Es gibt sie noch – die Telefonzelle. Der Betrieb lohnt sich im Zeitalter der Smartphones nicht mehr. Dennoch stehen in NÖ noch 2.440 Häuschen für Anrufe bereit.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:26)
Im Doppelpack: In Prinzersdorf (Bezirk St. Pölten) findet man noch zwei Telefonzellen nebeneinander.
cyperc stock, Shutterstock.com; Oberndorfer

Das Durchrasseln der Münze, das Blättern im Telefonbuch und der alte Hörer, der schwer in der Hand liegt: Das Sprechen in einer Telefonzelle ist für die allermeisten nur noch eine Erinnerung an frühere Zeiten. Die meist silbernen Häuschen mit ihren grün-roten Dächern wirken wie aus der Zeit gefallen. Trotzdem findet man sie in jeder Gemeinde. Wirft man ein paar Cent in den Schlitz, ertönt auch heute noch das Freizeichen. Vor allem, weil es das Gesetz so will.

Insgesamt stehen in Niederösterreich noch 2.240 funktionierende Telefonzellen. In ganz Österreich sind es rund 10.500. Betrieben werden sie von A1. Dort heißt es, dass der Bedarf an Telefonzellen im Laufe der Jahre und aufgrund der hohen Mobilfunkdichte stark zurückgegangen ist. Rein wirtschaftlich betrachtet, sollte kaum eine noch betrieben werden. Kommerziell sinnvoll sei das maximal an Bahnhöfen oder in Einkaufszentren.

Seltener Anblick: Ein Anruf aus einer Telefonzelle in St. Pölten.
Lisa Röhrer

Der Netzbetreiber ist laut Gesetz jedoch dazu verpflichtet, öffentliche Sprechanlagen zu erhalten und für Wartungskosten aufzukommen. Auch wenn laut Statistik nur jeder Siebente in Österreich kein Handy besitzt, muss man in jeder Gemeinde mindestens eine Möglichkeit zum Telefonieren haben. In einem Ort mit 1.500 bis 3.000 Einwohnern muss es zwei Telefonzellen geben, pro weitere 3.000 Einwohner kommt eine dazu.

„Man sieht in Telefonzellen noch ab und zu jemanden telefonieren“ Rudolf Schütz, Bürgermeister

Fährt man durch das Land, sieht man in einzelnen Orten sogar noch mehr als die vorgeschriebene Anzahl an Telefonzellen. In der knapp 1.500-Einwohner-Gemeinde Prinzersdorf im Bezirk St. Pölten stehen etwa drei Exemplare. Warum das so ist, kann sich selbst der Bürgermeister nicht erklären. „Man sieht dort aber ab und zu noch jemanden telefonieren“, sagt Rudolf Schütz.

Erste Telefonzelle wurde 1903 eröffnet

Zu finden sind die Telefonzellen meist an neuralgischen Punkten wie Bahnhöfen oder in Fußgängerzonen. Dort hat die Geschichte der Telefonzellen in Österreich auch ihren Anfang genommen: Das erste Häuschen wurde im August 1903 am Wiener Südbahnhof eröffnet.

Während die Menschen in den 50ern und 60ern am Hörer hingen und in den Häuschen auch ein Stück Privatsphäre ergatterten, werden die Zellen heute, wie man in Internetforen erfährt, hauptsächlich dann genutzt, wenn dem Smartphone der Akku ausgegangen ist oder das Handy vergessen wurde. Wer dann auf eine Telefonzelle zurückgreifen will, muss hoffen, dass er oder sie etwas Kleingeld in der Tasche hat – mindestens 30 Cent für ein 30-sekündiges Telefonat. Der Verkauf von Wertkarten wurde 2015 eingestellt. Notrufe sind kostenlos.

Bücher und Tankstellen statt Telefonaten

In anderen Ländern wie Deutschland oder Tschechien werden die Telefonzellen nun nach und nach abgebaut. Laut A1 ist davon in Österreich nicht auszugehen. In Tschechien wird das Verschwinden der Häuschen unter anderem damit argumentiert, dass diese häufig Ziel von Vandalen werden.

Neu genutzt: Viele Telefonzellen haben sich in Bücherzellen verwandelt.
Oberndorfer

In NÖ hat man damit kein Problem. Zwar werden Telefonzellen ab und zu beschmiert, in Einzelfällen wurden sie in den vergangenen Jahren sogar in die Luft gesprengt, Auffälligkeit gibt es da aber keine, heißt es von der Landespolizeidirektion. Auch Scherzanrufe aus Telefonzellen sind für die Polizei selten ein Thema.

Statt die Relikte alter Zeiten einfach aus den Orten zu verbannen, haben sich viele Gemeinden neue Nutzungsmöglichkeiten überlegt. In einigen Orten wurden Telefonzellen in Bücherzellen umgewandelt. Dort kann man Lesestoff ablegen und sich neuen holen. In Korneuburg, Melk oder Pressbaum beispielsweise werden die Kabinen nun als Ladestationen für E-Scooter oder -Fahrräder genutzt. In der Bundeshauptstadt wurden aus den Telefonzellen Lebensretterboxen mit Defibrillatoren.