Das war das Jahr 2020 in Niederösterreich. Diese Ereignisse bewegten die Menschen in Niederösterreich im Jahr 2020:

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:15)
Brücke der Umfahrung Wieselburg stürzt ein. Signifikante Berechnungsfehler bei der Planung führen am 7. Juni zum Einsturz einer 25 Meter langen Wirtschaftswegbrücke für die Umfahrung Wieselburg. Die Brücke war noch nicht für den Verkehr freigegeben. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Für genaue Ermittlungen wird eine unabhängige Untersuchungskommission unter der Führung der TU Wien eingesetzt. Der Bericht steht noch aus. Die Freigabe für die Umfahrung Wieselburg verzögert sich durch den Vorfall bis zum Frühjahr 2021.
einsatzdoku.at

Tanner wird Ministerin. Am 7. Jänner wird die neue türkis-grüne Bundesregierung angelobt. Sechs der 17 Minister-Posten werden mit Niederösterreichern besetzt. Zur großen Überraschchung vieler übernimmt die ehemalige Bauernbund-NÖ-Direktorin Klaudia Tanner das Verteidigungsministerium.

Danninger folgt Bohuslav. Die Sport-, Tourismus- und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) wird im Herbst neue Geschäftsführerin der Wiener Staatsoper. Bereits Ende Februar wird Jochen Danninger, vormals Ecoplus-Geschäftsführer, als Nachfolger angelobt.

Krenn und Kogler bestellt. Konrad Kogler und Helmut Krenn werden als Vorstände der neuen NÖ Landesgesundheitsagentur bestellt. In der Landesgesundheitsagentur sind seit heuer 27 Kliniken sowie 48 Pflege- und Betreuungsheime mit insgesamt 27.000 Mitarbeitern unter einem Dach vereint.

ÖVP stellt 449 Bürgermeister: In 567 Kommunen werden im Jänner neue Gemeinderäte gewählt. Und sie werden zum Siegeslauf der ÖVP. Die Volkspartei gewinnt 60 Prozent aller Mandate . SPÖ und FPÖ verzeichnen Verluste. Die Zahl der ÖVP-Ortschefs erreicht mit 449 einen neuen Höchststand. Einer davon ist Christian Haberhauer, der in Amstetten die ehemals rote Hochburg erobert. Dazu gratuliert auch Niederösterreichs ÖVP-Chefin und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner herzlich.
Heribert Hudler

Ein Vogel bremst die S 8 aus. So bald wird keine Schnellstraße das Marchfeld vom Verkehr entlasten. Das neueste Gutachten ist wieder negativ. Grund ist der geschützte Triel, der Vogel brütet, wo die Trasse verlaufen soll. Bereits seit 2011 wird die Umweltverträglichkeit der 14,2 Kilometer langen Strecke geprüft. Der Baubeginn war ursprünglich für 2014 angesetzt, jetzt rechnet man mit 2021.

Bundesheer investiert in NÖ. Das Heer bekommt mehr Geld, auch in NÖ: 37 Millionen Euro fließen in 60 Projekte. Langenlebarn (Bezirk Tulln) bekommt neue Hubschrauber.

Beethoven: Frühling im Netz. Am 17. Dezember vor 250 Jahren wird Ludwig van Beethoven getauft (vermutlich einen Tag früher geboren). Im Jubiläumsjahr wollte Pianistin Dorothy Khadem-Missagh aus Baden am 3. April ihren Beethoven Frühling aus der Taufe heben – mit acht Konzerten an sechs Orten in Wien und NÖ. Konzertiert wird stattdessen im Netz.

Zwazl geht nach 20 Jahren. Die ÖVP jubelt nach Landwirtschaftskammer- und Wirtschaftskammerwahl doppelt: Der Bauernbund mit Spitzenkandidat Johannes Schmuckenschlager erreicht mit 85 Prozent historische Stärke. Der Wirtschaftsbund sichert sich 71,5 Prozent der Stimmen. Wolfgang Ecker löst im Mai Sonja Zwazl nach 20 Jahren an der Spitze der Wirtschaftskammer NÖ als neuer Präsident ab. Nina Stift und Thomas Salzer werden neu ins WKNÖ-Präsidium gewählt.

