„Das ist mein Leben“. Liebe zum Ballett / Susanna Aljana Papez führt seit 40 Jahren die gleichnamige Ballettschule in St. Pölten. Am 27. Mai wird das Jubiläum mit einer Aufführung im Landestheater gefeiert.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 12. Mai 2014 (00:00)
NOEN, Gleiß
Susanna Aljana Papez gibt seit 40 Jahren ihr Ballettwissen weiter. Foto: Gleiß

„Ich bemühe mich, den Kindern die Liebe zur Kunst, zum Tanz und zur Musik beizubringen.“ Die St. Pöltnerin Susanna Aljana Papez, die aus dem heutigen Slowenien stammt, leitet seit 40 Jahren ihre Ballettschule in der Landeshauptstadt. Und lebt damit von Kindheit an ihren Traum: Seit ihrem neunten Lebensjahr war Papez dem Ballett verfallen.

Vom Krankenhaus auf die Theaterbühne

Als sie damals als Schülerin den Ballettfilm „Kleine Tänzerin“ gesehen hatte, war es um sie geschehen. „Ab da war klar, dass ich Balletttänzerin werden will“, erinnert sie sich.

Ihre Ballettausbildung absolvierte Papez in Sarajewo. Durch eine Zufallsbekanntschaft kam sie nach Österreich – einem Land, zu dem sie seit Geburt an eine Verbindung hatte: „Meine Mutter war Österreicherin, sie ist in Gratkorn geboren“, erzählt sie.

In Österreich bekam Papez – die auch eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte – eine Stelle in einem Krankenhaus. Es folgten Verpflichtungen als Tänzerin am Landestheater Linz, im Stadttheater Baden und als Solotänzerin am Stadttheater St. Pölten. Von Beginn an gestaltete sie auch die Operetten-Festspiele in Bad Hall mit.

Pünktlichkeit und Ordnung werden erwartet

1974 schließlich entschied sie sich zur Gründung ihrer eigenen Ballettschule in St. Pölten. Hilfe erhielt sie von Edeltraud Fuchs, einer Lehrerin bei den Englischen Fräulein. „Durch Frau Fuchs habe ich einen Platz zum Trainieren gefunden –  ich habe in ihrer Klasse unterrichtet“, erzählt sie. Bis heute ist Fuchs am Erfolg der Ballettschule beteiligt: Sie ist für das Nähen der Kostüme verantwortlich.

Für Urlaub hat Papez seit der Gründung ihrer Ballettschule kaum Zeit. „Ich bin nur nach Hause nach Slowenien gefahren.“ Wenn neben der Ballettschule Zeit bleibt, dann geht sie in die Natur. Oder in die Oper. „Aber das ist ja auch wieder mit dem Beruf verbunden“, sinniert sie.

Was sie von den Schülern erwartet? Pünktlichkeit und Ordnung. „Wir haben oft nächtelang an Kostümen genäht. Wenn die einfach hingeschmissen werden, geht das nicht. Die Kinder müssen das schätzen“, erklärt die Ballettmeisterin. Früher sei sie viel strenger gewesen, „schrecklich streng“, so Papez. Das habe sich geändert.

Papez bedauert den Männermangel

Am meisten bedauert sie, neben dem schwindenden Interesse der Öffentlichkeit am Ballett, den Männermangel in der Branche: „Leider gibt es nicht viele Buben. Ich habe nur einen kleinen und einen großen.“

Obwohl sie viele talentierte Schüler hat, will sie „ihren“ Kindern nicht zu viel Hoffnung auf eine Karriere als Balletttänzerin machen. „Ich sage den Kindern, dass die Schule Vorrang hat.“

Ans Aufhören hat Papez schon öfter gedacht. „Aber was mache ich dann daheim?“, schmunzelt die St. Pöltnerin. Übrigens: Am 27. Mai wird das 40-Jahr-Jubiläum mit der Aufführung von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ im Landestheater gefeiert.

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