Spannendes Schuhwerk: Maßschuhe aus dem Mostviertel. Die Mostviertlerin Doris Pfaffenlehner fertigt Maßschuhe in ihrer Werkstatt im Bahnhof Kernhof an. Kunden reisen teils von sehr weit an.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 29. August 2017 (00:30)
Teresa Sturm
Doris Pfaffenlehner

Im Sommer nutzen viele den Bahnhof, um in den Urlaub zu fahren. Doris Pfaffenlehner hat da einen kreativeren Zugang. Seit 2009 stellt sie Maßschuhe in ihrer Werkstatt im schon lange aufgelassenen Bahnhof Kernhof, Bezirk Lilienfeld, her.

„Wir haben gar kein Haus gesucht“, erinnert sich die 34-Jährige, die ursprünglich aus Texing, Bezirk Melk, kommt. „Wir sind da nur vorbeigekommen, weil wir wandern waren, und haben ein bisschen reingelugt.“

Mittlerweile lebt Pfaffenlehner mit ihrem Mann und den drei Kindern im alten Bahnhofsgebäude und arbeitet dort auch. Die Arbeit mit den Händen ist ihr immer schon gelegen. Nach der Hauptschule absolvierte sie die HBLA für künstlerische Gestaltung in Wien, wo sie den Umgang mit Holz, Metall, Keramik und textilen Materialien erlernt hat.

„Das Schöne war, dass man ein breites Spektrum hat, das einem ermöglicht, sich erst später zu spezialisieren“, so Pfaffenlehner. Zum Beispiel auf Schuhmacherei: „Ich habe mich gefragt, wo fängt man bei Schuhen an. Es ist mir kompliziert erschienen, und das fand ich spannend.“

Also begann die Schusterin nach der Matura eine Lehre im ersten Wiener Gemeindebezirk beim Traditionsbetrieb Rudolf Scheer & Söhne.

"Die Schuhe waren plötzlich blau, rosa und orange"

Auch Erfahrung mit dem italienischen Schuh konnte die Mostviertlerin machen. Ein halbes Jahr arbeitete sie in Venedig. „Das war schon ein großer Unterschied zu den Wiener Schuhen. Die Schuhe waren plötzlich blau, rosa und orange“, erinnert sie sich.

Die meisten ihrer Kunden kommen aus dem Umkreis von Wien, Graz und Linz. „Aber auch in New York, Finnland, Texas und den Philippinen gibt es meine Schuhe“, sagt Pfaffenlehner mit einem stolzen Lächeln.

Lange gehörte auch der Jedermann zu ihren Kunden. Sieben Jahre arbeitete sie während der Salzburger Festspiele dort in der Schuhmacherei. „Im Team macht man dann Schuhe für die Oper und das Theater“, so Pfaffenlehner. Dort arbeitete sie sich bis zur Werkstattleiterin hoch und fertigte für Peter Simonischek Schuhe an.

Als Pfaffenlehner damals eine Lehrstelle suchte, war das „nicht so leicht, als Frau in dem Alter“. Also bildete auch sie ein Lehrmädchen aus, das mit dem Preis für Europas verrücktesten Schuh ausgezeichnet wurde.

Weil Pfaffenlehner im Moment in Karenz ist, nimmt sie nur kleine Aufträge an. Spätestens im Frühling ist sie aber wieder voll für die Kundschaft da. Für alle – nah und fern.

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