Albträume in der Kälte von Lesbos

Niederösterreicherinnen halfen vor Ort. Sie erzählen von schrecklichen Zuständen.

Erstellt am 10. Februar 2021 | 03:10
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Von erschreckenden Zuständen im Flüchtlingslager auf Lesbos berichten Kinderärztin Michaela Fried, Psychotherapeutin Sabine Sommerhuber und Kinderpsychiaterin Ulla Wurm. Sie halfen vor Ort.
Foto: APA/AFP/Anthi Pazianou; privat Fotomontage: König

Kein Strom, Dreck bis zu den Knien und eisige Kälte: „Menschunwürdig“ sind laut den drei Niederösterreicherinnen Sabine Sommerhuber, Ulla Wurm und Michaela Fried die Bedingungen im griechischen Flüchtlingslager Kara Tepe. Nach dem Brand in Moria leben auf dem ehemaligen Schießübungsplatz des Militärs auf der Insel Lesbos 7.500 Menschen, darunter etwa 2.000 Kinder in, wie das Trio berichtet, unbeheizten, nassen Zelten. Um die rudimentäre Essensversorgung kümmert sich das Militär. Selbst kochen ist seit dem Brand in Moria verboten. Raus aus dem mit Stacheldraht umzäunten Lager dürfen die Menschen, wegen des Lockdowns, nur einmal in der Woche für wenige Stunden.

Einige zieht es dann in das Quartier von „One Happy Family“, der Organisation, bei der das Trio die vergangenen Wochen half. In provisorisch eingerichteten Räumen bekommen Kinder psychologische Betreuung. Denn, wie die drei Helferinnen beobachteten, sind nicht nur die äußeren Zustände des Lagers katastrophal. Kinderpsychiaterin Ulla Wurm erzählt von traumatisierten Mädchen und Buben, die Albträume quälen, die schlafwandeln oder bettnässen. „Das alles ist natürlich ein Zeichen massiver Überforderung“, erklärt sie.

Viele Eltern müssen ihre Kinder in der Nacht am Arm binden, damit sie nicht hinauslaufen und im Meer sterben, ergänzt Sabine Sommerhuber, Psychotherapeutin aus Haslau (Bezirk Bruck). Während die Kinder psychologische Hilfe bekamen, kümmerten sich Wurm, Sommerhuber und Fried um die Beratung der Eltern. Sabine Sommerhuber verteilte als Teil der Initiative „Unser Bruck hilft“ zudem Spenden. „Ich habe mir geschworen, ich schaue nicht einfach weg“, erklärt Kinderärztin Fried, warum sie sich entschlossen hat, zu helfen.

„Hilfe vor Ort ist Tropfen auf dem heißen Stein“

Für Sommerhuber ist die Hilfe vor Ort trotzdem ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ Laut der 63-Jährigen müsste man die „vulnerabelsten Personen nach Österreich bringen.“ Die EU dürfe die Flüchtlinge in Griechenland nicht alleine lassen.