Forschen in Eis und Schnee. Claudia Grill aus Warth, Bezirk Neunkirchen, ist in den Norden Kanadas gezogen, um das Zusammenleben von Mensch und Tier zu erforschen.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 27. März 2018 (01:31)
Melissa Mitchell
Claudia Grill

Die Stadt Churchill im Norden Kanadas kann momentan nur mit dem Flugzeug erreicht werden. Im Winter hat es oft 50 Grad minus, die meisten Einwohner leben vom Tourismus. In und um die Stadt leben mehr Eisbären als Menschen, es sind etwa 1.000 Individuen.

Claudia Grill aus Kirchau in der Gemeinde Warth, Bezirk Neunkirchen, reiste 2010 das erste Mal in die Arktis, um für ihre Doktorarbeit zu forschen. Dabei interessierte sie besonders die Interaktion zwischen den Menschen und den Tieren und die soziale Bedeutung davon.

Grill wollte schon immer in eine Küstenregion im Norden, um zu forschen. „Eis und Kälte waren schon immer meins“, sagt die 35-Jährige. Schon damals spielte sie mit dem Gedanken, einmal permanent in die Arktis zu ziehen. Als sie am Ende ihres 18-monatigen Forschungsaufenthalts ihren Freund in Churchill kennenlernte, wurde dieser Plan noch konkreter. Nach jahrelanger Fernbeziehung und vorübergehender Aufenthaltsgenehmigung ist Grill seit Anfang des Jahres nun offiziell Staatsbürgerin.

Grill: "Jetzt bin ich gerade am Feinschliff"

Nach der Hauptschule in Scheiblingkirchen schloss die Niederösterreicherin das BORG ab und studierte anschließend Kultur und Sozialanthropologie. Danach arbeitete sie in Bielefeld in einer „Junior Research Group“ und beschäftigte sich mit den sozialen Auswirkungen des Klimawandels und bereitete sich auf die Dissertation vor: „Jetzt bin ich gerade am Feinschliff.“

Anfang des Jahres war Grill auf Heimatbesuch in Österreich und nutzte die Chance, um Vorträge in Schulen zu halten. Dabei hat sie darüber gesprochen, was es heißt, in der Arktis zu leben, aber auch über die Auswirkungen des Klimawandels. Etwa, dass es immer weniger Eis gibt.

Das Thema liegt der Forscherin sichtlich am Herzen: „Ich bin hierher gekommen mit einem hohen klimaaktivistischen Anspruch“, sagt Grill. Nach dem Abschluss ihres Doktorrats ist dies beruflich wohl auch weiter auf ihrer Agenda.

Neben Familie und Freundinnen vermisst Grill das Essen und Hügel und Berge. „Es ist hier extrem flach.“ Aber dafür habe sie viele andere Dinge. „Im Sommer gehe ich raus und schaue aufs Meer, ob es Wale gibt. Im Herbst kann es sein, dass ich rausschaue und einen Eisbären sehe“, ist Grill fasziniert.

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