Rainer Nikowitz: Über mordlüsterne Wiener.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 23. Mai 2018 (01:39)
Der Autor Rainer Nikowitz liest aus seinem Krimi „Altenteil“ am 29. Mai in Wels, am 4. Juni in Mistelbach und am 16. Juni in Perg.
Udo Titz

Suchanek muss ins Altersheim. Der Protagonist des Autors Rainer Nikowitz ist aber seit den letzten beiden Krimis nicht plötzlich um viele Jahrzehnte gealtert. Er muss dort wegen Konsums von illegalen Substanzen Sozialstunden ableisten.

In „Altenteil“ blickt Nikowitz dieses Mal nicht den Niederösterreichern in die Seele, wie in den Werken „Volksfest“ und „Nachtmahl“, sondern Pensionisten in Wien. „Die Niederösterreicher sind natürlich böse und mordlüstern, aber es ist ja nicht so, dass es die Wiener nicht wären“, erklärt Nikowitz witzelnd den Locationwechsel.

Und er muss es wissen, denn der Journalist wurde 1964 in Tulln geboren. Nach der Matura am Gymnasium Gänserndorf ist er nach Wien gezogen, um die Studien der Rechtswissenschaften, Publizistik und Politikwissenschaft zu beginnen und wieder abzubrechen.

Gute Kontakte nach Niederösterreich habe er aber nach wie vor: „Ich bin relativ oft draußen.“ Nach vielen Jahren als Redakteur beim Kurier, ist Nikowitz mittlerweile seit 20 Jahren satirischer Kolumnist für das Nachrichtenmagazin „profil“ und wurde vom Magazin „Der Österreichische Journalist“ mehrere Male zum „Kolumnisten des Jahres“ gewählt. Bei seinen aktuellen Lesungen dürfen sich auch die „profil“-Fans freuen: „Ich lese aus dem aktuellen Buch und zwischendurch streue ich etwas Politisches ein.“

"Das war ein wahnsinnig ergiebiger Tag"

Recherche im journalistischen Sinne hätte er für das Buch nicht betrieben, sagt Nikowitz. „Ich war in einem Heim in Wien und die Direktorin hat mir dort alles gezeigt. Ich habe mich mit dem Personal unterhalten und auch mit Bewohnern. Das war ein wahnsinnig ergiebiger Tag!“ Genau deshalb ist er da aber auch nicht mehr hin, denn er wollte vermeiden, dass sich einer der Interviewten in seinem Buch wiedererkennt, weil er einer ist, „der mit seinen Figuren nicht wahnsinnig nett umgeht“.

Es mache für Nikowitz einen Unterschied, ob er über Politiker schreibt, die im Rampenlicht stehen, oder ganz normale Menschen. Also habe er sich rein auf die Vorstellungskraft verlassen.

Wenn Nikowitz vor Weihnachten 2019 wieder ein Buch veröffentlichen möchte, müsse er damit wegen der langen Vorlaufzeiten schon wieder beginnen. „Ich weiß es aber noch nicht, nicht zuletzt deswegen, weil es auch Gespräche gibt hinsichtlich einer möglichen Verfilmung“, verrät der Autor. „Dann wäre es vordringlich, dass ich das Drehbuch schreibe!“