Kati Bellowitsch: „Ich möchte raus ins Land!“

Erstellt am 22. Juni 2022 | 05:32
Lesezeit: 7 Min
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Kati Bellowitsch im Ö3-Studio, in dem sie diese Woche noch moderiert: Ihre letzte Sendung – gemeinsam mit Andi Knoll – läuft am Freitag, 24. Juni, von 9 bis 12 Uhr.
Foto: Foto Martin Krachler (oben), privat
Moderatorin Kati Bellowitsch kehrt Wien den Rücken und dockt beim ORF NÖ an, wo sie als Erstes die ORF NÖ Sommertour präsentieren wird. Ein Interview über Freude, Sport und Sprache.
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NÖN: Ihr Markenzeichen ist Ihre Fröhlichkeit, lieben Sie die Menschen oder freuen Sie sich einfach jeden Tag aufs Leben?

Kati Bellowitsch: Alles das – ich bin ein fröhlicher, positiver Mensch, das war immer schon so. Ich bin zufrieden mit mir und meiner Welt, ich freue mich jeden Morgen auf den neuen Tag. Und Menschen mag ich natürlich auch, keine Frage, sonst wäre ich in diesem Beruf nicht so gut aufgehoben.

Sie haben sich kürzlich entschlossen, von Ö3 weg zum ORF NÖ zu gehen. Was hat Sie veranlasst, den meistgehörten Sender des Landes in Richtung Provinz zu verlassen?

Bellowitsch: Na Moment, Niederösterreich ist doch keine Provinz!

Naja, die Wiener bezeichnen es gerne so.

Bellowitsch: Okay ja, aber ich nicht! (lacht) Ich bin Steirerin, ich komme aus der echten Provinz, aus einem Dorf auf 1.000 Metern Seehöhe. Niederösterreich ist ein großes, ein wunderschönes Land. Radio habe ich jedenfalls so lange gemacht, dass das Interesse nun wieder mehr Richtung Fernsehen geht. Da habe ich zehn Jahre lang das Kinderfernsehen moderiert, zig Opernbälle, den Song Contest, Formel-1-Live-Moderationen, Hauptabendshows. Dann wurde es durch Corona etwas weniger und ich habe jetzt gemerkt, dass das Interesse fürs Fernsehen zu arbeiten aber nach wie vor da ist, dass ich nun raus möchte ins Land, Leute treffen, mich austauschen. Ich möchte tolle Plätze herzeigen, Gesundheits- und Fitnessthemen aufgreifen und jetzt starte ich einmal mit der ORF NÖ Sommertour, darauf freue ich mich besonders.

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Kati Bellowitsch mit ihrer Familie.
Foto: privat

Sie sind ausgebildete Volksschullehrerin, wäre das kein Beruf für Sie gewesen? Die Kinder hätten Sie sicher geliebt.

Bellowitsch: Ja absolut, aber als ich mit der Ausbildung fertig war, gab es keine freien Plätze in Graz. Ich komme ja aus der Steiermark. Aber dann ist zeitgleich in der Steiermark das erste Privatradio gestartet, die Antenne Steiermark. Und meine Mama, die mich wirklich sehr gut kennt, hat gemeint: „Katharina, bewirb dich doch beim Radio.“ Also habe ich das gemacht und wurde auch genommen und so bin ich 25 Jahre beim spannenden Job Radio hängengeblieben. Was sich aber jetzt zeigt, ist, dass es immer Sinn macht, Ausbildungen auch abzuschließen. In meinem Fall das Pädagogische: Denn ab Herbst werde ich an der FH Wien im Studienlehrgang „Journalismus & Medien Management“ den Bereich „Radio“ unterrichten. Und die Studenten bis zu ihrer ersten Livesendung begleiten.

Was ist Ihnen lieber – Radio oder Fernsehen?

Bellowitsch: Mein Leben ist mehr als Radio und Fernsehen, ich moderiere auch Events für Firmen, schreibe seit fünf Jahren für ein Reisemagazin, habe Bücher geschrieben, eigentlich bin ich immer schon komplett multimedial unterwegs. Auch Social Media hat seit einigen Jahren eine größere Bedeutung für mich. Ich kann’s ehrlicherweise nicht sagen, was das Beste ist, ich mag das alles. Radio ist natürlich toll, weil du im Studio dein eigener Chef bist. Beim Fernsehen wiederum ist es wunderbar, dass du unter Leute kommst, oft an verschiedenen Orten bist.

Der Formel-1- Zirkus hat mich immer fasziniert – ich habe ja selbst viel PS! Kati Bellowitsch, Moderatorin

Motocross und Formel 1 sind Steckenpferde, Sie haben für Eurosport moderiert und waren Pressesprecherin für ein Formel-3000-Team: Was ist am Motorsport faszinierend?

