Allrounder Schaf: Milch, Fleisch & Wolle. Milchschafzucht: Im Arbeitsleben von Andrea und Franz Schramel aus Thumling im Bezirk Zwettl spielen ihre Lacaune-Milchschafe die erste Geige.

Erstellt am 26. September 2017 (15:57)
Erich Marschik
Franz Schramel hat die Landwirtschaft von seinen Eltern übernommen und betreibt gemeinsam mit seiner Frau Andrea seit 2010 Milchschafzucht.

Thumling, wenige Kilometer von Martinsberg entfernt, ist ohne Navi nicht einfach zu finden. Ist man einmal in der kleinen, nur aus wenigen Häusern bestehenden Ortschaft, ist es dann umso leichter, zum Hof der Familie Schramel zu kommen: Einfach dem Blöcken der Schafe folgen, das aus dem Stall mit dem weit geöffneten Toren zu hören ist.

Aus dem Stall kommen auch Andrea und Franz Schramel, die im Jahr 2010 von der Fleckviehzucht im Nebenerwerb auf Milchschafzucht im Vollerwerb umgesattelt haben – von der Stunde Null an nach den strengen Richtlinien des AMA-Gütesiegels. Und das sieht man auch: Hier wird auf das Stallklima ((Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung usw.) geachtet, jedes Tier der Rasse „Lacaune“ hat genügend Platz in den Boxen, der Stall ist lichtdurchflutet und auf die Hygiene (trockene Böden und Einstreu sowie regelmäßige Stallreinigung) wird geachtet.

Erich Marschik
Die Schafherde der Schramels besteht aus rund 200 Lacaune-Milchschafen, sechs Widdern, einigen jungen Zuchtböcken für den Verkauf sowie der weiblichen Nachzucht. 

Natürlich sind auch aufmerksame Beobachtung und Kontrollen der Tiere durch das Landwirte-Ehepaar tägliche Routine, ebenso regelmäßige tierärztliche Untersuchungen der Schafe, um Krankheiten vorzubeugen. „Wir legen aber auch großen Wert auf die Kontrollen durch die AMA. So wird zusätzlich extern darauf geschaut, dass alles in Ordnung ist“, begründet Franz Schramel.

Leittiere zeigen der Herde, wo es langgeht

Einige Tiere machen gemütlich ein Nickerchen, andere fressen und die Aufgeweckten unter ihnen kommen zum Gitter und wollen von Andrea und Franz Schramel gestreichelt werden. „Schafe sind zutrauliche und freundliche Tiere, strahlen eine ungeheure Ruhe aus und haben einen ausgeprägten Herdeninstinkt“, erzählt Franz über den Charakter seiner Tiere. Den Herdeninstinkt macht man sich auch bezüglich Arbeitserleichterung zunutze: So gibt es nämlich im Idealfall in jeder Box zwei bis drei Leitschafe, die das Kommando innehaben und denen alle anderen – zum Beispiel zum Melkstand um 5 Uhr früh und um 17 Uhr abends – ohne „Diskussion“ folgen.

500 Liter Milch pro Jahr und Mutterschaf

Apropos Melken der rund 200 Mutterschafe am Hof: Ein gutes Schaf gibt im Jahr um die 500 Liter Milch. Diese wird den Schramels von dem Unternehmen „Die Käsemacher“ aus Vitis abgenommen. Werden Tiere geschlachtet, passiert das in einem Betrieb rund 35 Kilometer von Thumling entfernt. „Es ist uns wichtig, dass unsere Tiere einen möglichst kurzen und somit schonenden Transportweg haben, so Andrea. Und: Auch die Wolle wird an Verarbeiter in der Region weitergegeben.

Der aufregendste Tag im Jahr hier am Hof im Bezirk Zwettl in Sachen Schafzucht ist unbestritten der 25. Juli: Dann dürfen nämlich die Widder zu den Schafdamen, um auf natürlichem Wege für Nachwuchs zu sorgen.

Erich Marschik, Erich
Das Lacaune-Milchschaf besticht durch eine sehr gute Milchleistung sowie einer guten Schlachtkörperqualität.

Kurz vor Weihnachten erblicken dann die ersten Lämmer, meist Zwillinge, das Licht der Welt, zwischen 350 und 400 sind es gesamt. Eine Woche bleiben die Lämmer beim Muttertier, dann kommen sie für vier Wochen in eine Box mit einem Milch-Tränkeautomaten. Ab der fünften Woche gibt es schließlich keine Milch mehr, sondern Heu und Kraftfutter, die Ältesten dürfen auch schon die ersten Bissen Silage mitnaschen.

In den Tagen nach der Geburt wird auch jedes Lamm mit der Stallnummer und mit den Ohrmarken zur Tierkennzeichnung versehen. Zur Sicherheit für die Konsumenten, die somit hochwertige Lebensmittel mit Herkunftsgarantie auf den ersten Blick erkennen können.