Für ältesten Trafikant gibt es keine Sperrstunden. Alois Haselmayer ist mit 90 Jahren der älteste Trafikant in ganz Österreich. Er führt seit 1950 die Trafik in Wolfsbach im Bezirk Amstetten.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 28. November 2017 (02:58)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Alois Haselmayer
Teresa Sturm

Am Wochenende wird im Gasthaus Karten gespielt. Auch die Bienen sind zu versorgen. Außerdem gibt es dann noch die Trafik in Wolfsbach im Bezirk Amstetten, die eigentlich immer offen hat. Alois Haselmayer ist ein viel beschäftigter, herzlicher und vitaler Mann. Das Geschäft betreibt er als 90-Jähriger als ältester Trafikant in ganz Österreich. „Er ist ein Original“, sagt sein Sohn Alois, Ältester von zehn Kindern.

Nach der Schule arbeitete Haselmayer als Milchbube beim Tierzuchtamt St. Pölten. Als er im Jahr 1944 gerade den Lehrgang zum Segelflieger besuchte, wurde er einberufen. Nach zwei Monaten in Polen durfte er wieder für sieben Wochen nach Hause: „Da habe ich so ein Glück gehabt.“ Im Jänner 1945 ging es zurück für eine kurze Ausbildung und dann zum Einsatz nach Holland an die Front.

„Da wurden wir Tag und Nacht mit Kanonen bombardiert“, sagt Haselmayer, der sich an alle Daten und Jahreszahlen genau erinnern kann. Dass er noch lebt, ist bemerkenswert, wenn man seine Erzählungen hört. Ende März 1945 kam er in englische Gefangenschaft. Emotional wird er immer dann, wenn er sich an die Menschen zurückerinnert, die geholfen haben, obwohl sie selbst nichts hatten.

 Trafik 1950 übernommen

 Glück hatte Alois Haselmayer oft im Leben, vor allem aber im Krieg. Das letzte Mal dann, als er Ende Juni 1946 endlich nach Hause durfte. „Wir sind um drei in der Früh in Wiener Neustadt angekommen und der Bürgermeister hat uns begrüßt. Um drei! Das war allerhand“, sagt der 90-Jährige immer noch ungläubig.

Als er endlich wieder zuhause war, hatte Haselmayer nicht viel Zeit, sich auszuruhen. Sofort half er wieder im elterlichen Betrieb mit sowie in der Trafik seines Bruders. 1950 übernahm Haselmayer dann offiziell die Trafik und heiratete seine Frau. „Sie war einmalig“, sagt er zwei Jahre nach ihrem Tod lächelnd über sie.

Allein ist er mit zehn Kindern, 24 Enkeln und elf Urenkeln aber nicht und langweilig wird Haselmayer sowieso nicht mit der Trafik und seinen Hobbys: „Es gibt eigentlich keine Sperrstunden. Der, der kommt, der kriegt auch was!“ Ans Aufhören denkt er nicht. „Die Trafik darf ich behalten, solange ich leb’. Das ist gut so.“

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