Karl Fischer: Gar nicht ungern Bösewicht.

Von Verena Randolf. Erstellt am 14. Februar 2017 (01:43)
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Schauspieler Karl Fischer wurde kürzlich mit dem Wieselburger „City Star“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Privat

„Böse Rollen merken sich die Leut’ ja nicht so gut“, meint Schauspieler Karl Fischer und lacht. Seit 16 Jahren spielt der gebürtige Niederösterreicher den „Sergente Vianello“, der an der Seite von Commissario Brunetti in den „Donna Leon“-Verfilmungen ermittelt. „Den mögen die Leute! Das ist wirklich eine nette Figur, auf die ich immer wieder angesprochen werde, dabei mache ich ja auch viele andere Sachen.“

In über 85 Produktionen hat der 60-Jährige bislang mitgespielt, darunter Filme wie die kürzlich ausgestrahlte ORF-Erfolgsproduktion „Das Sacher“, „Pregau“, „Die Frau mit einem Schuh“, dem niederösterreichischen Landkrimi, oder „Pokerface, Oma zockt sie alle ab“.

Schon auch eigene Bösewichte dabei: „Ich finde diese Rollen sehr spannend“, sagt Fischer, „die Figur kann Dinge tun, für die sie einen im echten Leben vermutlich einsperren würden. In meinem Beruf bekomm’ ich sogar Geld dafür.“

"Sich auf Rollen wirklich gut vorzubereiten, ist das Wichtigste"

Aktuell bereitet sich der Schauspieler auf eine besondere Rolle vor. „Ab April spiele ich die Hauptrolle des Angeklagten in einem Kinofilm über Franz Murer“, erzählt er. Murer, gebürtiger Steirer, war als SS-Führer unter dem Namen „Schlächter von Vilnius“ einer der Hauptverantwortlichen für die Massenvernichtung von Juden in Litauens Hauptstadt. Fischer besucht zur Vorbereitung Geschworenen-Prozesse und setzt sich mit historischem Material der NS-Zeit auseinander.

„Sich auf Rollen wirklich gut vorzubereiten, ist das Wichtigste“, meint er. „Wenn ich im April ans Set komme, wo immer ein wahnsinniger Zeitdruck herrscht, muss ich die Figur für mich schon ganz genau erarbeitet haben. Im Unterschied zum Theater, wo es oft monatelange Proben gibt. Ich muss ganz genau wissen, wie meine Rolle funktioniert. Das zu recherchieren und auszuloten ist mit das Interessanteste an der Schauspielerei.“

Fischer selbst hat die Zeit, in der das Gerichtsdrama spielt – Murer wurde 1963 freigesprochen – als „muffig“ in Erinnerung. „Meine Kindheit damals ist schwarz-weiß“, sagt er. „Farbig wird sie erst in den 70ern.“

Aufgewachsen ist der Künstler in Wieselburg, als, wie er sagt, „völliger Schulversager“. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete Fischer lange als Versicherungskaufmann. Dann: Max Reinhardt Seminar, Theaterengagements in Deutschland und sieben Jahre am Burgtheater in Wien, wo er bis heute mit seiner Frau, der Schauspielerin Susi Stach, lebt.