Erstellt am 29. September 2017, 10:48

von Wolfgang Zarl

Denkmal für Kleinkindpädagogik-Pionierin enthüllt. St. Pölten steht im Zeichen der großen Pionierin der Kleinkindpädagogik, Mater Margarete Schörl.

Anlässlich ihres 105. Geburtstages wurde ihr zu Ehren bei einem Festakt bei der Bundesbildungsanstalt für Sozialpädagogik und Elementarpädagogik eine Büste enthüllt. Geschaffen wurde das Kunstwerk von der Bildhauerin Tanja Jetzinger-Kössler. Die Schörl-Tage (27. bis 29. September) der Fachstelle BEF (Beziehung-Ehe-Familie) der Diözese St. Pölten sind gleichzeitig die Startveranstaltung des Erasmus-EU-Projektes.

An der Enthüllung nahmen u.a. Bildungslandesrätin Barbara Schwarz, die Bischofsvikare Helmut Prader und Gerhard Reitzinger, Vizebürgermeister Franz Gunacker und Hildegard Schaup, Präsidentin von Soroptimist International St. Pölten Allegria, teil. Dass das Wirken von Schörl weiterlebt, zeigen schon die vielen Persönlichkeiten, die sich für das Weiterwirken des pädagogischen Erbes von Schörl einsetzen.

"Selber denken macht gescheit"

Landesrätin Schwarz verwies auf einen Kernsatz Schörls: „Selber denken macht gescheit.“ Jedes Kind sei einzigartig und solle gestärkt werden. Die Politikerin erinnerte auch an die Wirkungszeit der Pädagogin – nämlich die 1950er-Jahre, die von autoritärem Denken und Angstmacherei geprägt gewesen sei. Bahnbrechend sei bei Schörl gewesen, dass sie Kindern etwas zugetraut habe. Sie habe die Kleinen ermutigt, sich selbst ihre Welt zu bauen und ihnen dafür die Mittel zu geben und sie sollten in ihrem Rahmen Entscheidungen treffen können.

Auch Schwarz plädierte dafür, Kindern Entscheidungen zu überlassen, wenn diese reif genug dafür sind. Mit dem Satz „selber denken macht gescheit“ habe Schörl auch die Frauen gestärkt. Das betonte auch Hildegard Schaup. Sie habe Frauensolidarität über Generationen geprägt. Schörl habe genau die Lebenssituation der Kinder beobachtet und deren Fragen interessiert aufgenommen.

Kindern Fundamente mitgeben

Am Abend wurde im Maria Ward Haus (Lilienhof) eine Gedenkmesse mit Diözesanbischof Klaus Küng gefeiert. Er würdigte die großen Leistungen von Margarete Schörl, sie habe die Persönlichkeitsbildung von jedem einzelnen Kind im Blick gehabt.

Weiters sei es wichtig, Kindern Fundamente – die heute in den Familien oft fehlen würden - fürs Leben mitzugeben und dafür müsse man den Kleinen Werkzeuge mit auf den Weg geben. Schörl habe mit ihrer Pädagogik versucht, heilende Vorgänge einzuleiten, damit die Kinder zu starken Persönlichkeiten werden.

Schörl-Pädagogik

Den Namen Montessori kennt jeder, ihre Pädagogik ist weltweit bekannt. Aber: Schörl – wer ist das? Schörl-Pädagogik? Margarete Schörl (1912-1991) hat ein typisch österreichisches Schicksal: im Ausland gefeiert – in der Heimat vergessen.

Interessanterweise kennt fast jeder zumindest Elemente der Schörl-Pädagogik – ohne zu wissen, dass diese auf Mater Margarete der Englischen Fräulein zurückgehen. Vieles, was in der heutigen Kindergartenpädagogik selbstverständlich ist – oder gerade wieder entdeckt wird -, geht auf diese niederösterreichische Pionierin zurück.