Kristina Sprenger: „Theater ohne Publikum geht gar nicht!“

Erstellt am 02. Juni 2022 | 05:15
Lesezeit: 7 Min
Schauspielerin, Berndorf-Intendantin, Theaterfest-Obfrau und Wahl-Niederösterreicherin Kristina Sprenger über Solidarität, Handwerk, den „Weibsteufel“ und die Voralpen.
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NÖN: Gerade hat Niederösterreichs Theaterfest sein diesjähriges Sommerprogramm vorgestellt. Und nächstes Wochenende startet mit Laxenburg der Premierenreigen. Wird der heuer noch spannender? Wird der heuer endlich wieder entspannter? Und wie aufgeregt sind Sie?
Kristina Sprenger: Es wird endlich wieder entspannter und ein bisschen unbeschwerter. Und es spielen endlich wieder alle (bis auf einen Spielort). Da sind auch die großen Sachen wieder dabei. Wir versuchen, zurück zur Energie und Kraft von 2019 zu kommen. Und man hat auch wieder Lust, im Sommer ins Theater zu gehen. Theater ohne Publikum geht nicht! Und für mich ist es eine große Freude!

19 Festspiele, Sommerspiele, Bühnen und Festivals sind es, die 2022 im Rahmen des Theaterfestes NÖ spielen. Einer (Asparn) spielt nicht mehr, ein paar (Sitzenberg, Kirchstetten oder auch Reichenau) spielen allein, also: ohne Theaterfest. Sind das (zu) viele? Sind das (zu) wenige? Und wozu braucht ein Sommertheater eigentlich einen Verein?
Sprenger: Das Prinzip des Theaterfestes ist ja ein solidarisches, große Spielorte tragen kleine. 20 sind schon sehr gut, 25 halte ich für zu viel, und es macht keinen Sinn, wenn’s 40 sind. Aber es können auch noch welche dazukommen. Ich würde es nicht an einer Zahl festmachen. Es ist genauso wichtig, kleine Nischen zu füllen. Es gibt viele Qualitätskriterien, es gibt auch Absprachen, man muss sich an Regeln halten. Und es ist etwas Beständiges. Nicht umsonst ist der Verein fast 30 Jahre alt.

Seit Herbst 2021 sind Sie als Nachfolgerin von Staatz-Intendant Werner Auer Obfrau dieses Vereins. Was für eine Rolle spielt eine Vereinsobfrau unter Theatermachern?
Sprenger: Für mich ist das ein Akt der Solidarität. Und es ist eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe. Natürlich ist es eine Mehrarbeit, und mir war vorher auch nicht fad. Aber es war der Wunsch von einigen, ich hab’ eine Nacht darüber geschlafen und mich dann entschieden. Ich bin ja auch Teil eines Teams, das war mir auch wichtig. Ob ich das allerdings jetzt zwölf Jahre mache, wie Werner Auer, erscheint mir lange. Wir sind jetzt auf drei Jahre bestellt … Die Obfrau ist im Grunde genommen das Gesicht des Vereins nach außen. Wenn es gesellschaftspolitische Aussagen zu treffen gibt, kann das das Theaterfest machen. Und wenn was schiefgeht, sind wir auch gefordert. Künstlerisch habe ich keinen Einfluss, jeder Spielort ist ja autark. Aber wir haben jetzt nachhaltige Regenponchos gemacht, mit einer Spendenbox für die Ukraine. Und soziale Verantwortung ist mir auch wichtig. Um 70 Euro pro Abend spielt bei uns keiner!

kristina sprenger interview der woche
Der Vorstand: Mit Helmut Kulhanek, Monika Steiner und Christine Bauer leitet Kristina Sprenger seit September 2021 den Verein des Theaterfestes Niederösterreich.
Foto: Andreas Tischler

In NÖs Theaterfest waren (und sind) Sie ja erstmal Intendantin. Seit 2014, und zwar der Festspiele Berndorf. Die gibt’s schon seit 32 Jahren, erst unter Felix Dvorak, dann unter Michael Niavarani. Was haben Sie anders gemacht? Und was haben die Festspiele Berndorf, was andere nicht haben?
Sprenger: Felix Dvorak hat die Festspiele nach Berndorf gebracht, am Anfang mit Volkstheater, am Ende mit Schwänken. Michael Niavarani hat Kabaretttheater gemacht. Ich wollte keinen Schwank, sondern gut geschriebenen und gut gespielten Boulevard. Mein Ansatz war so etwas wie die Kammerspiele in Niederösterreich. Ich hab’ mich breiter aufgestellt, mit bis zu drei Stücken pro Saison.

