Studie zu Schlaf & Schmerz. Die Donau Uni Krems untersuchte die Auswirkungen einer Nachtschicht auf das Schmerzempfinden.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 08. Mai 2018 (01:38)
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Symbolbild

Nachtschichtarbeit macht schmerzempfindlicher. Das ist das Ergebnis einer Studie des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Uni Krems in Kooperation mit der Neurologie des Uniklinikums St. Pölten.

Nach der Nachtschicht war das untersuchte Pflegepersonal des Universitätsklinikums St. Pölten deutlich schmerzempfindlicher. Der gleiche Schmerzreiz wurde um fast 30 Prozent stärker eingestuft als im ausgeruhten Zustand. Nach einer Erholungsnacht normalisierte sich die Schmerzempfindlichkeit wieder.

Untersucht wurde das mithilfe einer Thermode, die am Handrücken Kältereize abgab. Die Reize wurden immer kälter, jede Sekunde um 1 Grad, beginnend bei 32 Grad. Wenn die Untersuchten den Schmerz als unangenehm empfanden, drückten sie einen Knopf, um den Versuch zu stoppen. In einem zweiten Experiment bewerteten sie einen konstanten Kältereiz auf einer Skala von 0 (nicht schmerzhaft) bis 100 (maximal vorstellbarer Schmerz).

Stimmung, Müdigkeit & Co.

„Wovon die gesteigerte Schmerzempfindlichkeit abhängt, von der Müdigkeit, von der Stimmung oder von einer reduzierten Schmerzhemmung, ist noch unklar“, so Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems.

Schmerzen sind Warnsignale, um den Körper vor Verletzungen zu schützen. Wie stark Schmerzen empfunden werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa, ob man ihn sich selbst zufügt oder wer anderer, ob man ihn mit einem angenehmen oder unangenehmen Gefühl verbindet … Stimmung und Schmerzgedächtnis (Schmerzen bleiben, obwohl die Ursache bereits verschwunden ist) spielen eine Rolle.

Wieso man gerade den Zusammenhang zwischen Schmerz und Nachtschicht untersucht hat? 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung haben chronische Schmerzen, so Pieh. Etwa genauso viele, wie unter Schlafstörungen leiden.

Dazu kommt, dass von jenen mit chronischen Schmerzen etwa 80 Prozent angeben würden, auch unter Schlafstörungen zu leiden. „Die Frage ist, ob gestörter Schlaf ein Chronifizierungsfaktor ist.“

Wenn man herausfindet, welche Rolle Schlaf beim Entstehen von chronischen Schmerzen spielt, kann das in Zukunft vielleicht neue Therapiemöglichkeiten bedeuten.

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