NÖ holt 11 Milliarden aus EU. Der EU-Beitritt Österreichs jährt sich zum 25. Mal. Im Jubiläumsjahr sind es bereits über 11 Milliarden Euro an Fördergeldern, die nach NÖ geflossen sind.

Bühnengeburtstage: 30 & 200. Am 1. April hätte NÖs erste Kleinkunstbühne ihren 30er gefeiert. Stattdessen muss die St.Pöltner Bühne im Hofschon im März zumachen. Und am 26. Dezember vor 200 Jahren wurde in NÖs ältestem (Stadt-)Theater, dem heutige Landestheater in St. Pölten, zum ersten Mal gespielt. Gefeiert wird später.

Ergebnis ohne Wahl. Eine außergewöhnliche Situation gibt es im April bei der Landarbeiterkammer: Die Wahl fällt aus. Die Fraktionen einigen sich auf eine Liste. Andreas Freistetter wird im Herbst für weitere sechs Jahre als LAK-Präsident angelobt.

Tragödie in Kinderwunschklinik. Nach einer Eizellen-Entnahme in Baden stirbt eine Frau am 5. Juni, zwei Frauen überleben ähnliche Eingriffe. Der Prozess gegen den behandelnden Arzt läuft.
Thomas Lenger

85 neue Justizstellen in NÖ. Justizministerin Alma Zadić kündigt im NÖN-Interview 85 neue Stellen im Exekutivdienst und in Verwaltung für NÖ an.

1,3 Milliarden für Gesundheit. Die Landesregierung verkündet, in den Gesundheits- und Pflegebereich in den nächsten zehn Jahren 1,3 Milliarden zu investieren. Größtes Projekt ist das Klinikum Wiener Neustadt.

Reformprozess der Diözese St. Pölten. Im Juni startet ein Reformprozess in der Diözese St.Pölten. Die Pfarrstruktur bleibt aber unangetastet. Neu besetzt wird indes die Position des Generalvikars, wie im Oktober bekannt wird. Der 36-jährige Christoph Weiss folgt per 1. Jänner 2021 Eduard Gruber nach und wird somit der jüngste Generalvikar in Österreich.

Renaissance der Autokinos. Nach dem ersten Lockdown feiern Autokinos in NÖ – das älteste in Groß-Enzersdorf, aber auch das Auto-Kunst-Kino im VAZ St.Pölten – eine Renaissance.

Sommerspiele experimentieren. 60 Jahre alt wären NÖs traditionsreichste Sommerspiele in Melk heuer geworden. Statt Jubiläumspremieren gibt es ein ambitioniertes Alternativprogramm, das Intendant Alexander Hauer „Xperiment – Pandemic Edition“ getauft hat und das ab 10. Juli an zwölf Abenden sechs Stücke von sechs Regisseurinnen und Regisseuren in die Wachauarena bringt. Die Auslastung liegt bei knapp 80 Prozent.

Schwere Unwetter im Sommer: Rekordregenmengen von bis zu 190 Litern pro Quadratmeter sorgen von 21. auf 22. August in Niederösterreich für zahlreiche Überschwemmungen und Feuerwehreinsätze. Am stärksten betroffen sind die Bezirke Melk, Krems und St. Pölten. Von etwa 700 Einsätzen entfallen allein 500 auf die Bezirke Melk und St. Pölten. 1.000 freiwillige Helfer sind im Einsatz, sieben Katastrophenhilfszüge rücken aus.
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Agrana-Zuckerfabrik bedroht. Der Agrana-Aufsichtsrat beschließt im August, die Zuckerfabrik Leopoldsdorf stillzulegen. Agrarministerin Köstinger verhandelt mit den betroffenen Ländern, Agrarvertretern und Rübenbauern am „Rübengipfel“ einen Branchenpakt über 38.000 Hektar garantierte Rübenanbaufläche, was auch gelingt. Der Agrana-Aufsichtsrat gibt im Dezember grünes Licht für den Fortbestand. 150 Arbeitsplätze und der Standort sind bis 2021 vorerst gesichert.

