Pflege als kritische Infrastruktur des Gemeinwesens. Schön, dass der internationale Tag der Pflege, der jährlich am 12. Mai begangen wird heuer Gelegenheit bietet auf die mit Abstand zahlenmäßig größte Profession des österreichischen Gesundheitswesens wieder einmal verstärkt und mit Stolz zu blicken. Ja wir feiern den 200 Geburtstag von Florence Nightingale und das internationale Jahr der Pflege und Hebammen, wie von der WHO verkündet. Und jetzt? 

Von NÖN Leserreporter. Erstellt am 11. Mai 2020 (16:44)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Mag. Roland Nagel MBA Pflegeexperte & Politologe Diplomierter Gesundheits- und Krankenpflege
privat

Was wirklich wichtig ist und welche Bereiche in einer Gesellschaft als bedeutsame kritische Infrastruktur gegenwärtig erkannt wird überrascht angesichts der „Coronoakrise“ nicht und ernüchtert trotzdem. Pflege kann und soll auch als Gesundheitspflege zum Leben erweckt werden und die Möglichkeiten des Berufsrechts (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz 2016) nutzen.  

Prävention entdecken 

Welcher positive Mehrwert liegt wohl gesundheitspolitisch in einer gezielten Vorbeugung, ja in der Gesundheitspflege, in zielgerichteten Pflegeberatungen am besten vor Ort bei den Menschen in ihren eigenen vier Wänden. Wie viel an menschlichen Leid verhindert werden könnte und sinnvolle ökonomische Spareffekte (Drehtüreffekte zwischen den Institutionen, Krankenhaustransporte, überfüllte Ambulanzen, nosokomiale Infektionen, …) möglich wären. 
 
In Skandinavien orientiert sich das Gesundheitswesen an der Ergebnisqualität der „gesunden Lebensjahre.“ Damit verbunden ist ein stark ausgebauter niedergelassener Bereich indem Professionisten auf Augenhöhe zusammenwirken. Die Dienstleistungen sind für alle leicht zugänglich und wohnortnahe angesiedelt. Die Konsequenz daraus ist nicht eine deutlich höhere Lebenserwartung bei den Menschen, aber viele Jahre mehr, die sie in Gesundheit erleben dürfen. Sollten nicht die gesunden Lebensjahre der Maßstab in einem verantwortungsbewussten und nachhaltigen Gesundheitswesen sein? 

Ressourcen erkennen und nicht blockieren 

Leider werden hierzulande Pflegeprofessionisten noch immer strukturell behindert. Eine Blockade von selbständigen diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, die zum Beispiel im Wundmanagement tätig sind ist nach wie vor in Österreich traurige Realität. Klar muss sein, wir brauchen jede professionelle Hand in der Pflege, die das System entlastet und bereichert!  

Abrechenbare Leistungspakete sind mit den Sozialversicherungsträgern zu schnüren, denn wir können es uns als Gesellschaft im Bewusstsein der prognostizierten demografischen Entwicklung nicht leisten pflegefachliche Dienstleistungen zu blockieren und gleichzeitig vom nicht zu übersehenden Personalmangel in der Pflege zu wissen (76.000 Pflegekräfte fehlen bis 2030).  Was für andere Gesundheitsberufe schon lange möglich ist darf für die Pflege nicht auf Dauer blockiert werden! 
Ich denke es ist jetzt an der Zeit die Rahmenbedingungen, Bezahlung, Möglichkeiten im Berufsrecht (GuKG 2016) und vieles mehr in der Pflege zu verbessern bzw. letzteres gezielt zu nutzen. Wenn nicht jetzt, wann dann? 
 

Gastkommentar zum internationalen Tag der Pflege / 12. Mai 2020 
 Mag. Roland Nagel MBA Pflegeexperte & Politologe Diplomierter Gesundheits- und Krankenpflege