Psychotherapeuten wollen Gesamtvertrag. Der Berufsverband für Psychotherapie fordert eine adäquate Bezahlung für Psychotherapie.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 30. März 2019 (12:10)
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Bei der Podiumsdiskussion: Barbara Haid (ÖBVP), Willibald Steinkellner (vida), Bernhard Rupp (Arbeiterkammer NÖ), Inge Winder, Alexandra Schosser (BBRZ-Med Wien), Friedrich Riffer (Psychosomatisches Zentrum Waldviertel) und Peter Stippl (ÖBVP).

„Unsere Arbeit wird geschätzt und gewollt. Aber die Entlohnung in Österreich ist nicht passend und adäquat“, betont Barbara Haid, Kommission Psychotherapie in Institutionen im Österreichischen Berufsverband für Psychotherapie bei einer Fachtagung zum Thema „Gute Arbeit für wenig Geld“ in St. Pölten.

„Durch viele Studien ist belegt, dass Psychotherapie hervorragende Arbeit leistet“, betont Peter Stippl, der Präsident des Berufsverbands. Selbst die Wirtschaft erkenne den Nutzen der Psychotherapie. „Im Verhältnis zu dem, was wir nutzen, werden wir dafür gerade in Institutionen aber teilweise schlecht bezahlt“, kritisiert er. Gerade dort, wo die Arbeit für Psychotherapeuten besonders fordernd ist. Auch sind die Zuschüsse von den verschiedenen Krankenversicherungsträgern unterschiedlich hoch.

Gesamtvertrag und mehr Vernetzung

Was es braucht? „Was wir seit Jahren fordern ist ein Gesamtvertrag für ganz Österreich“, so Stippl. Die Regierung, so Stippl, setze ja auf das Motto „Gleiche Beiträge, gleiche Leistungen“. „Wir erhoffen uns von der Regierung, dass das umgesetzt wird. In Form eines Gesamtvertrages für Psychotherapie mit dem Österreichischen Berufsverband für Psychotherapie - und eine adäquate Bezahlung.“

Es sei auch ein Problem des Gesundheitssystems, glaubt Willibald Steinkellner, stellvertretender Vorsitzender Gewerkschaft vida. „Es geht immer ums budgetäre und nicht darum zu fragen: Was braucht der Patient bzw. der Klient?“ Er glaubt, dass eine bessere Vernetzung der Psychotherapeuten untereinander, die gewerkschaftliche Organisation und Produktklarheit (was bietet Psychotherapie genau) die Entlohnung verbessern könnten.

Krankheiten  haben unterschiedliche Wertigkeiten

„Ich glaube, die Vernetzung funktioniert besser als früher in NÖ“, meint Bernhard Rupp, Abteilungsleiter Gesundheitspolitik Arbeiterkammer NÖ . „Was uns aber nur teilweise gelungen ist, ist die Entstigmatisierung. Wir haben eine hohe Wertschätzung für technologische Lösungen. Da wird viel Geld hineingepumpt.“

Geht es aber etwa um Psychotherapie, wird um geringe Geldmengen diskutiert. „Wir haben eine Schieflage in der Wertigkeiten von Krankheiten.“ Zu Lasten von psychischen Erkrankungen. Warum? „Wir haben noch keine gute Meßgröße, um die Gewichtung zu verbessern“, glaubt Rupp. Dazu kommt: „Depression sehe ich nicht“, erläutert Alexandra Schosser, ärztliche Leitung BBRZ-Med Wien. „Es ist für viele Menschen schwierig, zu sagen: Ich habe eine psychische Erkrankung.“

Es hat aber auch etwas mit dem Bild von Gesundheitsberufen zu tun. Menschen, die hier arbeiten, werden als gute Menschen betrachtet. Und gute Menschen können ja nicht gierig sein. Im Vergleich etwa zu Rechtsberufen usw. „Da ist eine gesellschaftliche Verzerrung“, so Friedrich Riffer, ärztlicher Direktor Psychosomatisches Zentrum Waldviertel. Es könnte auch der Genderaspekt eine Rolle spielen, glaubt Leonore Lerch vom Wiener Landesverband. "Psychotherapie wird zu 75 Prozent von Frauen durchgeführt.“

An die Bedeutung einer besseren Vernetzung und Wissenschaftlichkeit glaubt auch Barbara Haid. Sie sagt außerdem: „Die Akademisierung der Psychotherapie ist unabdingbar. Nur dann können wir uns gut positionieren.“   

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