Erstellt am 10. Januar 2017, 01:17

von Thomas Jorda

Mikl-Leitner: „Jeder Euro ist gut investiert!“. Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner zieht in der NÖN Bilanz und spricht über ihre Pläne.

„Musikschulen sind Stationen der Lebensarbeit. Sie fördern Talente und sie fördern das Miteinander.“ Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner im Gespräch mit Thomas Jorda.  |  Marschik

NÖN: Die Musikschulen mit ihren 58.000 Schülern wurden 2016 mit 32 Millionen Euro gefördert. Was haben die Steuerzahler davon?

Johanna Mikl-Leitner: Sehr viel, denn für uns in Niederösterreich ist Kunst und Kultur und die entsprechende Förderung unserer Kinder wichtig. Gerade in Zeiten der Globalisierung kommen den Themen Kunst und Musik noch mehr an Bedeutung zu. Musikschulen vermitteln einen Teil unserer Traditionen. Und nur wer Tradition lebt, seine Traditionen kennt, kann auch selbstbewusst auf andere Kulturen zugehen. Da ist jeder Euro gut investiert.

Ist der Musikschul-Besuch für die Eltern zu teuer?

Mikl-Leitner: Niederösterreich ist das beste Beispiel dafür, dass das Geld der Eltern gut investiert ist. Wir haben es geschafft, auch in diesem Bereich aus dem Schatten der Bundeshauptstadt zu treten. Und mittlerweile genießen wir dafür selbst international großes Ansehen. Wir bieten den Kindern mit unseren Musikschulen Qualität in einer Breite an, die an allen Ecken und Enden spürbar und fühlbar ist.

Kann sich also die Kulturpolitik des Landes auf die Arbeit der Musikschulen und deren Management verlassen?

Mikl-Leitner: Das Musikschulmanagement leistet großartige Arbeit. Es hat im Rahmen des heiß diskutierten Musikschulgesetzes 2000 sehr viele Kompetenzen bekommen, in Richtung Koordination, Kooperation, Qualitätssicherung, eben in Richtung der Entwicklung eines modernen Musikschulwesens. Da wurde in den vergangenen 16 Jahren ein Weg gegangen, um den uns viele beneiden.

Musikerziehung ist wichtig, die Schulen sind dabei teils schlecht aufgestellt. Können Musikschulen das ersetzen?

Mikl-Leitner: Ich möchte in keine Schuldebatte einsteigen. Generell ist der Musikunterricht eine wichtige Basis für das kognitive Lernen. Aber darüber hinaus sollen auch musikalische Talente gefördert werden, in der Breite, aber auch die Elite. Beides ist mir wichtig.

Denken Sie an eine Zusammenarbeit der Musikschulen mit den Kreativakademien?

Mikl-Leitner: Wir haben vier Pilotprojekte dafür ins Leben gerufen, in Perchtoldsdorf, Wiener Neustadt, Waidhofen an der Ybbs und in St. Pölten. Das Ziel ist ganz konkret die Förderung der Kreativität. Das ist die entscheidende Zukunftskompetenz für unsere Kinder. Sie ist die ideale Basis für den Erwerb von Wissen, dessen Halbwertzeit immer kürzer wird.

Was ist seit dem Musikschulgesetz besser geworden?

Mikl-Leitner: Die Qualität ist einfach größer, wir sind wesentlich professioneller aufgestellt. Da muss man sich nur die großen Musikschul- Orchester anschauen, das Jugendsymphonieorchester, das Jugendjazzorchester, die Junge Bläserphilharmonie. Auch die Erfolge bei Wettbewerben wie Prima la musica werden jedes Jahr beeindruckender. Das ist, was junge Leute anspornt, Wettbewerbe, wo sich die Besten der Besten messen.

Ist der Schritt von der Bundesministerin für Inneres zur politischen Verantwortlichen für Musikschulen nicht weit?

Mikl-Leitner: Ob Innenministerin oder Landeshauptmannstellvertreterin, wir müssen alle den sozialen Frieden im Blick haben. Jeder muss dazu seinen Beitrag leisten. Und ich glaube, es gibt einfach keine bessere Brücke zwischen den Menschen als Musik und Kunst.

Haben die Musikschulen also eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe?

Mikl-Leitner: Davon bin ich überzeugt, als gesellschaftlicher Kitt und präventiv. Wer Talente und kulturelle Fertigkeiten bei Kindern fördert, eröffnet ihnen eine Welt voller Möglichkeiten. Und verhindert beim einen oder anderen vielleicht sogar, auf die schiefe Bahn zu geraten.