Almen werden gestürmt. Im Corona-Jahr zieht es viele in die Natur. Auf Almen führen acht Mal so viele Wanderer wie vor 40 Jahren zu Problemen.

NÖ führt „Meister“ ein. So viele Titel und Amtsbezeichnungen wie in keinem anderen Land gibt es in NÖ. Im August reiht sich ein weiterer dazu: Der Meister darf als „Mst.“ nun offiziell in Dokumenten geführt werden.

Die Caritas hilft seit 100 Jahren. „Wenn wir Not sehen, dann handeln wir“: Dieses Prinzip steht bereits am Beginn der Caritas St. Pölten, die am 14. Februar 1920 gegründet wird. Der damalige Dompfarrer und spätere Diözesanbischof Michael Memelauer legt den Grundstein für eine Organisation, die heute aus der Gesellschaft nicht wegzudenken ist und 2020 ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Erste Aufgabe des Vereins ist es, die Not nach dem Krieg zu lindern. Heute reicht das Angebot von Sozial- und Wohnungssicherungsberatung über Lerncafés und Familienhilfe bis hin zu Psychotherapie, mobiler Pflege und einem Hospizdienst. Mehr als 2.400 Mitarbeiter, 800 Freiwillige und 4.000 Haussammler engagieren sich für die Caritas der Diözese St. Pölten. Am Ende des Jubiläumsjahres stellt sich die Organisation neu auf: Ein neues Statut und zwei Generalsekretäre sollen sie fit für die Zukunft machen.

NÖ schützt das Grünland. Im Landtag wird eine Raumordnungsnovelle beschlossen. Ziel ist es, die Bodenversiegelung zu reduzieren, landwirtschaftliche Flächen zu schützen und das Verkehrsaufkommen zu verringern: durch neue Widmungskategorien, einen Bauzwang nach sieben Jahren und Photovoltaik-Anlagen vorwiegend auf Dächern.

Die NÖN ist 55 Jahre alt. 2020 feiert die NÖN ihr 55-jähriges Bestehen. Aktuell werden die 28 Print-Lokalausgaben laut Medienanalyse wöchentlich von 470.000 Lesern konsumiert.

Flughafen mit massivem Verlust. Einen Rückgang von 71,2 Prozent auf 8,7 Millionen Fluggästen meldet der Flughafen Wien für Jänner bis September. Das Unternehmen verzeichnet ein Nettoergebnis von minus 41,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einem noch größeren Verlust.

1,5 Milliarden gegen die Krise. Im Herbst beschließt der Landtag das (Nachtrags-) Budget für 2020 und 2021 – mit einem riesigen Minus: Covid kostet das Land 1,5 Milliarden. Das geplante Nulldefizit 2021 rückt damit in weite Ferne.

Niederösterreicher bei Papst. Im September führt Landeshauptfrau Mikl-Leitner gemeinsam mit Bischof Schwarz eine NÖ-Delegation zu Papst Franziskus nach Rom an. Mit dabei sind autistische Kinder vom Ambulatorium Sonnenschein in St. Pölten. Für viele Teilnehmer geht ein Traum in Erfüllung.

Wechsel im NÖAAB. Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister löst Wolfgang Sobotka an der Spitze des NÖ-Arbeitnehmerbundes ab. Sobotka gibt sein letztes Amt in der Landespolitik auf.

