Leopold Kogler: „Kunst braucht eine Botschaft“

Erstellt am 25. Mai 2022 | 05:03
Lesezeit: 6 Min
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Genau an Leopold Koglers 70. Geburtstag, am 22. Mai, wurde in der Landesgalerie in Krems eine Ausstellung mit Werken von 50 Künstlerinnen und Künstlern eröffnet. Kogler selbst ist mit vier Werken vertreten.
Foto: Führer
Leopold Kogler, Künstler, Pädagoge und NÖN-Kulturexperte, feierte am 22. Mai seinen 70. Geburtstag. Ein Gespräch über sein Schaffen, aktuelle Projekte und das Kulturland Niederösterreich.
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NÖN: Herr Kogler, Sie sind seit 45 Jahren als Künstler tätig. Wie würden Sie Ihre Schwerpunkte definieren und gibt es ein Thema, das Sie besonders beschäftigt?
Leopold Kogler: Ich habe bei Oswald Oberhuber studiert. Dessen Credo war die permanente Veränderung. Das heißt, nicht immer dasselbe zu malen, sondern das, was sozusagen „gerade brennt“. Ich habe daher immer neue Themen gesucht. Zum Beispiel den Menschen, die Landschaft oder mich mit Abstraktion und Figuration auseinandergesetzt. Ich habe immer die Herausforderung gesucht, was Neues zu entdecken.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit?
Kogler: Da gibt es zwei Blöcke. Einerseits der Horizont. Andererseits das Thema „Die verwundete Natur“. Der Horizont interessiert mich, weil er die Schnittstelle zwischen Himmel und Erde ist. Man weiß – auch in der Bilderwelt – nicht, wo genau diese angesiedelt ist. Während ich mich mit dem Horizont beschäftigt habe, ist bei mir dann auch das Interesse an der Natur wieder zurückgekommen. Ich bin ja auf einem Bauernhof aufgewachsen, aber mit 20 Jahren zog es mich in die Stadt. Da hab’ ich mich mit anderen künstlerischen Themen beschäftigt. Seit zehn Jahren geht es aber zurück zur Natur, sehr intensiv seit drei, vier Jahren. Zusätzlich gibt es auch immer wieder Themen, die plötzlich aufpoppen.

Wie bearbeiten Sie die angesprochene „verwundete Natur“ und wie stellen Sie sie dar?
Kogler: Zum Beispiel durch Manipulation. Ich manipuliere etwa sehr stark die Blätter. Das weiß und erkennt der Betrachter aber zumeist nicht. Diese subtilen Eingriffe sind ein Kernelement der Serie.

Wo sind in nächster Zeit Ihre Bilder bei Ausstellungen zu sehen?
Kogler: Im Barockschloss Mistelbach gibt es eine Einzelausstellung, im Sommer folgt dann eine im Schloss Parz in Oberösterreich. In der Stadtgalerie Waidhofen/Ybbs steht im Juli eine Ausstellung auf dem Programm. Für jede Ausstellung wurde ein eigenes Konzept entwickelt.

Was macht für Sie Kunst aus?
Kogler: Es geht etwa bei der bildenden Kunst nicht nur darum, schöne Bilder zu machen. Kunst braucht auch eine Botschaft. Das ist aus meiner Sicht ganz zentral.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Niederösterreich das kunstoffenste Bundesland ist.

Wie sieht eigentlich Ihr Arbeitsprozess aus?
Kogler: Es gibt intensive Werkphasen, da arbeite ich sechs, sieben Stunden am Tag. Dann aber wieder Strecken, da schaue ich mir etwas an, experimentiere, sortiere, bereite auf. Ich habe mir immer vorgenommen, eine bestimmte Zeit in der Woche für die künstlerische Tätigkeit aufzuheben. Wenn man nur arbeitet, wenn einen die Muse küsst, dann funktioniert es nicht. Man muss auch dranbleiben. Es ist kein Hobby, sondern Arbeit.

Neben Ihrem Kulturschaffen leiten Sie das Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst in St. Pölten. Welche Projekte stehen hier derzeit auf dem Programm?
Kogler: Mit dem Dokumentationszentrum kuratieren wir im Jahr sieben bis acht Ausstellungen. Da gibt es am 1. Juni mit der Attersee-Ausstellung mit 96 Bildern einen absoluten Höhepunkt. Das wird eine große Herausforderung. Christian Ludwig Attersee ist einer der bedeutendsten Künstler in Niederösterreich. Er wurde vor zwei Jahren 80 Jahre alt. Die Ausstellung ist eine Würdigung durch das Land Niederösterreich.

