Franz Klammer: „Olympia-Gold war wegweisend für mein Leben“

Anlässlich des Films über ihn traf Lisa Wurzinger die Kärntner Skilegende Franz Klammer zum Interview. Seine legendäre Goldmedaille von Olympia in Innsbruck hängt in der Landesausstellung in St. Pölten.

Aktualisiert am 29. Oktober 2021 | 12:03
_21M2236
Franz Klammer
Foto: NÖN/Marschik

NÖN: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie einen Film über sich selber produzieren durften?

Franz Klammer: Wui, wie das genau angefangen hat, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Der Betreiber dieser Idee war Christian Kresse von der Kärnten Werbung. Er hat gesagt, dass wir unbedingt einen Film machen müssen. Dazu braucht man aber auch einmal ein Drehbuch oder einen Produzenten, der den Film macht. Mit Jakob Pochlatko haben wir einen Produzenten gefunden, der sofort von der Idee überzeugt war und das Drehbuch haben wir dann auch schön langsam gefunden. Eine wichtige Rolle spielte natürlich auch die Finanzierung, weshalb wir mit dem Red Bull Media House, ORF, Kärnten Werbung und Tirol Werbung gesprochen haben – alle haben mitgemacht und mitfinanziert, weshalb wir dann dieses Projekt auch erfolgreich umsetzen konnten.

Ich habe gehört, dass es nicht das erste Drehbuch war, welches dann produziert wurde?

Ja das ist richtig. Ich war anfangs nicht begeistert, dass nur eine chronologische Geschichte von jung bis alt geplant wurde. Viel besser gefiel mir dann die Idee, ein bestimmtes Ereignis bzw. eben eine ganz bestimmte Woche meines Lebens zu erzählen. Somit ist es dann die Olympiawoche 1976 in Innsbruck geworden.

„Ich habe 1975 alle Rennen gewonnen und 1976 bis auf einen Sturz ebenfalls. Dann kommt man in die Heimat zu den Olympischen Spielen und hat ein klares Ziel vor Augen.“

Würden Sie sagen, dass der Film den Höhepunkt Ihrer Karriere darstellt?

Naja, es war damals das wichtigste Rennen für mich. Ich habe 1975 alle Rennen gewonnen und 1976 bis auf einen Sturz ebenfalls. Dann kommt man in die Heimat zu den Olympischen Spielen und hat ein klares Ziel vor Augen: Olympiasieger in Innsbruck zu werden. Ich war zu dem Zeitpunkt der beste Abfahrer der Welt und wollte nun unbedingt auch die Olympia-Goldmedaille holen. Wenn ich das nicht geschafft hätte, wäre ich schon sehr enttäuscht gewesen. Abgesehen von der Außenwelt, habe ich mir den meisten Druck selbst gemacht.

Hätte ein zweiter Platz damals ihr Leben verändert?

Wir würden heute nicht reden und es gäbe vermutlich keinen Film. So gesehen war das sehr wegweisend für mein Leben. Ich werde oft gefragt, wann ich denn den Olympiasieg realisiert habe. Ich habe das natürlich unmittelbar danach realisiert und war stolz, dass ich mein großes Ziel auch wirklich erreicht habe. Was ich aber nicht realisiert habe, waren die Spätfolgen des Siegs oder was alles dabei in den Jahren danach noch passiert ist. Dass jetzt, 45 Jahre später, die Goldmedaille immer noch so glänzt, das hab‘ ich mir nicht vorstellen können.

Wissen Sie, wo sich die Goldmedaille aktuell befindet?

Ah, da bin ich jetzt zu schnell gefragt worden. Keine Ahnung.

Da hat Niederösterreich aktuell das Glück. Die Medaille hängt in St. Pölten in der Sonderausstellung „I wer‘ narrisch! Das Jahrhundert des Sports“.

Ah, ich hätte gedacht, dort wäre mein Abfahrtsanzug. Dann ist der wohl wo anders. Jetzt weiß ich wenigstens wo sie ist. Aber ist ja nicht so wichtig, ich weiß eh, dass ich sie gewonnen habe.

„Die Skiszenen sind wirklich super gemacht. Sogar einen Sprung hat mein Double Daron Rahlves so hingebracht wie ich, also mit den Ski in der Luft.“

Würden Sie sagen, dass der Film der Geschichte von damals sehr nahekommt? Ist es so dargestellt worden, wie es für Sie damals war?

Ich glaube es trifft es sehr gut. Wie auch der Name schon sagt: „chasing the line“. Ich habe in der ganzen Woche auf der Piste und auch neben der Piste die Linie gesucht. Mit den ganzen Ups and Downs und so weiter. Es war die ganze Woche lang ein Roller Coaster und das spiegelt der Film, glaube ich, sehr gut wieder.

Waren Sie mit der Auswahl von Julian Waldner als Hauptdarsteller einverstanden?

Er wurde mir als Franz Klammer vorgestellt und ich war sofort angetan. Er hat sich sehr akribisch in die Rolle reingekniet und hat das sehr gut umgesetzt. Fast so gut wie ich damals.

Beim Filmen der Szenen beim Skifahren wurde ein Double eingesetzt. Wie lang hat es gedauert, dass die Bewegungen wie bei Ihnen ausgesehen haben?

Daron Rahlves, Weltmeister und Kitzbühel Sieger, war das Double. Die Skiszenen sind wirklich super gemacht. Sogar einen Sprung hat er so hingebracht wie ich, also mit den Ski in der Luft. Wir haben telefoniert und er hat zu mir gesagt: „Die Schwierigkeit war der Klammer Style! Da muss man immer so rudern!“ Tja, das kann halt nicht ein jeder (lacht).

Haben Sie und Julian Waldner noch weitere Gemeinsamkeiten, außer dass Sie beide waschechte Kärntner sind?

Wir lernen uns gerade kennen und haben uns natürlich schon ausgetauscht. Ich finde, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind. Deshalb werden wir demnächst auch einmal gemeinsam Skifahren gehen.

Waren Sie bei den Dreharbeiten vor Ort?

Am Patscherkofel war ich leider nicht dabei, da mein Knie verletzt war und ich nicht Schifahren konnte. Aber ich war zweimal am Set. Am ersten Tag bei den Szenen von meinem Elternhaus, was sehr schön war und mich an die alten Zeiten erinnern ließ. Alle Kulissen wurden wie damals aufgebaut. Und in der Stadthalle in Wien, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben bei der Startnummernverlosung dabei war. Bei uns hat das immer der Trainer übernommen. Ich habe ja nicht einmal gewusst, wie so ein Raum ausschaut oder wie das funktioniert. Also hab‘ ich wieder was gelernt.

Wurden Sie beim Schnitt auch noch einmal dazu geholt oder haben Sie das den Profis überlassen?

Nein. Die haben sehr gute Arbeit geleistet. Die Skiszenen sind spektakulär anzuschauen und generell bin ich sehr zufrieden. Gratulation an das professionelle Team rund um Andreas und Elisabeth Schmied.