Johannes Wildner: Seit fünf Jahren Burgherr.

Von Verena Randolf. Erstellt am 01. Mai 2018 (01:05)
Lukas Beck
Dirigent Johannes Wildner leitet seit fünf Jahren als Intendant die Oper Burg Gars.

Wenn Johannes Wildner zuhause in Mödling auf seiner Terrasse sitzt, kann er den Geist Beethovens spüren. Und auch den von Arnold Schönberg oder Franz Schubert. Das Haus des Dirigenten liegt so nahe an den Weinbergen am Eichkogel, wo die genannten Koryphäen gerne spazierten, dass sich Wildner speziell mit ihnen verbunden fühlt. Auch wenn der 62-Jährige nicht wahnsinnig viel Zeit in seiner Heimat verbringt. Geboren wurde der Musiker, der 17 Jahre lang unter anderem bei den Tonkünstlern und auch bei den Wiener Philharmonikern als Orchestermusiker arbeitete, im steirischen Kindberg. Nach seinem Studium in Wien verschlug es ihn in die unterschiedlichsten Teile der Welt: nach China, England oder nach Deutschland.

Aktuell verbringt der gebürtige Steirer den Großteil seiner Woche in Litauen, wo er einem Ensemble in Vilnius beibringen will, wie man Mozart interpretiert, und zwar so, dass er wienerisch klingt und nicht slawisch. „Die Sprachmelodie des Orchesters setzt sich oft in seinem Klangstil fort“, erklärt der Musikwissenschaftler. „Und die slawische Sprachmelodie ist eben anders als die österreichische.“

"Dann werde ich auch wieder zum Garser"

Von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends dauern die Proben am Mozart-Stück; seit Februar pendelt der Dirigent, aber ab 20. Juni ist Schluss:

Dann beginnen nämlich die Proben in Gars am Kamp, wo Wildner heuer seine fünfte Saison als Intendant der ansässigen Oper begeht. Und: „Dann werde ich auch wieder zum Garser“, sagt er und lacht. Bis Anfang August mietet sich der Intendant in der Einlegerwohnung einer kleinen Pension ein – eine Garconniere mit getrenntem Eingang, wo er niemanden stört, auch wenn er um 4 Uhr früh heimkommt. So lange dauern nämlich zum Teil die Beleuchtungsproben auf der 1.000 Jahre alten Burg, die erst begonnen werden können, wenn es draußen stockfinster ist.

Zu seinem fünften Jubiläum bringt Wildner heuer „Tosca“ auf die Bühne. Im vergangenen Jahr fuhr er mit Mozarts „Zauberflöte“ einen der größten Erfolge der Geschichte der Oper im Waldviertel ein: Rund 10.000 Besucher kamen, um sich das Stück anzusehen.

Am 12. Juli feiert „Tosca“ Premiere und wer auch heuer wieder der unbestrittene Star des Stückes sein wird? „Die Burg selbst“, wie der Intendant meint. „Es gibt kein Dekor und ein sehr einfaches Bühnenbild. Um den Eindruck der Burg auf die Besucher nicht zu zerstören.“