Gespielt haben Sie in Berndorf bisher „nur“ Komödien, heuer kommt Neil Simons „Ein seltsames Paar“ wieder. Warum gerade das? Warum gerade Komödie? Und warum ist die oft schwieriger zu spielen als „ernstes“ Theater?
Sprenger: Ich hab’ diesen Spielort als Komödienspielort übernommen. Ich bin auch kein Freund bekannter Gesichter, ich will gute Schauspieler und gutes Handwerk. Bei mir ist das Stück ein Star. Ich wollte das Original – und nur mit Alexander Jagsch und Gregor Seberg. Die passen wie hingespuckt, die sind auch privat befreundet. Da weiß ich jetzt schon, dass es lustig wird! Heuer gibt’s ein Haupt- und ein Herbststück, das Hauptstück Boulevard, mit dem Herbststück („Die Tanzstunde“) will ich auch zum Denken anregen … Komödie ist natürlich erbarmungslos, wie Kindertheater. Aber wenn es uns gelingt, Emotionen hervorzubringen, dann haben wir’s richtig gemacht!

Sie sind aber auch ausgebildete Schauspielerin. Und stehen auch heuer wieder auf der Besetzungsliste im Berndorfer Stadttheater. Wen spielen Sie denn? Und wollten Sie immer auch auf der Bühne stehen?
Sprenger: Ich versuche, die Waage zu halten! Es gab den Wunsch von Berndorf, dass ich spiele. Letztes Jahr stand ich mit sieben Männern auf der Bühne – das war ein Glück! Heuer, in „Ein seltsames Paar“, hab’ ich eine relativ kleine Rolle, ich spiele eine der beiden Zwillinge.

Wenn Herr Haneke oder Herr Kušej anrufen würden, würde ich nicht Nein sagen! Kristina Sprenger

Gespielt haben Sie aber auch schon ganz woanders. Vor allem im Fernsehen – von „Kommissar Rex“ über „SOKO Kitzbühel“ bis zur „Wachausaga“, mit Fritz Wepper bis zu Andreas Vitásek. Wollten Sie immer auf den Bildschirm? Oder hat sich das so ergeben? Und wo wollen Sie noch spielen?
Sprenger: Ein Schauspieler will Schauspieler werden! Und es war immer der Wunsch, beides zu tun! Aber Fernsehen und Film kannst du nur lernen, wenn du engagiert bist. Ich bin dem Fernsehen sehr dankbar, nach 13 Jahren „SOKO“ ist das Gesicht natürlich bekannt.
Jetzt hab’ ich die österreichische Innenministerin gespielt und einen „Landkrimi“ – die kommen beide demnächst. Ich hab’ aber auch einen Hildegard-Knef-Abend gemacht, jetzt arbeiten wir zu dritt an den „Liederlichen Ladycops“. Und ich drehe für die „Bergwelten“ von Servus TV … Aber ich hab’ erst einen Kinofilm gedreht, da würde ich gerne Fuß fassen. Wenn Herr Haneke und Herr Kušej anrufen würden, würde ich beiden nicht Nein sagen!“

Und was – oder wen – wollen Sie unbedingt noch spielen?
Sprenger: Es gibt eine Rolle, für die bin ich eigentlich schon zu alt: den „Weibsteufel“, den hätte ich immer gern gespielt. Ich würde auch wahnsinnig gern die Beatrice in „Viel Lärm um nichts“ spielen, da würd’ ich gut hinpassen. Eine Psychopathin würde mich auch reizen, das wäre eine große Herausforderung. Was ich unbedingt machen will, ist Regie. Ich glaube, dass ich das gut kann, ich bring’ mich jetzt schon sehr ein …

Sie sind gebürtige Innsbruckerin und waren 2019 sogar „Tirolerin des Jahres“. Dabei leben Sie schon seit Jahren mit Ihrer Familie in Niederösterreich, in Sooß. Fehlen Ihnen da nicht die Berge?
Sprenger: Wir sind seit Herbst 2013 in Sooß, das war noch vor Berndorf, und es war fast ein schicksalhafter Wink, dass die Intendanz frei wurde. Wir fühlen uns hier sehr wohl, meine Schwiegereltern leben in Baden, und ich bin froh, dass mich Niederösterreich so herzlich aufgenommen hat und ich auch was zurückgeben kann. Durch die ORF-NÖ-Reihe „Aufgespürt“ kenn’ ich mich auch erstaunlich gut aus. Und ich seh’ ja auf die Ausläufer der Voralpen, ich hab’s nicht ganz flach – da würd’ ich mich verloren fühlen!

Ihre Tochter wird heuer zwölf. Spielt sie auch schon?
Sprenger: Sie hat auf jeden Fall die Begabung der Bühnenpräsenz! Aber sie will, seit sie sieben ist, Journalistin werden und davor Jus studieren …

Was wünschen Sie sich, für sich? Für Berndorf? Fürs Theaterfest?
Sprenger: Fürs Theaterfest, dass uns das Publikum die Tür einrennt! Für Berndorf, dass wir eine tolle Auslastung und eine tolle Stimmung haben. Und für mich, wenn es so weiterginge, wie es jetzt ist. Dann bin ich schon zufrieden!