Ski-Opening im Oktober: Das Wetter spielt verrückt. Während 2019 besonders spät, noch im Mai, Skifahrer über die Pisten am Hochkar sausen, startet die Saison 2020 besonders früh, schon Anfang Oktober. Die Tickets für den Gratis-Skitag sind innerhalb einer Stunde vergeben. Die zahlreichen Gäste testen schon im Herbst die Regeln, die auch nach Weihnachten eine Corona-sichere Skisaison ermöglichen sollen.
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60 Jahre Wasserrettung. Aus dem Bundesheer wurde im Jahr 1960 der niederösterreichische Landesverband der Wasserrettung gegründet. 1.350 Wasserretter gibt es mittlerweile in Niederösterreich.

NÖ wird 100 Jahre alt. Das Land hat Geburtstag: 1920 wurde die Trennung NÖs von Wien eingeleitet. Das Land erhielt seine erste Verfassung.

Pflegeskandal. Vier Mitarbeiter des Pflegeheims Clementinum in Kirchstetten stehen seit September vor Gericht. Sie sollen Heimbewohner gequält und vernachlässigt haben. Der Prozess geht im Jänner 2021 in die letzte Runde.

Terror: Spur führt nach St. Pölten. Am Montag, 2. November, erschüttert ein Terrorakt Wien. Den letzten Abend vor dem Lockdown nutzt ein 20-JährigerWiener mit nordmazedonischen Wurzeln, um bewaffnet zum Wiener Schwedenplatz zu ziehen. Dort tötet er vier Menschen, verletzt 22 weitere und wird dann von der Polizei erschossen. Am Dienstagmorgen stürmen Polizeikräfte Wohnungen in St. Pölten, eine in der Fuhrmannsgasse und zwei in der Propst-Führer-Straße, die Spezialkräfte nehmen insgesamt zwei Personen fest. Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums, der in Kaumberg im Bezirk Lilienfeld lebt, informiert die Bevölkerung in dieser Nacht über die Einsätze.

Spektakulärer Coup: Bankenschließfächer geleert. In Klosterneuburg werden in einer Bank Ende November 29 Schließfächer geknackt, in Mödling weitere 31, dazu kommen acht Schließfächer in einer Bank in Wien. Die Täter sollen vor ihrem Coup das Lesegerät für die Zugangskarten manipuliert haben.  Sie erbeuten Juwelen, Gold, Uhren und Bargeld. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro. Eine Sammelklage wird vorbereitet. Die Polizei sucht nach wie vor nach den Verdächtigen. 
APA

St. Pöltnerin ist Ibiza-Richterin. Ein U-Ausschuss soll die Ibiza-Affäre aufklären. Darüber, dass der Ablauf reibungslos erfolgt, wacht die St. Pöltner Juristin Ilse Huber. Allerdings nicht lange: Nach sechs Sitzungen und einer abfälligen Bemerkung gegen ihre Person wirft siedas Handtuch.

NÖ kämpft für mehr Landärzte. Kassenärzte fehlen, eine Pensionierungswelle spitzt die Situation weiter zu: Die Landeshauptfrau schätzt die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum prekär ein. Johanna Mikl-Leitner fordert daher eine Aufstockung der Medizin-Studienplätze oder ein Landarzt-Stipendium.

Franz Popp neuer Chef der Polizei. Franz Popp, Jahrgang 1963, beginnt nach der Matura die Ausbildung bei der Gendarmerie, seit 2012 ist er erst unter Franz Prucher und nach dessen Abgang 2017 unter Konrad Kogler stellvertretender Landespolizeidirektor. Als Kogler 2019 an die Spitze der neu gegründeten Landesgesundheitsagentur wechselt, bewirbt sich Popp um die Nachfolge. Die Bestellung verzögert sich lange, nicht zuletzt durch die von der Ibiza-Affäre ausgelösten Neuwahlen im Oktober 2019. Am 1. Juli 2020 ist es dann endlich so weit: Aus den Händen von Innenminister Karl Nehammer erhält Popp seine Ernennungsurkunde.

Franz Popp, lange Jahre Stellvertreter in dieser Funktion, ist seit 1. Juli Landespolizeidirektor.
Marschik

NÖN.at-Jahresrückblick: Hier lest ihr, was die NÖ Regionen 2020 bewegte: