Peter Patzak: Der Unangepasste. 75 war Filmemacher Peter Patzak schon im Jänner. Gefeiert wurde er erst jetzt. Und erinnerte sich dabei an Kottan, Scorsese und andere „besondere“ Begegnungen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 30. September 2020 (03:24)
„Ich bin nach wie vor einvertrottelter Gerechtigkeitsfanatiker!“: Peter Patzak über Peter Patzak. Im Bild 2018 neben einem seiner großformatigen Bilder in Klosterneuburg-Weidling, wo der gebürtige Wiener lebt und arbeitet.
Hertha Hurnaus

Helmut Zenker war mit ihm im Gymnasium („und hat genauso oft Schule geschwänzt“). Martin Scorsese saß neben ihm beim Frühstück. Ennio Morricone schrieb für ihn Filmmusik. Und Heinz Marecek, Peter Huemer oder Hans Dichand standen auf der Besetzungsliste, für seinen ersten Kinofilm.

Das war 1972. Da war der gebürtige Wiener Peter Patzak, der erst Kunstgeschichte und Psychologie studiert hatte, schon zwei Jahre in New York gewesen. Und hatte schon zehn Jahre zuvor, mit gerade mal 17, seine erste Ausstellung als Maler gehabt. Sein erster (Kurz-)Film, „His Bag“, war 1972 schon vier Jahre alt. „Filmemachen“, so der Filmemacher 48 Jahre und über 100 Filme später, „hat wahnsinnig viel mit persönlichem Einsatz und mit Energie zu tun.“

Und: mit Begegnungen. „Ich hatte sehr viel Glück mit meinen Begegnungen!“ Vielleicht, schmunzelt Peter Patzak, der schon seit Jahrzehnten in Weidling bei Klosterneuburg lebt und arbeitet („ich hab’ auch fast alle Kottans in Niederösterreich gedreht“), habe das auch damit zu tun, „dass ich so gern außer Haus gegangen bin, vor allem am Abend.“

„Jeglichste Form der Anpassung und Anbiederung vermeiden“

Mit „Weltstars“ habe der Sohn eines Polizei-Majors gedreht, aber auch Weltliteratur verfilmt. „Das war meine größte Freude, wenn mich Autoren gefragt haben, ob ich ihre Geschichte verfilme. Das war die große Belohnung!“

Ein „Tabubrecher“, wie er auch genannt wurde, wolle er dagegen nicht sein. „Das bin ich überhaupt nicht“, so Peter Patzak vehement. Statt dessen sei er „nach wie vor“ ein „vertrottelter Gerechtigkeitsfanatiker“. Das habe er auch seinen Studenten an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien, wo er seit 1990 lehrte, mitgegeben: „Freiheit, Freiheit, Freiheit – und „jeglichste Form der Anpassung und Anbiederung zu vermeiden“.

Sein eigenes Werk – Drehbücher, Manuskripte, Filmrollen, Fotos, Notizen und Produktionsmaterial aus Peter Patzaks „persönlichem Archiv“ – liegt schon seit Oktober 2018 in Niederösterreichs Archiv der Zeitgenossen tief unter dem Campus Krems („Anfragen gab es viele, aber die Entscheidung war klar: Wenn, dann hierher“).

Und „vor drei Wochen“, so Archiv-Leiterin Christine Rigler, habe man gerade „die nächsten Kisten“ aus Klosterneuburg abgeholt. Sie sei sicher, so Landeshauptfrau und Patzak-Verehrerin Johanna Mikl-Leitner, „dass viele hierher kommen werden, um in seinem Nachlass zu stöbern.“ Und dem Jubilar, der erst im September seine jüngste Kunst-Ausstellung im Kunstforum der Bank Austria eröffnet hat, ist es „eine große Ehre, alles hier aufgehoben zu wissen“.