Franzobel: Der Geschichtenerfinder.

Von Verena Randolf. Erstellt am 29. August 2017 (02:30)
ORF
Autor Franzobel verbringt seine freie Zeit gerne in Orth an der Donau, wo er sich – als gebürtiger Mühlviertler – aufgrund der mangelnden Orientierungshilfe „Berge“ zu Beginn oft verlaufen hat.

Franzobel schreibt am liebsten im Bett, und das aus einem durchaus nachvollziehbaren Grund: „Wenn mir beim Schreiben nichts einfällt, wenn die Geschichte in meinem Kopf stockt, dann schlafe ich fünf Minuten. Während des Schlafens lasse ich wie im Film die Geschichte in meinem Kopf weiterlaufen, und da fügt sich sehr viel. Und das“, so der Autor, „geht nur im Liegen. Im Sitzen geht das nicht.“

Wenn Franzobel im Ausland weilt, fühlt er sich wohl, sagt er, solange das Bett, in dem er schläft, groß genug ist und nicht durchgehangen.

Deswegen empfindet er aktuell auch kein großes Heimweh nach Wien bzw. Orth an der Donau, wo er ansonsten mit seiner Familie, im Elternhaus seiner Ehefrau Maxi Blaha, die Sommermonate verbringt.

"Das steigert den Erwartungsdruck"

Drei Monate verbringt der gebürtige Oberösterreicher aktuell in der mittelfränkischen Stadt Weißenburg, wo er als Stadtschreiber ein Theaterstück für das hiesige Freilufttheater schreibt. Nebenbei arbeitet er an einem Krimi. „Zur Erholung“, meint der Bachmannpreisträger. „Mein letztes Buch ‚Das Floß der Medusa’ zu schreiben war sowohl psychisch wie auch physisch sehr anstrengend.“ Eine Arbeit, die sich gelohnt hat: Als einer von fünf Österreichern ist Franzobel mit seinem aktuellen Roman auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis nominiert: Eine der wichtigsten Auszeichnungen des Literaturbetriebs. Eine Ehre, obwohl der Literat ein gespaltenes Verhältnis zu zu viel Lob hat.

„Das steigert den Erwartungsdruck“, meint er, „deswegen lese ich Verrisse auch immer genauer als Positives. Die Wut über den Verriss ist ein guter Antrieb weiterzumachen.“

Für seine Berufung zu kämpfen hat Franzobel, Kind eines Chemiearbeiters, früh gelernt: „Mein Berufswunsch lag für mein Umfeld, in der Siedlung, in der ich aufgewachsen bin, außerhalb der Vorstellungswelt. Meine Eltern haben mich zwar nicht direkt unterstützt, aber sie haben mich machen lassen.“

Als kleiner Bub übrigens wollte Franzobel Erfinder werden. „Ich habe leidenschaftlich gerne Dinge auseinandergenommen: Röhrenradios, ferngesteuerte Flugzeuge, alles. Ich war ein gefürchteter Zerleger, weil ich auch sehr selten Dinge wieder zusammengebaut habe.“ Er lacht. „Mich hat das Innenleben einfach gereizt.“ So gesehen ist Franzobels aktueller Beruf von seinem Ursprungswunsch gar nicht so weit weg: Geschichten erfinden und Innenleben ergründen macht er auch jetzt.