„Katastrophen-Zustand in der mobilen Pflege“

Pflegende Angehörige aus Niederösterreich kritisiert den Druck, unter dem Arbeitskräfte stehen. Die Caritas kann Anfragen nicht mehr abdecken.

Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:52
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Doris Broglio pflegt ihren Sohn Kevin rund um die Uhr mit Unterstützung von Mitarbeitern mobiler Pflegeorganisationen.
Foto: privat

Wunden versorgen, umbetten, Essen vorbereiten: Das alles zählt zum Alltag von Doris Broglio. Die 55-Jährige pflegt ihren erwachsenen Sohn, der seit einem schweren Unfall von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt ist. Hilfe bekommt sie dazu von mobilen Pflegeorganisationen. „Mir fällt aber auf, dass die Lage dort immer prekärer wird“, erzählt die Lichtenwörtherin. Die Mitarbeiter müssten unter immer größerem Zeitdruck arbeiten. „Es fehlen Qualität und Menschlichkeit. Es ist ein Katastrophen-Zustand“, sagt sie, betont jedoch, dass ihre Kritik nicht den Pflegern gelte, sondern der Politik, die es verabsäumt habe, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Angekündigt wurde genau das mit der Pflegereform, die, wie es beim Sommerministerrat hieß, im Herbst einen Schwerpunkt der Regierungsarbeit bilden soll. Großes Ziel ist es dabei, mehr Pflegekräfte zu gewinnen.

Personal-Offensive gefordert

Dass ihnen die Fachkräfte an allen Ecken und Enden fehlen, bestätigen auch Anbieter mobiler Pflege in NÖ, als die NÖN sie mit der Kritik der pflegenden Angehörigen konfrontierte. Die Caritas bräuchte alleine hierzulande 100 zusätzliche Kräfte. Es werde für jeden Kunden ein individueller Pflegeplan mit Zeitangaben für die jeweiligen Tätigkeiten erstellt.

„Allerdings befinden wir uns aufgrund des eklatanten Personalmangels in der prekären Situation, dass neue Anfragen für Pflege und Betreuung nicht immer abgedeckt werden können“, sagt Caritas-Pflegedienstleiterin Andrea Harm. Es gebe bereits Wartelisten. „Kurzfristige Ausfälle wie Krankenstände und Quarantäne wirken sich zusätzlich auch auf die aktuelle Situation aus.“

Von der Volkshilfe heißt es, dass der Pflegebedarf einzelner Personen regelmäßig überprüft und angepasst werde. Abgelehnt werden müssen zu pflegende Personen dort – bis auf wenige Ausnahmen von sehr pflegeintensiven Personen – noch nicht.

In ihren Forderungen an die Politik in Richtung Pflegereform decken sich die Organisationen: Personal-Offensive, Ausbildung neu aufstellen oder Anerkennung von mehr Kompetenzen.