Caritasdirektor: „Wir benötigen Zuwanderung“. St. Pöltner Caritasdirektor Hannes Ziselsberger verlangt neue Modelle und gut durchdachte humanitäre Aufnahmeprogramme.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. April 2021 (03:43)
Der St. Pöltner Caritasdirektor Hannes Ziselsberger wünscht sich ein Bleiberecht aus humanitären und wirtschaftlichen Gründen.
Caritas

„Unsere Sozialsysteme sind davon abhängig, dass Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernommen werden. Wir werden daher Zuwanderung benötigen“, erklärt Caritasdirektor Hannes Ziselsberger gegenüber der „Kirche bunt“. Trotz der momentan hohen Arbeitslosigkeit sei in Österreich schon bald ein Problem bei der Nachbesetzung freier Stellen absehbar. Daher brauche es neue Modelle einer geregelten und geplanten Zuwanderung.

Die nötige Debatte über Zuwanderung solle zwar nicht mit dem Thema Flucht vermengt werden, könne aber auch „nicht daran vorbeisehen“. Insbesondere „gut durchdachte humanitäre Aufnahmeprogramme, die mit Integrations- und Bildungsangeboten verbunden werden“, seien vonnöten. Der Caritasdirektor wünscht sich daher ein Bleiberecht aus humanitären und wirtschaftlichen Gründen für langjährig in Österreich befindliche und gut integrierte Menschen, „weil es unvernünftig und unwirtschaftlich ist, die Früchte jahrelanger (Bildungs-)Investition in Kinder und Jugendliche nicht zu ernten.“

Dabei gelte es laut Ziselsberger, bestehende Ansätze im Kleinen – wie Lerncafés, Integrations- und Deutschkurse – sowie Leben in Nachbarschaft auszubauen und weiterzuentwickeln und Formen sozialer Verantwortung der Zivilgesellschaft wertzuschätzen.

Angesichts der massiven Umbrüche sei ein „strukturelles Vordenken“ nötig, um „nicht zu spät mit dem Steuern zu beginnen“, unterstreicht Ziselsberger.