Wenn sich alles ums Essen dreht

Wenn Menschen mit ihrem Essverhalten Probleme haben, können sie sich beraten lassen.

Erstellt am 29. Mai 2018 | 00:02
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Foto: sowhat

Ob Trauer oder Frustration, Ärger oder Wut – Menschen gehen mit Belastungen unterschiedlich um. Manche trinken Wein, manche gehen ins Fitnesscenter, und manche ändern ihr Essverhalten … „Essen stellt für Menschen mit Essstörung am Anfang oft ein Mittel dar, sich in Konfliktsituationen zu stabilisieren“, erläutert Christine Tretter, die ärztliche Direktorin von Sowhat. Das Kompetenzzentrum für Menschen mit Essstörungen betreut Betroffene in Wien, St. Pölten und Mödling.

„Wenn jemand selbstunsicher ist, kann die Figur ein Mittel zur Selbstbestätigung werden.“ Daher: „Eine gute Prophylaxe ist, den gesunden Selbstwert und eine gesunde Selbstsicherheit zu fördern.“

„Essstörungen entwickeln sich schleichend“, verrät www.sowhat.at. „Sie beginnen häufig mit Unzufriedenheit über das Körpergewicht beziehungsweise mit einer Diät und können im Laufe der Zeit Eigendynamik entwickeln, bis sich alles nur mehr ums Essen oder Nicht-Essen und das Körpergewicht dreht.“ Massive gesundheitliche Schäden und soziale Probleme sind möglich.

Gewohnheit, Automatismus etc. spielen eine Rolle

Bei der Entstehung einer Essstörung können viele Faktoren Einfluss haben. Zum Beispiel: „Es hängt mit dem Bild, das in der Werbung und den Medien vermittelt wird, zusammen: Man muss nur schön, schlank und attraktiv sein – dann ist die eigene Welt in Ordnung.“ Ein Bild, das mittlerweile auch Männer beeinflusst. Denn: „Auch sie müssen heute äußerlich zunehmend attraktiv sein.“ Wird vermittelt. Dennoch sind Männer wesentlich seltener von Essstörungen betroffen als Frauen.

„Manchmal ist das Verhältnis zu Essen in der Familie auch problematisch“, erläutert die Fachärztin für Psychiatrie. „Die Mutter macht wieder eine Diät, der Vater sagt: Du bist zu dick! …“ Und auch Gewöhnung, Automatismus usw. spielen eine Rolle.

Bei Sowhat können sich Betroffene und Angehörige anonym und informell dazu beraten lassen, welche Angebote es gibt. Wann es Sinn macht, Beratung und Hilfe aufzusuchen? Wenn die Gedanken ständig um den eigenen Körper und das eigene Gewicht kreisen. Wenn man unsicher in Bezug auf seine Essgewohnheiten ist. Und auch wenn man Probleme mit dem eigenen Essverhalten hat.

"Übergewicht und schweres Übergewicht sind oft keine Essstörung"

Besteht Interesse an einer Behandlung, wird eine psychologische Begutachtung durchgeführt. Übrigens: „Übergewicht und schweres Übergewicht sind nach der medizinischen Definition oft keine Essstörung.“ Häufiger sind Magersucht, Ess-Brechsucht und Binge-Eater.

Betreut werden Patienten im Rahmen von Einzel- und Gruppentherapien. Die Krankenkassen übrigens übernehmen meist die Kosten. Ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Team aus Fachärzten für Psychiatrie, Allgemeinmedizinern sowie Psychotherapeuten, Psychologen und Ernährungsexperten steht zur Verfügung. „Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Reflexion der persönlichen Lebenssituation und des soziokulturellen Umfeldes (Schönheitsideale, Leistungsdruck …)“, erfährt man auf www.sowhat.at.

Ziel ist es, Klienten dabei zu unterstützen, Selbstverantwortung zu übernehmen, ein Krankheitsverständnis zu entwickeln und Antworten zu finden, die ihrem Leben, der Selbstentfaltung und der Körperlichkeit förderlich sind. Auch Selbstakzeptanz, Selbstwert, Selbstbild und Zukunftsbild spielen hier eine Rolle.