Rot Kreuz-Pilotprojekt: Pflege betrifft jedes Alter. Ein Pilotprojekt des Roten Kreuzes in Krems will pflegende Kinder und Jugend- liche im Alltag unterstützen.

Von NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 19. Oktober 2019 (04:34)
Martin Kalchhauser
Christopher Ptacek, Gudrun Kalchhauser, Monika Sommerer und Andrea Richter stehen für Fragen zu Young Carers bereit.

Nicht nur erwachsene Menschen müssen Angehörige pflegen. „Auch Kleine machen große Pflege“, betont Gudrun Kalchhauser vom Projekt Young Carers des Roten Kreuzes Krems. Einer Studie des Sozialministeriums zufolge sind es rund 42.700 in Österreich.

Jeder 22. Schüler ist also betroffen, ein Schüler pro Klasse, so Kalchhauser. Daher gehen die Ehrenamtlichen des Pilotprojektes in Kremser Schulen, sprechen dort über pflegende Kinder und Jugendliche und was die Pflege für sie bedeutet. Viele leiden unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen, kommen oft zu spät in die Schule, bekommen immer schlechtere Noten.

Vielen wird die Last auf ihren Schultern zu schwer. Weil sie die Pflege nicht aufgeben können, geben sie die Schule auf. Und damit verschlechtern sich die Berufschancen enorm. Dazu kommt, dass betroffene Kinder sich häufig isolieren. „Pflege ist nach wie vor mit Scham behaftet.“ Man will nicht darüber reden. Und oft bringt eine Pflegesituation darüberhinaus auch Armut mit sich.

Oft werden Kinder zu pflegenden Angehörigen, weil ihr alleinerziehendes Elternteil krank wird. Sonst scheint niemand da zu sein, der helfen könnte.

Mobile Dienste können helfen

Doch: Es gibt mobile Dienste, die helfen können. „Wir haben ein gutes Netzwerk.“ Betroffene Kinder, deren Noten schlechter werden, können unterstützt werden, indem sie zum Beispiel Mathematik-Nachhilfe bekommen. Jede Situation ist anders. Jedes Kind braucht eine andere Art von Unterstützung. Auch können Nachbarn, Freunde und Bekannte die Kinder entlasten.

Zum Beispiel, indem sie ein paar Stunden auf den zu Pflegenden aufpassen. Die Ehrenamtlichen des Projektes wollen Anlaufstelle sein für Betroffene und Ansprechpartner für Eltern sein. Sie gehen in Schulen und berichten über pflegende Kinder und Jugendliche, erzählen, was die Pflege für sie bedeutet.

Die Ehrenamtlichen wollen Mut machen, dass betroffene Kinder sich als pflegende Angehörige akzeptieren und Hilfe von außen zulassen. Viele würden sich bei Angeboten wie Young Carers vom Roten Kreuz oder Superhands von den Johannitern auch deshalb nicht melden, weil sie Angst haben, dass die Familie getrennt werden könnte. Aber dazu beruhigt Kalchhauser: „Wir versuchen, das zu verhindern. Wichtiges Ziel ist es, dass die Familie zusammenhält.“