Purgstall an der Erlauf

Erstellt am 17. Januar 2017, 15:43

Purgstall: Franz Schrittwieser beigesetzt. Zahllose Trauernde beim Begräbnis des NÖN-Herausgebers in Purgstall.

Mit Bischofsvikar Franz Schrittwieser (76) verliert die Diözese St. Pölten eine der zentralsten Persönlichkeiten. Am Dienstag wurde er in seinem geliebten Heimatort Purgstall beerdigt, die Begräbnisfeierlichkeiten leitete Weihbischof Anton Leichtfried. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er beerdigt. Weihbischof Leichtfried sagte über den NÖN-Herausgeber: „Es ist unglaublich, wie viele Menschen er kannte und begleitete.“ Viele in der Diözese sagen, er habe die meisten Menschen überhaupt in der Kirche in Niederösterreich gekannt. Schrittwiesers Lebensmotto sei gewesen: "Freude am Leben, Freude am Glauben und Freude an der Kirche."

Schrittwieser prägte eine ganze Generation an Priestern, Diakonen, Pastoralassistenten und Führungskräften in der Diözese St. Pölten und weit darüber hinaus. Insgesamt unterstützte er Hunderte Priester, Ordensleute und weitere kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ob im Propädeutikum in Horn oder als Regens des St. Pöltner Priesterseminares.

Der beliebte Bischofsvikar war unter anderem für die Bereiche Caritas oder Telefonseelsorge zuständig. Weiters war er Herausgeber der NÖN.

„Es war lohnend, Priester zu werden“

Sein Weg erschien seit Jugendzeit an wie vorgezeichnet: Kleines Seminar, dann Priesterseminar und danach meist die Tätigkeit in einer Pfarre. So stringent verlaufen Biografien heute kaum mehr, weiß Prälat Schrittwieser – weder bei geistlichen Berufungen noch bei anderen wichtigen Lebensentscheidungen wie Ehe oder Familie. Rückblickend zieht Schrittwieser, der in der Diözese als Bischofsvikar u.a. für die Caritas, die Gefangenen-, Notall-, Krankenhaus- bis hin zur Migrantenseelsorge zuständig ist, jedenfalls eine durchwegs positive Bilanz: „Es war lohnend, Priester zu werden“ – und erfüllend sei es auch heute, nach 50 Jahren, noch.

Wer immer sich für einen geistlichen Beruf interessiert, dem gab Schrittwieser als wichtigsten Rat mit auf den Weg: „Sei lebensfroh, habe Freude an der Welt, am Leben, an der Schöpfung und am Mitmenschen“. Hinzu müsse noch eine Begeisterung für Jesu und sein Anliegen vorhanden sein – wenngleich Jesu radikaler Weg auch herausfordernd sein könne. Außerdem bedürfe es einer Verwurzelung in der Kirche. Am meisten fasziniere ihn im Priesteramt das Leben „in der Spur Jesu“, so Schrittwieser. Er habe selber viele Menschen auf ihrem Weg in diese Spur hin begleitet und darin Sinn erfahren. Auch seien daraus starke, tiefe Beziehungen erwachsen – Beziehungen, die auch trugen, als es ihm selbst im Zuge einer schweren Erkrankung schlecht ging.

Aufbruchsstimmung ist da

Blickte er auf den Zustand „seiner“ Kirche, so ist sein Befund alles andere als negativ: „Die Kirche ändert sich derzeit grundlegend“. Dabei träume er von einem „neuen Pfingsten“ für die Kirche und in der Kirche – er kenne schließlich die Zeiten des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Damals konnte er selbst mit dem Rückenwind des Konzils am Aufbau der Pfarre Krems-St. Paul mitwirken. Er habe den Eindruck, dieses neue Pfingsten sei in Ansätzen schon da: Vielerorts würde er Aufbrüche in Pfarrgemeinden verspüren, auch das Engagement unzähliger Ehrenamtlicher stimme ihn optimistisch.

Der Bischofsvikar weiß gerade in Zeiten des Priestermangels: „Jede und jeder Getaufte und Gefirmte hat Verantwortung für und in der Kirche.“ Mit Papst Franziskus sei ein weiterer Aufbruch da, der die Kernaufgabe der Christen verwirkliche, zu den Schwachen zu gehen. Kirche müsse Heimat geben und offen sein – dies gelte insbesondere im Blick auf Flüchtlinge, so Schrittwieser. Er warnt daher auch ausdrücklich davor, dass sich Pfarren ins Spirituelle bzw. in die Liturgie zurückziehen; es brauche auch die Diakonie, also den Dienst am Nächsten. Dort bewähre sich das, was im Gottesdienst gefeiert werde.

Jung im Herzen

Schrittwieser wurde 76, doch seine Visionen sind modern. Wenn die Kirche in sich jung sei, dann werde das auch Jugendliche ansprechen. Jugendliche hätten viele Lebensfragen, in Solidarität und Nächstenliebe würden sie gelebtes Christentum vorfinden. Da sehe er ebenfalls schon gute Ansätze: die beliebten Jugend-Taizé-Gebete, der Schwung der youngCaritas, die vielen Angebote der kirchlichen Jugendhäuser, die Jugendwallfahrten oder die Reisen zu „heiligen Orten“ wie Assisi oder ins Heilige Land. Er reist selber gerne, wohl auch aus dem Motiv heraus, „dass wir ein Leben lang unterwegs sind – eben in der Spur Jesu“, so Schrittwieser.