Bellowitsch: Ich wollte als Kind Krankenschwester oder Rennfahrerin werden. Motorsport hat mich wohl schon immer fasziniert. Ich bin früher kleinere Autorennen und Go-Kart gefahren und habe heute noch ein Motorrad, für das ich leider wenig Zeit habe.
Der Formel-1-Zirkus war für mich immer schon spannend – ich habe ja selbst viel PS. (lacht) Offenbar finde ich mich in diesem Motorsport-Metier wieder.

Was würden Sie sagen, wenn eines Ihrer Kinder Rennpilot werden will?

Bellowitsch: Ah, oje, bitte nicht! (lacht) Bei meinem älteren Sohn ist die Gefahr nicht allzu groß. Aber beim Jüngeren, der ist fünf Jahre alt und so eine „Düsn“ wie ich, dem trau ich das schon zu. Aber er ist ja wie gesagt erst fünf … Wenn er einmal fahren möchte, werde ich aber sicher die Letzte sein, die das verbietet, weil ich weiß, dass es unglaublich viel Spaß macht.

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Kati Bellowitsch ist ein Natur-Freak.
Foto: privat

Stichwort Sport: Sie waren Leistungsturnerin, gut im Reiten und im Tennis – was gibt einem der Sport fürs Leben mit? Disziplin? Durchhaltevermögen?

Bellowitsch: Freude! Ich habe den Sport sehr geliebt und ich bin auch sehr dahinter, dass meine Kinder Sport machen. Sport, Musik und unendliche Liebe sowieso, das ist meiner Meinung nach für Kinder das Wichtigste. Sport von klein auf finde ich deshalb so wichtig, weil man dadurch ein unheimlich gutes Gefühl für sich und seinen Körper entwickelt. Ich habe Sport als Kind immer mit reiner Freude gemacht. Meine Eltern haben mich einfach machen lassen, aber ohne, dass sie etwas erwartet haben.

Sie haben viele Kindersendungen moderiert: Confetti TiVi, den Forscherexpress mit Thomas Brezina, die Quiz Safari. Nun sind Kinder ja ein recht eigenes Publikum, das entweder fasziniert ist – oder eben nicht. Wie „kriegt“ man die Kinder?

Bellowitsch: Mit Begeisterung und Ehrlichkeit! Viel mehr braucht’s nicht. Da ich ja auch Volksschullehrerin bin, sage ich, es liegt nicht daran, wie schön eine Schule ist, unterrichten kann man in jeder Baracke – Hauptsache der Mensch, der jemandem etwas beibringen möchte, hat eine große Begeisterung dafür.

Moderieren ist ja etwas, das recht leicht aussieht, wenn es jemand kann. Sich auf die Bühne stellen oder ins Studio und ein bisserl locker reden – wie viel Aufwand steckt tatsächlich dahinter?

Bellowitsch: Das kommt darauf an, was man macht. Beim Radio bemerkt man ja nicht, dass einem da möglicherweise Millionen Menschen zuhören. Auf der Bühne hast du die Leute genau vor dir, da spürst du schon mehr die Spannung. Beim Fernsehen ist schon wieder die Kamera dazwischen – also das sind schon durchaus unterschiedliche Dinge. Was sie jedoch vereint, ist die Tatsache, dass du dich einfach trauen musst vor Leuten zu reden. Zum Glück bin ich kein nervöser Mensch, relativ frei von Lampenfieber.

Haben Sie Rituale, bevor Sie auf eine Bühne gehen?

Bellowitsch: Nein, gar nicht. Das Wichtigste bei der Live-Moderation ist der Ton, also gehe ich immer vorher zu den Tontechnikern, stelle mich vor und sage „Dreht mich bitte früh genug auf!“ Denn das passiert leider immer wieder, dass das Mikro bei den ersten zwei, drei Worten noch aus ist, das stört einfach und wirkt auch irgendwie unprofessionell. Was auch noch wichtig ist: Man muss authentisch sein. Ich schaue mir bei Moderationen schon ganz genau an, was das Thema ist, damit ich das alles auf der Bühne auch wirklich gut verkaufen bzw. präsentieren kann. Dann verzeiht dir das Publikum auch den einen oder anderen Versprecher.

Gibt es beim Moderieren auch No-Gos?

Bellowitsch: Ja, Namen falsch auszusprechen. Da frage ich immer im Vorfeld ganz genau nach, wenn ich mir nicht sicher bin. Wenn man einen Namen falsch ausspricht oder betont, dann finde ich das respektlos der Person gegenüber. Auch Orte oder Plätze sind wichtig: Ich kenne bei Gott nicht jeden Ort in Österreich, aber irgendjemand wohnt dort, und wenn ich sein Zuhause falsch ausspreche, ist das meiner Meinung nach nicht in Ordnung.

Wie wichtig ist Ihnen Sprache? Worauf legen Sie Wert?

Bellowitsch: Mir ist neben der korrekten Aussprache besonders die Grammatik wichtig. Ich bekomme alle Zustände, wenn jemand grobe Schnitzer macht. Egal, ob man im Dialekt spricht oder Hochdeutsch, man sollte, vor allem in meinem Beruf, der Grammatik mächtig sein. Und den Genitiv hochleben lassen!