Die Zukunft heißt Fahrrad. Fast die Hälfte aller Auto-Wege sind kürzer als vier Kilometer. Das Land will durch Investitionen den Umstieg erleichtern, die Radlobby sieht aber noch Hürden.

Von Lisa Röhrer und Daniel Lohninger. Erstellt am 24. Juni 2020 (00:46)
Symbolbild
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Das Fahrrad ist einer der Gewinner der Coronakrise. Darin sind sich Sportartikelhandel, Fahrrad-Lobby und Politik einig. Im Alltag hat es sich vor allem im städtischen Bereich zumindest vorübergehend als gesunde Alternative zu Öffis und Auto etabliert, in der Freizeit sorgt der E-Bike-Boom für die Belebung von Radwegen.

Politisch sind in Niederösterreich gleich drei Regierungsmitglieder für das Radfahren zuständig: Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko kümmert sich um das öffentliche Radwegenetz – sofern es nicht in die Zuständigkeit der Gemeinden fällt. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf ist als Energie- und Umwelt-Landesrat mit dem Thema befasst, und Wirtschafts-Landesrat Jochen Danninger deckt den touristischen Aspekt ab.

„Radfahren ist ein guter Grund, die heurigen Ferien daheim zu verbringen“, hofft Danninger, dass Niederösterreich als Fahrrad-Land vom corona-bedingten Trend zum „Urlaub daheim“ profitieren kann.

„Mobilitätswende ist das Ziel“

Dass das Radwegenetz überall noch ausbaufähig ist, bestreitet in der Landesregierung niemand. Schleritzko betont, dass aber bereits Millionen investiert wurden: „Unser Ziel ist die Mobilitätswende. Um diese voranzutreiben, ist die Förderung des Radfahrens und Zufußgehens neben dem Ausbau der Öffis die zweite zentrale Säule.“ Erstmals ist für 2021 deshalb das Radfahren als eigener Posten im Landes-Budget ausgewiesen – zwar nur mit vier Millionen Euro für Rad- und Gehwege.

Dazu kommen aber acht Millionen Euro für die Jahre 2020/21 aus dem „Gemeinde-Paket“ des Landes. Für Schleritzko ist das Fahrrad nicht nur in Städten ein taugliches Verkehrsmittel für den Alltag, sondern auch am Land: „Fast die Hälfte aller Autofahrten sind unter vier Kilometer lang – ein Viertel aller Arbeitswege ist kürzer als zehn Kilometer. Diese Distanzen sind perfekt für den Umstieg auf das Fahrrad.“

Große Hoffnungen setzt er in den Aufbau eines von der Straße getrennten Radschnellwegenetzes auf Pendler-Strecken. Bis 2030 sollen die ersten 200 Kilometer in Zusammenarbeit mit dem Klima-Ministerium errichtet werden – Pilotprojekte im Wiener Umland sind ebenso geplant wie die Verbindung von Gmünd nach Schrems im Waldviertel.

"Politik muss Mobilität völlig umstellen"

Die Radlobby freut sich, dass die Politik dem Radfahren mehr Stellenwert als früher beimisst. „Wegen der Klimakatastrophe ist die Politik in der Pflicht, die Mobilität völlig umzustellen“, betont Karl Zauner, Vorsitzender der Radlobby NÖ. Eine wichtige Forderung dieser: Die Zuständigkeit für die Radwege entlang der Landesstraßen soll komplett zum Land wandern.

Nur so lasse sich auch überregionale Vernetzung der Radwege durchsetzen, meint Zauner: „Die 573 Gemeinden sind nicht in der Lage, diese Herausforderungen zu stemmen.“

Zudem fordert die Radlobby eine engere Verzahnung von Öffis und Radverkehr, generelle Reduktion der Kfz-Geschwindigkeit auf Landesstraßen sowie eine gesetzliche Abstandspflicht und den massiven und flächendeckenden Ausbau der Radwege. „Radfahren gewinnt an Bedeutung. In Niederösterreich ist bei klarer Erkenntnis und bei mutigen Entscheidungen vieles möglich“, betont der Radlobby-Chef.

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