Was ist Weltraum-Wetter?. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind moderat warm: Für die meisten Erdenbürger ist das „gutes Wetter“. Starkregen, Sturm oder Hagel dagegen sind das Gegenteil, wo man Schutz sucht. Wie sich das „Weltraum-Wetter“ auf unsere Erde auswirkt, weiß Roman Leonhardt, Experte für Geomagnetik und Leiter des Conrad Observatoriums der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Mai 2021 (05:25)
Die Sonne speit hochenergetische Teilchen aus. Wenn sie die Erde erreichen, zaubern sie Polarlichter an den Himmel. So ein Sonnensturm kann aber auch Flugverkehr und Stromversorgung stören.
Courtesy/NASA, Courtesy/NASA

Wann immer Vorgänge im Weltraum Auswirkungen auf die Erde haben, spricht man von „Weltraum-Wetter“. Die meisten Weltraum-Wetterereignisse werden durch Sonnenstürme und kosmische Strahlung verursacht.

Bei Sonnenstürmen erreichen große Wolken geladener Partikel die Erde und führen zu starken Variationen im Erdmagnetfeld, sogenannten magnetischen Stürmen. Folgen dieser Ereignisse sind unter anderem Polarlichter und induzierte Gleichströme im Stromnetz. Dabei sind im Extremfall sogar Störungen und großräumige Ausfälle von Stromnetzen (Blackouts) sowie Navigations- und Satellitensystemen möglich.

Roman Leonhardt, Leiter des Conrad-Observatoriums
ZAMG

Zum Beispiel beschädigte ein Sonnensturm im März 1989 in Quebec (Kanada) einen Transformator so schwer, dass das Stromnetz für neun Stunden zusammenbrach. Betroffen von dem Blackout waren etwa sechs Millionen Menschen. In Österreich gab es noch keine Probleme durch Sonnenstürme. Für die Menschen auf der Erde bedeuten Sonnenstürme im Normalfall kein gesundheitliches Problem, weil die Atmosphäre schützt. Besatzungen von Flugzeugen können im Extremfall höheren Strahlungen ausgesetzt sein. Bei starken Sonnenstürmen werden Flüge umgeleitet.

Am Conrad Observatorium der ZAMG in den Gutensteiner Alpen werden in Kooperation mit der Austrian Power Grid und der Geologischen Bundesanstalt Sonnenstürme erforscht und mit Hilfe von Computermodellen neue Warnmethoden entwickelt. Automatische Warnsysteme werden künftig mit Daten von Weltraummissionen der ESA erweitert und die Vorwarnzeit bei Sonnenstürmen dadurch von derzeit rund 30 Minuten deutlich erhöht.

Die Warnungen werden helfen, Kraftwerke rechtzeitig herunterzufahren, um Beschädigungen durch Sonnenstürme zu vermeiden und mit koordinierten Notfallplänen absichtlich ein Blackout einzuleiten, bei dem die wichtigsten Versorgungseinheiten weiterarbeiten.