Wie aus einer Idee ein Spiel wird. Der Badener Christoph Reiser entwarf mit „Smart 10“ das Spiel des Jahres. Die NÖN wollte wissen, wie Weg vom Kopf bis in die Schachtel verläuft.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 22. Juli 2020 (02:04)
Christoph Reiser entwickelte das Quiz „Smart 10“, das gerade zum Spiel des Jahres prämiert wurde.
privat

Filmpartner von Julia Roberts benennen, Städte nach ihrem Längengrad ordnen oder die Herkunftsländer von Pop-Bands erraten: Das alles muss man bei „Smart 10“, dem von der Wiener Spiele Akademie ausgezeichneten Spiel des Jahres 2020. Entwickelt hat es der Badener Christoph Reiser mit dem bekannten Spiele-Autor Arno Steinwender.

Insgesamt ist „Smart 10“ das 20. Spiel, das sich der Krebs-Forscher ausgedacht hat. Veröffentlicht wurden davon fünf. Die waren also Teil bis zu 2.000 Spiele, die weltweit pro Jahr auf den Markt kommen. Wie ein solches Spiel entsteht und wie der Prozess vom Kopf bis in die Schachtel verläuft, wollte die NÖN wissen.

Ideen für Spiele liegen quasi auf der Straße, ist Reiser überzeugt. „Ich sitze im Park, sehe Blumen und Bienen und denke mir, daraus könnte ich ein Spiel machen“, erzählt er. Inspiration findet der Badener aber auch in den 100 Spielekartons, die sich in seinem Wohnzimmer stapeln: Eine andere Möglichkeit sei es, vorhandene Spiele zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, erklärt er. Laut Piatnik ist das Weiterdenken von Spielen für die meisten Autoren der Einstieg in die Spielentwicklung: „Viele haben damit begonnen, Regeln ihrer Lieblingsspiele zu erweitern und zu verändern“.

Shutterstock.com/OFC Pictures

Gibt es erstmal eine Vorstellung, wie das Spiel funktionieren soll, kommt oft eine Agentur wie „White Castle“ ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, Ideen zu prüfen und weiterzuentwickeln. Wie das geht? „Na wir spielen“, grinst White-Castle-Chefin Anita Landgraf. Und zwar meistens noch mit selbstbeschrifteten Karten und auf einem selbstgebastelten Spielbrett.

Läuft beim Test alles gut, beginnt die Suche nach einem Verlag und Illustratoren. Dass die nicht immer leicht ist, beweist „Smart 10“: „Wir haben dieses Spiel jedem Verlag auf der ganzen Welt angeboten“, lacht Landgraf. Nehmen wollte das nun mehrfach preisgekrönte Quiz lange keiner.

Ob man mit der Entwicklung eines solchen Spiels seinen Lebensunterhalt verdienen kann, ist laut Landgraf Glückssache. „Man kann wie bei einem Buch einen Volltreffer landen.“ Bei vielen Spielen – von Klassikern wie „Activity“ oder „Mensch ärgere dich nicht“ abgesehen – hält die Begeisterung aber nicht ewig. „Meistens geht der Verkauf ein, zwei Jahre.“

Grund dafür sind wohl auch wechselnde Trends. Zuletzt waren Würfel-Spiele für viele der Hit. Auch Escape-Room-Games kommen gerade sehr gut an. Verdrängt wird das klassische Gesellschaftsspiel von Video Games übrigens nicht, ist Landgraf überzeugt. „Es wurde nie so viel gespielt wie heute“, freut sie sich.

https://www.piatnik.com/spiele/gesellschaftsspiele/familienspiele/smart-10