehr peinlich, aber in dem Moment war mir das egal.“ Sie lacht. Nach ihrer Kollegin Sabine Derflinger ist Barbara Eder die zweite österreichische Frau, die bei einem „Tatort“ Regie führt.

"Ich habe den Job bekommen, weil ich mit meiner Leistung überzeugt habe"

2015 hat der deutsche TV-Sender ARD, der die Krimi-Serie verantwortet, eine Frauen-Quote für die „Tatort“-Regie veranlasst. Zwar gäbe es immer mehr Kommissarinnen vor der Kamera, hinter der Kamera hätten aber nach wie vor zu wenige Frauen das Sagen. „Da muss ich zugeben, dass das ein Gedanke ist, der mir nicht sonderlich gut gefällt. Ich gehe davon aus, dass ich den Job bekommen habe, weil ich mit meiner Leistung überzeugt habe, nicht wegen meines Geschlechts“, meint Eder dazu.

Sie selbst sei auch begeisterte Anhängerin des Krimi-Formates. Die Tatsache, dass die sonntäglich auf ORF 2 und ARD ausgestrahlten „Tatort“-Sendungen zu den beliebtesten TV-Formaten im deutschsprachigen Raum gehören und wöchentlich Millionen Zuseher vor die TV-Bildschirme locken, sei nur ein Aspekt gewesen, der sie begeistert hatte.

Eder selbst wird sich ihr Erstlingswerk – mittlerweile hat sie schon „Tatort“ Nummer 2 abgedreht – gemeinsam mit ihrem Team inkognito in einer Wiener Bar anschauen. Vor kurzem hätte sie den Film nach langer Zeit wieder gesehen. „Der kann was!“, sei da ihr Urteil dazu gewesen. Am 27. August um 20.15 Uhr auf ORF 2.