2003 gründeten Sie auch die Malakademie, aus der sich mittlerweile die Kreativakademie entwickelte. Diese umfasst nun nicht nur Malerei, sondern zum Beispiel auch Schauspiel, Schreiben, Schmieden oder Filmen. Was war die Grundidee?
Kogler: Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche, die sich mit Kunst in einer der vielen Formen beschäftigen, die Möglichkeit haben, sich über den Unterricht hinaus mit dem Thema zu beschäftigen. Und das unter der Anleitung von Künstlern und Künstlerinnen. Das war die Intention. Dass dann auch noch sehr gute Künstler und Künstlerinnen rausgekommen sind, ist natürlich eine sehr schöne Sache.

Wie sehen Sie die Situation der Kultur in Niederösterreich?
Kogler: Niederösterreich ist kulturell sehr gut aufgestellt. Man misst der Kultur von politischer Seite einen hohen Stellenwert zu, das spürt man. Eine der wichtigsten Bezugspersonen dafür, die man vielleicht nicht so wahrgenommen hat, war Liese Prokop. Als zuständige Landesrätin hat sie in den 90er-Jahren das Kunstgeschehen in allen vier Vierteln ausgebaut. Sie hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Künstler, gab Unterstützung und legte dadurch ein Fundament. So entwickelte sich Niederösterreich zu einem besonderen Kunst- und Kulturland. Erwin Pröll hat das noch verstärkt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Niederösterreich das kunstoffenste Bundesland ist. Dieser Weg wird auch von Johanna Mikl-Leitner fortgesetzt.

Was sind die kulturellen Highlights im Land?
Kogler: Einzigartig ist sicher der Theatersommer mit weit über 20 Standorten, die allesamt ein hohes Niveau bieten. Auch die Landesgalerie und die Kunsthalle in Krems, das Karikaturmuseum und für die Musik der Standort Grafenegg sind für mich herausragend. Ebenso wie zum Beispiel auch das Festspielhaus St. Pölten.

Und wie ist die Lage der Kultur auf Gemeindeebene?
Kogler: Da hängt natürlich sehr viel von den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen ab. Hier im Mostviertel sind diese sehr aufgeschlossen. Es gibt in vielen Gemeinden immer wieder spannende Projekte. Die Initiativen müssen aber immer von Einzelpersonen ausgehen. Man kann nichts wo reinstopfen, wenn die Leute nicht dafür sind.

Natürlich hat sich die Pandemie auch massiv auf das Kulturgeschehen ausgewirkt. Ist aus Ihrer Sicht das Interesse bereits wieder so hoch wie vor Coronazeiten?
Kogler: Auf der einen Seite gibt es Veranstaltungen, die sind so voll wie nie zuvor. Aber dann auch wieder welche, wo das Publikum sehr zurückhaltend ist. Ich habe den Eindruck, dass etwas mehr selektiert wird. Die Massenveranstaltungen gehen aber bereits wieder so wie vorher. Da merkt man keine Unterschiede mehr.

Immer mehr Menschen kämpfen derzeit auch mit den Teuerungen. Befürchten Sie, dass sich dies auch auf die Kultur-Nachfrage auswirkt?
Kogler: Ich vermute, dass sich einkommensschwächere Menschen genauer überlegen, was sie sich ansehen wollen. Jene mit hohem Gehalt können sich noch mehr leisten. Was ich aber sehr stark merke, ist, dass ein Riss durch die Gesellschaft läuft. Viele Menschen sind sehr kritisch geworden, die Bereitschaft zur Aggression scheint mir größer denn je. Der Kompromiss ist viel schwerer zu erzielen als noch vor der Pandemie. Ich habe schon den Eindruck, dass das eine Folge von Corona ist.

Und wie blicken Sie persönlich in die Zukunft?
Kogler: Ich bin glücklich, wenn ich arbeiten darf. Das Glück, zu arbeiten, das hat man als Künstler. Es ist auch schön, wenn man gesund ist. Das wird einem besonders bewusst, wenn man älter wird. Und es ist auch schön, nicht alles machen zu müssen, was einem verordnet wird. Das, was ich mache, das mache ich mit Leidenschaft und Herzblut!