Erstellt am 04. Juli 2017, 02:49

von Verena Randolf

Lois Lammerhuber: Karriere durch Zufall.

Fotograf Lois Lammerhuber lebt in Baden bei Wien. Bis 2023 ist der umtriebige Künstler und Verleger mit über 100 Projekten eingedeckt.  |  Martin Ackerl/Edition Lammerhuber

„Als ich siebzehn war“, erinnert sich Fotograf Lois Lammerhuber, „haben wir zuhause in St. Peter in der Au unseren ersten Fernseher bekommen. Und auch wenn ich Fernsehen bis heute als Zeitverschwendung betrachte, war es eine TV-Sendung, die mich prägte.“

Die Episode der Doku-Serie „Traumstraßen der Welt“, in der es um die Panamericana ging – eine Schnellstraßen-Strecke von Alaska über Mittelamerika bis nach Feuerland – weckte das Fernweh des jungen Mannes. Er jobbte als Kellner, packte Kugellager für die Steyr-Werke ein, er arbeitete als Verwaltungsassistent und dann in der EDV.

Als er schließlich genug Geld zusammengespart hatte, um Richtung Amerika aufzubrechen, kündigte er seinen Job, kaufte einen Fotoapparat und verließ die Heimat. „Den Wunsch, Fotograf zu werden, hatte ich damals noch nicht“, erzählt der 1952 Geborene. „Ich fotografierte nicht mal hobbymäßig, hätte lange das Geld gar nicht gehabt, aber vor dieser Reise besorgte ich mir meinen ersten Fotoapparat.“ Zwei Jahre lang dauerte die Tour des Niederösterreichers, und als er zurückkam, wollte er seinen Job in der EDV wieder aufnehmen – bis ihn ein Zufall in eine Zeitungsredaktion führte.

„Durch eine Anreihung von Missverständnissen bin ich bei der Fotografie gelandet“, lacht er. „Ich hatte lange Zeit keine Ahnung, dass ich ein visuelles Talent in mir trage, aber ich bin ein großer Glückspilz.“ Rund 104 Projekte hat der Fotograf, der inzwischen in Baden lebt und mit seiner „Edition Lammerhuber“ einen eigenen Verlag betreibt, derzeit in Planung.

„Ich schlafe am Tag nur drei bis vier Stunden, das heißt, ich habe wesentlich mehr Wachzeit als andere!“ Und damit auch mehr Zeit, um zu arbeiten. „Jeden Morgen freue ich mich darauf, auszustehen und einen neuen Tag vor mir zu haben.“

Vergangene Woche wurde dem Fotografen einer der höchsten Orden Niederösterreichs verliehen: das Große Ehrenzeichen für Verdienste um das Land. „Es ist immer schön, von den eigenen Leuten ausgezeichnet zu werden“, freut er sich. Mit Mitte 60 ans Aufhören zu denken, liegt dem Künstler allerdings fern: „Ich fange gerade erst an“, lacht er, „was war, ist nicht mal annähernd so spannend, wie das, was noch kommt!“