Johannes Leopold Mayers Stimme geht in Pension.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 23. Oktober 2018 (02:23)
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Johannes Leopold Mayer prägte den Radiosender Ö1. In seiner Pension wird er seine wissenschaftliche Tätigkeiten weiterverfolgen.
Teresa Sturm

Tschechisch lernen wollte Johannes Leopold Mayer schon als Kind. Jetzt, mit 65 Jahren, hat er auch endlich Zeit dafür. Denn seit Anfang Oktober ist der Badner in Pension. „Ich werde mit mehr Ruhe Zeitungen lesen“, sagt Mayer, der seit 1981 beim Österreichischen Rundfunk gearbeitet hat.

Mayer ist in St. Andrä vor dem Hagenthale im Tullnerfeld aufgewachsen. Er studierte Geschichte, Musikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien sowie Orgel und Gesang. Während des Studiums hat Mayer in Wien gewohnt, aber „ich wusste immer, ich will wieder raus“. „Ich fahre gerne rein ins Burgtheater, aber ich bin froh, wenn der Zug wieder zurückfährt“, sagt der Niederösterreicher lachend. Lange arbeitete er im ORF Landesstudio Burgenland. 2001 wechselte er in die Musikredaktion des Kulturprogramms Ö1. Das Schönste an seinem Beruf sei gewesen, „die Menschen an etwas Wunderbares heranzuführen, wie Kultur, und ihnen zu zeigen, dass das ein unglaublicher Reichtum ist.“

"Ehrlich bleiben und sich über nichts wundern"

Das letzte Jahr hat Mayer drei Nachfolger für ihn eingeschult. Jungjournalistenausbildung war dem Journalisten immer wichtig und er hat einen Tipp parat: „Ehrlich bleiben und sich über nichts wundern.“

Sorgen um das Überleben des Mediums Radio macht Mayer sich keine. „Radiokonsum geht zurück, aber interessanterweise nicht bei Qualitätsprodukten. Und Radio hat man schon so oft totgesagt.“

Obwohl sein Job als Journalist ein stressiger war, hatte Mayer nie Probleme, abschalten zu können. Dafür musste er sich nur mit seiner Frau Annelore in den Garten setzen: „Wir schauen uns ihre Hortensien an und trinken ein Glas Wein oder ein zweites und reden über Gott und die Welt.“

Der Organist verfasste etliche wissenschaftliche Publikationen zu Themen der österreichischen Kultur- und Religionsgeschichte, zur Philosophie sowie zu Joseph Haydn, Anton Bruckner und Dmitri Schostakowitsch. Seine wissenschaftliche Karriere wird er auch in Zukunft weiterverfolgen. „Fad wird uns nicht!“